Sport : Der Fall Balzer: Zwischen den Hürden verlaufen (Kommenter)

Jörg Wenig

Wie man sportlich aggressiv und erfolgreich einen Hürdenlauf gewinnt, das haben Karin und Karl-Heinz Balzer ihrem Sohn Falk beigebracht. Weniger Erfolg hatten sie offensichtlich dabei, ihm zu zeigen, dass dies auch im Sinne des Fairplay möglich ist.

Offensichtlich aus der Enttäuschung heraus, nicht Deutscher Meister geworden zu sein, sorgte Falk Balzer bei der Siegerehrung für einen Eklat, nachdem er zuvor noch im Zielauslauf auf Claude Edorh losgegangen war. Auch wenn der Kölner den Start verzögert hatte und sich ausgerechnet Falk Balzer so sehr gestört fühlte - das Problem hätte sich auch anders regeln lassen. Es handelt sich zudem um eine Lappalie, verglichen mit jenem 13. September 1998. An den hätte sich Falk Balzer vielleicht erinnern können. Damals war er einer von zwei Athleten, die mit einem Fehlstart davonliefen. Falk Balzer gewann in 13,10 Sekunden, und da es um den Weltcup ging, war er um 50 000 Dollar reicher. Seine Zeit fand übrigens auf Grund des Fehlstarts keinen Eingang in die internationalen Bestenlisten. Leidtragender war damals der britische Weltrekordler Colin Jackson, der - nebenbei gesagt - weder Balzer beschimpfte noch auf ihn losging.

Ersten Ärger zwischen dem DLV und der Trainingsgruppe Balzer gab es bereits vor einem Jahr bei der WM in Sevilla. Doch erst im Winter wurde daraus ein echter Fall Balzer. Im Rahmen der Deutschen Hallenmeisterschaften griff Falk Balzer den DLV an und bezeichnete den Pressesprecher des Verbandes als Lügner. Balzer wurde verwarnt. Jetzt muss er um den Olympiastart bangen.

Offenbar fehlen im Umfeld Falk Balzers geeignete Personen. Seine Mutter galt früher auch schon als recht temperamentvoll. Sein Manager Helmut Ebert versteht zwar Balzers Reaktion nicht, wird aber mit den folgenden Worten zitiert: "Man muss das auch mal mit der Gangart in anderen Sportarten vergleichen: Beim Fußball hauen die sich auf dem Platz in die Fresse und gehen anschließend einen saufen." Das sagt eigentlich alles. Der besonnene Hürdensprint-Bundestrainer Uwe Hakus wäre ein besserer Umgang.

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