Formel 1 : Grauer wird’s nicht

Niki Lauda wollte jede Wette eingehen, dass sein Mercedes-Rennstall in der Reifentest-Affäre ohne Strafe davonkommt. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister behielt Recht. Unser Autor erklärt die clevere Taktik der Mercedes-Chefs.

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Abgezockt. Das Mercedes-Trio hatte sich in der Reifentest-Affäre mehrfach abgesichert.
Abgezockt. Das Mercedes-Trio hatte sich in der Reifentest-Affäre mehrfach abgesichert.Foto: dpa

Niki Lauda hatte es geahnt: Er würde jede Wette eingehen, dass sein Mercedes-Rennstall in der Reifentest-Affäre ohne Strafe davonkommt, hatte der dreimalige Formel-1-Weltmeister erklärt. Und Lauda behielt Recht.

Die Formel 1 ist ein ständiger Kampf in der Grauzone. Nur wer an die Grenzen des Erlaubten geht und sie hin und wieder auch überschreitet, kann triumphieren. Nach drei erfolglosen Jahren setzte sich diese Erkenntnis auch beim Mercedes-Werksteam durch. Deswegen wurde der biedere Statistiker Norbert Haug vor dieser Saison durch die ausgebufften Formel-1-Insider Toto Wolff und Niki Lauda ersetzt.

Dieser Deal beginnt sich langsam auszuzahlen. Wolff, vor allem aber Lauda und das frühere Ferrari-Cleverle Ross Brawn gelten als Meister der Grauzone. Sie wissen, dass die Weichen für den Erfolg in den Hinterzimmern des Fahrerlagers gestellt werden. Zwar konnte das Tribunal des Automobil-Weltverbands Fia „keine Arglist“ erkennen, aber natürlich waren die dreitägigen Testfahrten eine heikle Angelegenheit, das wusste auch Mercedes. Deshalb war die Geheimhaltungsstufe so hoch, dass die Piloten mit schwarzen Helmen auf die Strecke geschickt wurden.

Doch das abgezockte Mercedes-Trio hatte sich schon vorher abgesichert. Zunächst nutzte es den großen Firmen-Namen, um Druck auf den Kunden Pirelli auszuüben, bis der Reifenhersteller schließlich einknickte und dem Rennstall einen Test anbot. Angeblich soll Lauda den Deal über seinen Kumpel eingefädelt haben, den Formel-1-Boss Bernie Ecclestone höchstselbst. Und die Fia wurde durch ein paar eher informelle Anrufe beim (von Ecclestone installierten) Renndirektor Charlie Whiting zum Mitwisser gemacht.

Weil alle mit ins Boot gezogen wurden, war schließlich keine harte Bestrafung für Mercedes möglich, ohne dass die wichtigsten Instanzen der Formel 1 ihr Gesicht verloren hätten. Niki Lauda, Toto Wolff und Ross Brawn haben wieder einmal die alte Formel-1-Regel bestätigt: Frech fährt vor.

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