Doping im Biahtlon : Weltcupführende Jurjewa unter Verdacht

Nach unbestätigten Angaben der russischen Zeitung "Komsomolskaja Prawda" stammen die positiven A-Proben beim Weltcup in Östersund von den Weltklasse-Biathleten Jekaterina Jurjewa, Albina Achatowa und Dimitri Jaroschenko. Bundestrainer Uwe Müssiggang schließt Doping der deutschen Frauen aus: "Dafür lege ich meine Hand ins Feuer."

Helen Ruwald
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Gedopt an die Spitze? Jekaterina Jurjewas A-Probe soll positiv sein.Foto: dpa

Berlin - Wladimir Dratschew hatte großes Ungemach angekündigt. Der frühere russische Biathlon-Weltmeister und jetzige Präsident der Biathlonföderation von Nordwestrussland hatte am Dienstag der russischen Nachrichtenagentur „Allsport“ gesagt: „Ich kann bestätigen, dass es um führende russische Biathleten geht.“ Die Internationale Biathlon-Union (IBU) hatte zu diesem Zeitpunkt lediglich mindestens zwei positive Dopingtests beim Weltcup im Dezember in Östersund bestätigt. Namen oder Nationalitäten nannte der Verband nicht. Gestern veröffentlichte die russische Tageszeitung „Komsomolskaja Prawda“ nun die Namen der drei Biathleten, deren A-Probe positiv gewesen sein soll. Inoffiziellen Informationen zufolge soll es sich um die Gesamtweltcup-Führende Jekaterina Jurjewa, die Gesamtsechste Albina Achatowa sowie Staffel-Weltmeister Dimitri Jaroschenko handeln. Jurjewa siegte 2008 im WM-Einzelrennen, Achatowa hat bereits vier WM-Titel errungen. Die betroffenen Sportler haben die Öffnung der B-Probe beantragt. Das solle jetzt so schnell wie möglich passieren, teilte die IBU mit.

Zweiter positiver Test bei Achatowa

Achatowa war bereits 2003 positiv getestet worden. Sie wurde nicht gesperrt, weil eine Ärztin ihr das nachgewiesene Mittel unmittelbar nach einem Rennen verabreicht haben soll; Achatowa war im Ziel kollabiert. Darauf könnte sie sich diesmal nicht berufen. „Allsport“ schreibt unter Berufung auf Pierre Jeannier aus der medizinischen Kommission der IBU, im Urin der betroffenen Sportler seien Spuren einer „dritten Generation“ des Blutdopingmittels Epo gefunden worden.

Trendsport in der Krise

Sollten tatsächlich drei Weltklasseathleten gedopt haben, könnte der Trendsport vor der kommende Woche in Pyeongchang (Südkorea) beginnenden WM in eine schwere Krise stürzen. Biathlon, eine Ausdauersportart wie der von Dopingskandalen erschütterte Radsport, ist in Deutschland längst zur Wintersportart Nummer eins aufgestiegen. Bei den Weltcups 2009 in Oberhof, Ruhpolding und Antholz saßen im Schnitt 4,58 Millionen Fans vor dem Fernseher, was einem Marktanteil von 25,9 Prozent entspricht. Bei den Flutlichtrennen waren es mehr als fünf Millionen Zuschauer.

Noch will die ARD weiter live berichten

Aus der Live-Berichterstattung der Tour de France wird die ARD sich zurückziehen – Ähnliches ist im Biathlon bisher nicht geplant. Noch führe die ARD keine Krisengespräche, heißt es beim für Biathlon zuständigen RBB. Man beobachte die Lage aber kritisch. Sollte systematisches Doping bekannt werden, „muss man darüber reden“, sagt RBB-Sprecher Ralph Kotsch.

Sollte sich der Dopingverdacht bestätigen, „ist das sicher ein Imageschaden für die Sportart“, sagt Thomas Pfüller, der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes. Dass das Kontrollnetz immer engmaschiger werde, sei aber ein positives Zeichen. „Wenn die schwarzen Schafe aussortiert sind, bleibt es eine fernsehfreundliche Sportart.“ Dass deutsche Biathleten dopen, glaubt Pfüller nicht: „Die, die jetzt an der Spitze sind, kenne ich so gut, dass ich mir das nicht vorstellen kann. Eine falsche Medikamenteneinnahme ist nie auszuschließen, Blutdoping schon.“

Vor einem Jahr waren die Deutschen unter Verdacht

Vor einem Jahr gerieten die Deutschen, die mit Kati Wilhelm und Magdalena Neuner die Gesamtzweite und -dritte des Weltcups stellen, aber sehr wohl unter Verdacht. Die ARD berichtete, 20 deutsche Biathleten und Langläufer hätten bei einer Wiener Blutbank systematisch Blutdoping betrieben. Beweise gab es nicht, die Sportler wehrten sich mit eidesstattlichen Erklärungen. „Weil wir letztes Jahr Opfer von Anschuldigungen wurden“, will Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang vorerst kein Urteil über das russische Team fällen. Sollte sich der Dopingverdacht bestätigen, wäre er „in erster Linie wütend“. Zweifel an seinen Schützlingen hat er nicht. „Für die lege ich die Hand ins Feuer. Sie könnten sich sonst nicht mehr in die Augen schauen.“

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