Der Tagesspiegel : Spielplatz der Vandalen

Ärger im beschaulichen Kleinmachnow: Regelmäßig lärmen Jugendliche im Ortskern

Peter Könnicke

Kleinmachnow - „Rathausmarkt in Kinderhand“ stand auf der Einladung. Zum „großen Kinderfest“ hatte die Gemeinde Kleinmachnow Anfang September ins Ortszentrum eingeladen – mit vielen „kind- und familiengerechten Attraktionen“. In unmittelbarer Nachbarschaft des Rathausmarktes würde man sich freuen, wenn die Kinderfreundlichkeit sich nicht nur auf einen Nachmittag beschränken würde. Denn dort, am Arnold- Schönberg-Ring, einem jener neuen Wohngebiete, mit dem Kleinmachnow Berliner zum Umzug ins Grüne lockt, zeigt sich zwischen den schmucken Fassaden ein anderes Bild.

Der „Mariannenplatz von Kleinmachnow“ wird das ursprünglich als Spielplatz angelegte Areal genannt: Dreck, Müll, leere Schnapsflaschen, Kondome sind die beständigen Hinterlassenschaften von Jugendlichen, die den Platz seit Monaten zu ihrem Treffpunkt machen. Vor drei Jahren wurde der Spielplatz von einem Landschaftsplaner konzipiert, viel übrig geblieben ist nicht von der damals gepriesenen Anlage. Die Spielgeräte und Sitzbänke sind beschmiert oder zerstört, der Sandkasten zum Urinal verkommen. Nächtliche Alkoholexzesse sind regelmäßiges Programm, glaubt man den Klagen der Anwohnern. Vor etwa einem Jahr mussten sie gar einen Notarzt rufen, nachdem sie einen 15-Jährigen völlig betrunken neben seinem Erbrochenen gefunden hatten.

Suchten die Anwohner anfangs noch das Gespräch mit den Jugendlichen, ist die Grenze des Erträglichen inzwischen längst überschritten. Ihre Häuser werden mit Tomaten und Eiern beworfen. Geduld und Verständnis sind erschöpft. Die Anwohner wollen, dass der Spielplatz komplett verschwindet. Die Kinder in ihrem Viertel würden ohnehin im eigenen Vorgarten spielen. In Briefen an Bürgermeister, Ordnungsamt und Gemeindevertreter schildern die Nachbarn, wie sie von den Jugendlichen in übler Vulgärsprache beleidigt und beschimpft werden. Doch resigniert müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass sich Gemeinde und Polizei darüber streiten, wer zuständig ist. Mehr noch: Als eine Anwohnerin wegen des nächtlichen Lärms einmal mehr auf der Polizeiwache Teltow anrief, habe sich der Diensthabende alles andere als alarmiert gezeigt. „Die Jugendlichen sind freie Bürger und tun nichts Unrechtmäßiges“, habe er sie beschieden. Auch das gemeindliche Ordnungsamt greife nicht so ein, wie es die Anwohner erwartet hatten. Er hoffe, so schrieb der Amtsleiter vor einigen Tagen zurück, „dass sich das leidige Problem durch die kommende kühle Witterung zumindest einstweilen erledigen wird“.

Inzwischen ist der Spielplatz zum Politikum geworden. Im Ortsparlament stand das Problem auf Tagesordnung, ebenso im Sozialausschuss. „Doch verlief sich die Diskussion schnell ins Allgemeine“, räumt Bürgermeister Wolfgang Blasig (SPD) ein. Er selbst sei sehr nachdenklich geworden – vor allem nach den Gesprächen, die er inzwischen mit den Jugendlichen geführt habe. Bei einigen erkenne er Vernachlässigung, indem Eltern ihren Kindern 300 Euro Taschengeld geben und meinten, dadurch ihre Pflicht getan zu haben. Andere kämen aus sozial schwachen Familien, sie seien desillussioniert und suchtgefährdet. Er kündigte einen Maßnahmenkatalog an, der neben einem besserem Austausch zwischen Polizei und Ordnungsamt auch mehr Sozialarbeit in den Schulen nennt, um dort frühzeitig Einfluss nehmen zu können. Für den einige Neu-Kleinmachnower am Arnold- Schönberg-Ring könnten diese Schritte zu spät kommen. Sie überlegen, zurück nach Berlin zu ziehen. Peter Könnicke

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