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Unsanfte Landung für Geiger und Co. In Slowenien war nichts zu holen fürs deutsche Team.

© Imago/Newspix/Mateusz Januszek

Fast 200 Meter Rückstand: Deutsche Skispringer in Planica nur am Grill stark

Die deutschen Skispringer sind in Planica chancenlos. Sowohl im Einzel als auch im Team ist für sie nichts zu holen. Trost gibt es bei einem traditionellen Event.

So chancenlos wie auf der riesigen Fluganlage von Planica waren die deutschen Skispringer selten. Erst schaffte es im Einzel keiner der Athleten unter die besten 15, dann verlor das Quartett Felix Hoffmann, Markus Eisenbichler, Karl Geiger und Andreas Wellinger im letzten Teamwettbewerb des Winters fast 200 Meter auf Sieger Österreich um den überragenden Stefan Kraft, der auch im Einzel siegte.

Bei herrlichem Sonnenschein versuchten Wellinger und Co. am Samstag, den sportlichen Tiefschlag schnell zu vergessen und beim alljährlichen Grillfest im Tal der Schanzen Ablenkung zu finden. „Es ist ein cooler Abschluss. Jeder bringt Spezialitäten aus dem eigenen Land mit. Wir werden das als Skisprung-Familie genießen“, kündigte Wellinger in der ARD an. Auf die „ein, zwei Bier“ freue er sich jetzt schon, sagte Eisenbichler zu dem festen Ritual am vorletzten Tag der Saison.

Anders als am Freitag, als heftiger Wind ein Springen unmöglich machte, ging es diesmal schon um 8.45 Uhr los. Ein Durchgang im Einzel sowie die planmäßigen zwei Durchgänge im Team liefen reibungslos ab – mit jeweils ernüchternden Ergebnissen für das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV). Im Einzel blieben Eisenbichler (17.), Wellinger (20.) und Geiger (25.) bereits deutlich zurück.

Wir haben definitiv als Mannschaft nicht das abrufen können, was wir als Qualität draufhaben.

Andreas Wellinger, deutscher Skispringer

Im Team war nicht nur Sieger Österreich (Kraft, Daniel Tschofenig, Jan Hörl, Michael Hayböck) deutlich stärker, sondern auch die Slowenen um Timi Zajc und die Norweger um Halvor Egner Granerud. Selbst die viertplatzierten Polen lagen knapp 100 Punkte vor dem chancenlosen Quartett von Bundestrainer Stefan Horngacher. Bei den Polen fehlte der ehemalige Weltmeister Dawid Kubacki, der seine Saison vorzeitig beendete, weil seine Frau mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat.

„Die Saison war nicht einfach für uns. Wir haben definitiv als Mannschaft nicht das abrufen können, was wir als Qualität draufhaben“, sagte Wellinger als eine Art Saisonfazit.

Abgesehen von der erfolgreichen WM, die ebenfalls in Planica stattfand, war es ein ernüchternder Winter für die Athleten, die sehr häufig mit den Überfliegern um Norwegens Granerud und Tagessieger Kraft nicht mithalten konnten. „Es war ein schwieriger Kampf“, sagte der letzte deutsche Vierschanzentournee-Sieger Sven Hannawald.

Immerhin Geiger, der angeschlagen in das lange Wochenende gestartet war, konnte einen leichten Aufwärtstrend schildern. „Es wird jeden Tag besser. Das Springen lief überraschend gut. Das Wochenende überstehe ich schon“, sagte der Oberstdorfer.

Für Geiger war es trotz leichten Formanstiegs am Ende eine enttäuschende Saison. Deutschlands bester Skispringer hatte bei der Vierschanzentourenee schon die Qualifikation in Innsbruck komplett verpatzt und war dort überraschend ausgeschieden.  

Allein bei der Weltmeisterschaft – ebenfalls in Planica – Ende Februar lief es besser für ihn. Der 30 Jahre alte Oberstdorfer freute sich damals in Slowenien über Rang drei, Wellinger hatte sogar überraschend WM-Silber gewonnen. Doch nur einmal Bronze – das ist im Normalfall nicht der Anspruch von Karl Geiger, er ist ein Athlet mit gehobenen Ansprüchen. Dabei hatte er vor der nun endenden Saison noch verhalten optimistisch geklungen. Saisonziele, die sich auch mit Zahlen belegen lassen würden, habe er keine, hatte er gesagt.

Wichtig sei, gut in die Saison reinzufinden. „Wenn ich weiterhin dazu in der Lage bin, eine Saison wie die letzte zu springen, dann ist die Saison gut verlaufen.“

Der 13-fache Weltcupsieger war sich aber nach dem zweiten Platz im Gesamtweltcup der Vorsaison auch bewusst: „Wenn man schon weit vorne ist, ist nicht mehr viel Luft nach weiter vorne.“

Das letzte Einzel am Sonntag (10.00 Uhr/ARD und Eurosport) bildet den Abschluss der Wintersport-Saison – und wird entscheiden, ob Granerud oder Kraft die Trophäe als bester Skiflieger des Winters gewinnt. Mit solchen Trophäen hatte das deutsche Team in dieser Saison nichts zu tun.

Aber das Gute ist: Wer so tief gefallen ist, der kann in der kommenden Saison nur besser landen – wenn die deutschen Springer nun die richtigen Schlüsse aus einem für die völlig verkorksten Winter ziehen.

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