Geht im Nordosten die Sonne unter? : Hansa sucht Hoffnung

Hansa Rostock ist Letzter der Zweiten Liga, hat gewaltbereite Fans und kämpft um die Zukunft und plant bereits zweigleisig - für die Zweite und Dritte Liga.

Kerstin Hebeler
Zu oft zu spät dran. Hansas Janecka (links) im Duell mit dem Frankfurter Köhler.
Zu oft zu spät dran. Hansas Janecka (links) im Duell mit dem Frankfurter Köhler.Foto: dpa

Wolfgang Wolf läuft an der Seitenlinie auf und ab, er flucht und motiviert, schüttelt den Kopf und ballt kämpferisch die Fäuste. Wer den Trainer des Zweitligisten Hansa Rostock während eines Spiels seiner Mannschaft erlebt, der weiß: Wolf ist ein Gemütsmensch. Er ist einer, der sich mit Leib und Seele engagiert, der seine Spieler fordert, aber auch Fehler verzeiht.

Neulich ist es Wolf zu bunt geworden. Vergangene Woche, vor der 1:5-Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt, hat er Kevin Pannewitz, einen seiner talentiertesten Spieler, aus dem Kader gestrichen. „Er ist körperlich in einer desolaten Verfassung und zurzeit nicht zweitligatauglich“, sagt Wolf. Schon in der Vergangenheit war Pannewitz durch fehlende Disziplin aufgefallen. Auch Peter Vollmann, bis Dezember 2011 Wolfs Vorgänger in Rostock, hatte den 20-Jährigen suspendiert.

Beim Saisonendspurt muss Wolf also vorerst auf einen Hoffnungsträger verzichten. Und das, obwohl der Klub zum zweiten Mal vor dem Abstieg in die Dritte Liga steht. Am Sonntag muss der Tabellenletzte beim Vorletzten Karlsruher SC gewinnen, um seine Minimalchance auf den Klassenerhalt zu wahren. Die Klasse zu halten ist nach gerade zwei Rostocker Siegen aus 25 Ligaspielen schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Rostock hat fünf Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Platz und auf Relegationsplatz 16. Mit Fortuna Düsseldorf, St. Pauli und Greuther Fürth müssten sich die Hanseaten in den nächsten Wochen außerdem gegen drei Aufstiegskandidaten behaupten. Und nicht nur sportlich verlief die Saison für Hansa bislang frustrierend. Der Versuch des Neuanfangs mit einer jungen Mannschaft wurde wiederholt durch Ausschreitungen von Rostocker Anhängern überschattet.

Der ehemalige Rostocker Spieler und heutige Hansa-Manager Stefan Beinlich gibt sich kämpferisch. „Es liegt an uns. Wir können noch die Klasse halten.“ Längst aber planen Beinlich und der übrige Vorstand zweigleisig. Gerade hat der Verein die Lizenzierungsunterlagen sowohl für die Zweite als auch für die Dritte Liga eingereicht. Für die Zweite Liga plant Hansa Rostock mit einem Gesamtetat von knapp 16 Millionen Euro, für die Dritte Liga mit rund zehn Millionen Euro. Klubchef Bernd Hofmann geht davon aus, beide Lizenzen unter Auflagen zu erhalten. Dass der mit zehn Millionen Euro verschuldete Klub überhaupt noch Pläne schmieden kann, liegt auch an der Hansestadt Rostock und der Landesregierung. Stadt, Land und Verein tüfteln an einem millionenschweren Maßnahmenpaket, das zur Existenzsicherung des Klubs beitragen soll. Verhandelt wird unter anderem über den teilweisen Erlass von mehr als zehn Jahre alten Steuerschulden in Höhe von 4,5 Millionen Euro.

Bislang haben gerade sieben Spieler einen Vertrag für die Dritte Liga. Und ob Trainer, Vorstandschef oder aber Manager Beinlich bei Hansa Rostock im Fall der Fälle bleiben würden, ist ebenfalls fraglich. Wolfgang Wolf will sich angesichts der prekären Lage nicht über persönliche Pläne äußern. „Ich denke noch nicht an die Dritte Liga“, sagt der Gemütsmensch trotzig. „Und ich würde jeden Spieler, der das tut, sofort aus dem Kader streichen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben