Sport : Die Höllentour zu den Heiligen

Arsenals Jagd auf Manchester wird zur Nervenprobe

Jörg Wenig

In der entscheidenden Frage kam man in Highbury nicht weiter. Im Spitzenspiel der Fußball-Premier-League trennten sich Arsenal London und Manchester United 2:2. Dabei hatten die Londoner Glück, im Heimspiel nicht verloren zu haben. Denn bei seinem zweiten Tor zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung stand Thierry Henry im Abseits. Das Unentschieden könnte die Premier League bis zur letzten Minute der Saison spannend halten – und vielleicht sogar noch darüber hinaus. Wäre bei Punktgleichheit das Torverhältnis identisch, gäbe es ein Entscheidungsspiel.

„Wir haben immer noch eine sehr gute Chance", sagte Arsenals Trainer Arsène Wenger. Seine Mannschaft liegt drei Punkte hinter Manchester auf Platz zwei, hat aber im Gegensatz zu United noch ein Nachholspiel, gegen FC Southampton. Arsenal hat zudem die um einen Treffer bessere Tordifferenz und sechs Tore mehr geschossen als United. Doch Southampton könnte Arsenal die komplette Saison ruinieren. Am 7. Mai findet das Nachholspiel in London statt, zehn Tage später das Pokalfinale, in dem Arsenal ebenfalls auf die „Saints" (Die Heiligen) trifft. Ausgerechnet Southampton – bei den „Heiligen“ hatte Arsenal im Herbst 2:3 verloren, wobei Innenverteidiger Sol Campbell die Rote Karte sah. Auch gegen Manchester flog er vom Platz.

Manchester ist das Team der Stunde. Abgeschrieben war die Elf von Alex Ferguson im vergangenen Herbst, als sie zehn Punkte Rückstand zu Arsenal hatte. Anfang März waren es immer noch acht, allerdings hatte United eine Partie weniger gespielt. Nun liegt Manchester auch nach dem Spitzenspiel auf Platz eins. „Wir haben 2003 noch nicht verloren – und wir wollen diese Serie bis zum Saisonende halten“, sagte Ruud van Nistelrooy, der in London die Führung erzielt hatte. Ryan Giggs erzielte später das 2:2 für seine Elf, die ohne David Beckham antrat. Englands Kapitän spielte zuletzt wenig überzeugend. Umso erstaunlicher sind die jüngsten Ergebnisse. Vier Tage vor dem 2:2 hatte Manchester 6:2 in Newcastle gewonnen, zuvor 4:0 gegen Liverpool. Auch was das Torverhältnis angeht, hat United Boden gut gemacht. „Arsenal hat immer noch mehr Tore als wir – da müssen wir etwas tun“, sagte Alex Ferguson. „Wir haben noch vier Spiele, alle sind hart. Arsenal hat noch fünf Spiele, von denen zwei oder drei schwer sind.“

Eine schwere Aufgabe im vermeintlich leichteren Restprogramm wartet auf Arsenal bereits heute, wenn die Londoner in Middlesbrough antreten. Manchester muss am letzten Spieltag am 11. Mai noch zum FC Everton. United muss hoffen, dass Matt Dickinson nicht wieder Recht behält. Der Fußball-Korrespondent der „Times" hatte vor dem Spiel in Arsenal getippt: „Es gibt ein 2:2 – aber Arsenal wird trotzdem Meister. Wie wäre es mit einem Siegtor von Rooney am letzten Spieltag?“ Der 17-jährige Wayne Rooney, Englands jüngster Nationalspieler, hatte schon im Herbst das Siegtor von Everton gegen Arsenal geschossen.

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