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1:2 gegen Borussia Mönchengladbach : Hertha BSC ist zurück im Abstiegskampf

Es wird wieder eng für Hertha BSC. Nach dem 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach im Olympiastadion haben die Berliner nur noch vier Punkte Vorsprung auf Rang 16. Dabei war die Leistung lange Zeit durchaus in Ordnung.

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Zum Schreien. Valentin Stocker (l.) und Granit Xhaka kuscheln auf dem Rasen des Olympiastadions.
Zum Schreien. Valentin Stocker (l.) und Granit Xhaka kuscheln auf dem Rasen des Olympiastadions.Foto: AFP

Eine Viertelstunde vor Schluss machte sich in der Ostkurve freudige Erwartung breit. Der monotone Singsang der Fans von Hertha BSC ging in einen Jubelsturm auf. Änis Ben-Hatira kam aufs Feld – und mit ihm die Hoffnung auf ein wenig Offensivspektakel und vielleicht doch noch einen erfreulichen Ausgang eines insgesamt zähen Fußballspiels. Der Wunsch blieb unerfüllt. Im Gegenteil. Fünf Minuten vor dem Ende traf der ebenfalls eingewechselte Ibrahima Traoré mit einem Arjen-Robben-Gedächtnisschlenzer zum 2:1 (1:1)-Sieg für Borussia Mönchengladbach. „Heute haben wir keinen Punkt verdient“, sagte Pal Dardai, der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten. „Das müssen wir akzeptieren.“ 

Schwerer zu akzeptieren ist für die Berliner vermutlich, dass sie nach nun vier Spielen ohne Sieg wieder kräftig mitmischen im Abstiegskampf. Vom einst komfortablen Polster auf die Abstiegszone sind nach den Siegen von Paderborn und dem HSV sowie dem überraschenden Punktgewinn von Hannover 96 in Wolfsburg nur noch vier Punkte geblieben. „Vor dem Spiel hatten wir vier Matchbälle“, sagte Dardai, „jetzt haben wir drei.“ Drei Punkte, so die Rechnung des Ungarn, müssten zum Klassenerhalt reichen. 

Gegen die Gladbacher schien ein Punktgewinn lange möglich zu sein. Die Berliner spielten das, was sie am besten können: Sie verteidigten diszipliniert, gut organisiert und überließen den Gästen die Initiative. Am Ende wies die Statistik 72 Prozent Ballbesitz für die Gladbacher aus, doch bis kurz vor Schluss stand es 1:1. 

Valentin Stocker erzielte das zwischenzeitliche 1:1 für Hertha BSC

Nur einmal, nach zehn Minuten, hatte das Spiel einmal kurz Fahrt aufgenommen. Die erste gute Gelegenheit der Gäste machte das Schiedsrichtergespann noch zunichte, das nach einem langen Pass auf Max Kruse fälschlicherweise auf Abseits entschied. Doch den Gladbachern blieb gar keine Zeit, mit dieser Entscheidung zu hadern. Noch in derselben Minute vertändelte Per Skjelbred im Mittelfeld den Ball, die Borussia schaltete schnell um, der frühere Berliner Raffael bediente Kruse, und diesmal zählte der Treffer. 

Das Tor hätte den Gästen vor 56.881 Zuschauern eigentlich in die Karten spielen sollen, ihren Vorteil aber gaben sie nach zwei Minuten schon wieder aus der Hand. Genki Haraguchi flankte von der linken Seite, Salomon Kalou köpfte den Ball an die Unterkante der Latte, doch noch ehe Gladbachs Abwehr reagierte, war Valentin Stocker zur Stelle und beförderte den Ball per Kopf zum Ausgleich über die Linie. Angesichts der sich zuspitzenden Lage im Abstiegskampf trieb der Treffer die komplette Berliner Bank vor Freude auf die Tartanbahn. 

Pal Dardai glaubt, dass drei Punkte Hertha zum Klassenerhalt reichen müssten

Nach dem Ausgleich war es mit der Aufregung erst einmal wieder vorüber. Hertha überließ den Gästen wieder die Initiative. Granit Xhaka scheiterte mit einem Fernschuss an Thomas Kraft, der nach seiner Rippenprellung wieder im Tor stand. Dass der Torhüter der Berliner mit den Händen stärker ist als mit den Füßen, war auch gegen die Gladbacher wieder zu sehen. Kurz vor der Pause spielte er einen Ball genau in die Füße von Fabian Johnson und leitete damit die beste Chance der Borussen in der ersten Hälfte ein. Xhaka aber schlenzte den Ball am Tor vorbei. 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit trugen die Berliner etwas mehr zum Spiel bei, sie hatten auch die erste Gelegenheit, als Salomon Kalou mit einem Schuss aus der Drehung Gladbachs Torhüter Yann Sommer prüfte. In der Folge aber wurden die Gladbacher dominanter. „Wir wollten unbedingt gewinnen“, sagte der frühere Berliner Trainer Lucien Favre, der an seinem alten Arbeitsplatz seinen 100. Sieg in der Bundesliga feierte. Seine Mannschaft spielte klarer nach vorne, fand nun auch mehr Raum, weil Hertha die Abstände zwischen den eigenen Reihen nicht mehr so klein halten konnte. Offensichtlich hatte das stete Hinterherlaufen und Verteidigen viel Kraft gekostet. 

„Am Ende sind wir immer weiter hinten reingerutscht“, sagte Torhüter Kraft. „Dann wird es schwer, gegen eine Mannschaft wie Gladbach zu verteidigen.“ Dardai versuchte mit den Einwechslungen von Ben-Hatira (nach sechswöchiger Verletzungspause) und Ronny noch einmal Entlastung zu schaffen. Das bessere Händchen aber bewies sein früherer Lehrmeister Lucien Favre mit der Einwechslung des ehemaligen Herthaners Ibrahima Traoré. Fünf Minuten vor dem Ende brach der Jubelsturm am anderen Ende des Olympiastadions los.

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