SED-Emblem : Der Tag, als der Bonbon verschwand

Am Samstag vor 20 Jahren kamen Bauarbeiter vor das Haus des Zentralkomitees der SED am Werderschen Markt und begannen, das fünf Meter hohe steinerne Emblem der SED zu beseitigen.

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Foto: dpa/padpa

BerlinJeder Hammerhieb gegen den Schriftzug einer als unantastbar geltenden Partei, vor kurzem noch undenkbar, war ein Menetekel für das Ende der DDR und des Dogmas der führenden Rolle, mit der die Partei ihre Anmaßungen zur Weltanschauung erhob. Dabei war dieses „Brüder, in eins nun die Hände“ im April 1946 nicht nur Zwang, sondern für viele auch Beginn einer neuen Gemeinsamkeit. Ministerpräsident Otto Grotewohl soll das Emblem entworfen haben. Doch mehr und mehr wurde der Bonbon am Revers oder in der Spitzenbluse zum Symbol für den besseren Menschen, der als Teil der Avantgarde ständig allen zeigen wollte, wo es langgeht: Die Partei, die Partei, hatte immer recht, sangen sie, und „wo ein Genosse ist, ist die Partei“: Der Nachrichtensprecher, der Staatsschauspieler oder der Staatsanwalt – alle zeigten, dass sie zur führenden Klasse gehörten. Im Dezember 1988 zahlten 2 324 995 Menschen ihren Beitrag in die Kassen der verschlungenen Händepartei. Kurz nach dem Mauerfall war der Bonbon weg. Heute gibt es ihn im Internet – für vier Euro. Lo.

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