Biathlon : Angst vor einer Winter-WM in Katar

David gegen Goliath: Beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding wird über die Folgen einer Verlegung der Fußball-WM 2022 in den Winter diskutiert.

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Knapp geschlagen. Simon Schempp lief in Ruhpolding mit der Staffel auf Rang zwei. Doch besprochen wurde am Rande des Weltcups ein ganz anderes Thema.
Knapp geschlagen. Simon Schempp lief in Ruhpolding mit der Staffel auf Rang zwei. Doch besprochen wurde am Rande des Weltcups ein...Foto: AFP

Es war ein gewöhnungsbedürftiges Frühstück, das da im zweiten Stock des Ruhpoldinger Stadiongebäudes angeboten wurde. Weißwürste und Brezeln, dazu Weißbier – das ist nicht jedermanns Sache, schon gar nicht vormittags um halb elf. So sahen das auch Franz Steinle und Thomas Pfüller, zwei der führenden Funktionäre im Deutschen Skiverband: Sie ließen das Mahl links liegen. Zumal den beiden Herren noch jene Mitteilung im Magen lag, die am Vortag aus dem Dunstkreis des Weltfußballverbande an ihre Ohren gedrungen war.

Am Mittwoch hatte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke mit seiner Aussage, die Fußball-WM 2022 in Katar werde im Winter ausgetragen, nicht nur den eigenen Laden in Aufruhr versetzt. Auch vor dem Staffelrennen der Biathleten, bei dem das deutsche Quartett mit dem Hauch von 0,1 Sekunden Rückstand auf Österreich als Zweiter ins Ziel schlitterte, bezogen in Ruhpolding der neue Verbandspräsident des DSV und sein Generalsekretär in dieser pikanten Angelegenheit Position.

Chef Steinle wies zunächst darauf hin, dass die Verlegung des Fußballturniers in den Winter noch nicht entschieden sei, doch innerlich stellt er sich bereits auf den Fall der Fälle ein. „Für uns wäre das etwas unverständlich und schlecht nachvollziehbar. Das würde uns hart treffen“, bekannte der 64-Jährige, der vor zwei Wochen als Nachfolger von Alfons Hörmann an die Spitze des DSV gewählt worden war.

Laut Valckes Aussagen in einem Interview mit dem Radiosender France Info stehe für die Katar-WM ein Termin „zwischen dem 15. November und spätestens dem 15. Januar“ im Raum. Gerade Ende Dezember und Anfang Januar würden in Deutschland viele Weltcups ausgetragen, gab Steinle zu bedenken und erwähnte zwei Veranstaltungen, die ihm sofort in den Kopf schossen: Die Vierschanzentournee der Skispringer rund um den Jahreswechsel und der Biathlon-Weltcup in Oberhof, der regelmäßig in der ersten Januarwoche stattfindet.

Man könne über die eine oder andere Verlegung nachdenken, sagte der Präsident. Und machte sich dabei auch schon Gedanken über die geballte Ladung Sport, die da im ausklingenden Jahr 2022 auf das Live-Publikum und die Fans vor den Fernsehern zurollen könnte. „Irgendwann ist bei den Zuschauern ein Sättigungsgrad da. Ab einem bestimmten Punkt wird es einfach zu viel – sowohl für den Fußball als auch für den Skisport“, warnte Steinle. Und sagte in einem frühen Anflug von Resignation: „Mehr als unsere Bedenken äußern können wir nicht. Denn wir wissen: Fußball ist die Sportart Nummer eins.“

Als eine „schlechte Nachricht für den Wintersport“ bezeichnete auch Generalsekretär Pfüller das Szenario einer Fußball-WM im Winter 2022. Offiziell will die Fifa darüber zwar erst nach der WM in Brasilien entscheiden, doch der frühere Biathlet sprach in Ruhpolding bereits von einem Kampf „Zwerg gegen Goliath“. Die Vierschanzentournee, darauf legte Pfüller sich schon mal fest, könne definitiv nicht verlegt werden. Ansonsten setzt der Generalsekretär im Namen des DSV auf tatkräftige Unterstützung starker Wintersportnationen wie der Schweiz und Österreich, wirbt für Gespräche zwischen Fifa und Wintersportverbänden – und gibt den Pragmatiker. „Wir haben jetzt“, sagt er, „sieben, acht Jahre Zeit, uns darauf vorzubereiten.“

An eine Fußball-WM im Sommer 2022 glaubt Thomas Pfüller offenbar schon jetzt nicht mehr.

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