Sport : Die magische Grenze

Danny Ecker ist zurück – und will sechs Meter überspringen

Jörg Wenig

Dessau. Wer Danny Ecker anrufen möchte, braucht Geduld. Bevor der 26-Jährige am Telefon ist, kommt meistens die Stimme der Deutschen Telekom: „Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar.“ Das ist eine gewisse Ironie. Denn der Stabhochspringer Danny Ecker hatte lange Zeit einen ganz anderen Anschluss verloren.

Es war der Serien-Weltrekordler Sergej Bubka (Ukraine) – dessen höchste Sprünge von 6,15 und 6,14 Metern inzwischen schon elf Jahre zurückliegen – der in dem jungen Danny Ecker einen potenziellen Nachfolger sah. Doch auf dem Weg zu Höhen jenseits der sechs Meter geriet die Karriere ins Stocken. Im Februar 2001 war Ecker als zweiter Deutscher nach Tim Lobinger über jene 6,00 Meter gesprungen, die für alle Stabhochspringer – ausgenommen Bubka – damals wie heute die magische Grenze sind. Ecker hätte bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2001 zu den Favoriten gehört. Doch statt in Lissabon zu springen, unterzog sich der Leverkusener einer Operation am Fuß. Kleinere Verletzungsprobleme folgten, doch es war dann die Schulter, die ihm zu schaffen machte. Der 19. Juli 2002 sollte für lange Zeit sein letzter Wettkampf sein. In Monte Carlo sprang er damals 5,55 Meter. Erst jetzt, eineinhalb Jahre später, ging Danny Ecker wieder an den Start. In Dessau wurde er am Sonntag Achter mit 5,40 Meter.

Das Comeback war nicht spektakulär, aber darum ging es nicht. „Ich war sehr nervös. Für mich war es hier nur wichtig, in einem Wettkampf zu springen. Es ist ein schönes Gefühl, wieder dabei zu sein.“ Mit Ecker ist ein Athlet zurückgekehrt, den die deutsche Leichtathletik dringend braucht – einer, der Erfolg haben könnte und Ausstrahlungskraft besitzt. Olympia in Athen ist das große Ziel. „Darauf ist mein Training langfristig ausgerichtet. Die Olympischen Spiele waren der Grund für mich, wieder anzufangen“, sagt Ecker. Erst im Juni 2003 konnte er mit dem Stabtraining beginnen. „Davor habe ich mich manches Mal gefragt, ob es noch Sinn macht.“ Zumal es auch finanziell enger wurde für den WM-Vierten von 1999, der Wirtschaftswissenschaften studiert.

Startgelder fielen weg, Sponsoren zogen sich zurück oder reduzierten ihr Engagement. Doch die Entwicklung an der Weltspitze ging in den letzten Jahren nicht voran. Das ist in der schwierigen Zeit eine Motivation für Danny Ecker gewesen. „Es ist ein Ansporn, zu wissen, dass ich den Anschluss an die Weltspitze wieder schaffen kann.“ Wäre dieses Ziel unrealistisch, hätte er auf das Comeback verzichtet. „Wenn ich wüsste, es sind nur 5,70 Meter drin, würde ich es nicht machen“, sagt er und fügt hinzu: „Ich will dahin, wo ich war.“ Über sechs Meter also.

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