Dopingverdacht : DSV stellt Anzeige gegen Unbekannt

Der Deutsche Skiverband reagiert auf die Dopingverdächtigungen gegen seine Biathleten und erstattet Strafanzeige. DSV-Vize Franz Steinle kontert zudem die Vorwürfe von Peter Danckert, dem Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag.

Gerald Fritsche,Holger Schück[dpa]
Biathlon
Der DSV wehrt sich gegen Dopingverdächtigungen gegen seine Biathleten. -Foto: AFP

LeipzigMit einer Strafanzeige gegen Unbekannt wehrt sich der Deutsche Skiverband (DSV) gegen die Dopingverdächtigungen. Die Anzeige reichte der Verband am Montag und Dienstag bei den Staatsanwaltschaften München I und Wien ein. Hintergrund: Am Wochenende war eine anonyme Anzeige wegen angeblichen Blutdopings gegen deutsche Biathleten in Österreich bekanntgeworden. "Die Anzeigen wegen Verleumdung, übler Nachrede, Beleidigung und falscher Verdächtigungen sind auf dem Weg", sagte der für Rechtsfragen zuständige DSV- Vizepräsident Franz Steinle am Dienstag.

DSV-Vize Steinle widerspricht Danckert

Gleichzeitig widersprach er Äußerungen des Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag, Peter Danckert. Der SPD-Politiker hatte die vom Skiverband eingeforderten Eidesstattlichen Versicherungen der Athleten als "irrelevant und ziemlich wertlos" bezeichnet. Der Öffentlichkeit werde Sand in die Augen gestreut. "Diese Eidesstattlichen Versicherungen haben genauso wenig Aussagekraft wie die bei den österreichischen Strafverfolgungsbehörden eingegangene anonyme Anzeige. Eine falsche Erklärung dieser Art ist nur dann strafbewehrt, wenn sie vor einem Richter abgegeben wird", begründete Danckert seine Kritik.

Steinle hält dagegen, dass die Eidesstattlichen Versicherungen bewusst eingeholt worden sind, um sie bei Gericht vorzulegen. "Die erste Eidesstattliche Versicherung nach den Blutdopingvorwürfen im Januar wurde in Vorbereitung einer Einstweiligen Verfügung vor dem Amtsgericht Hamburg unterschrieben. Sie war also nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern um sie in einem Verfahren einzusetzen", sagte Steinle.

Athleten werden belehrt

Die Athleten seien belehrt worden, dass sie sich mit einer bewussten Falschaussage strafbar machen, sagte Steinle weiter. Dies könne mit einer Freiheitsstrafe beziehungsweise einer erheblichen Geldstrafe geahndet werden. Auch die nun um den Passus "nie mit Doping-Praktiken in Verbindung gestanden oder irgendeine Form unerlaubter Leistungsmanipulation betrieben zu haben" erweiterte zweite Eidesstattliche Versicherung wird eingeholt, um sie bei Gericht einzureichen, betonte Steinle.

Die Biathleten werden sie am Samstag vor ihrem Abflug zum Weltcup in Südkorea auf dem Flughafen unterschreiben. Eine schnellere Unterschrift ist den Angaben zufolge aus logistischen Gründen nicht möglich. Im Anhang an die Versicherung sei noch einmal eine ausführliche Belehrung mit samt der relevanten Paragrafen enthalten, sagte der DSV-Vizepräsident.

Die von einem Unbekannten angezeigte angebliche Beteiligung deutscher Biathleten an der Doping-Affäre "Wiener Blut" soll nach dem Willen Danckerts von den zuständigen österreichischen, aber auch von deutschen Behörden umfassend untersucht werden. "Die Öffentlichkeit ist stark verunsichert und weiß nicht mehr, wem sie glauben kann", sagte der Bundestags-Abgeordnete. "Staatliche Strafverfolgungsorgane in Österreich und Deutschland sind genauso gefordert wie das Internationale Olympische Komitee, der Deutsche Olympische Sportbund und die österreichischen Verbände."

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