Golf - British Open : Rory McIlroy behauptet Führung - Martin Kaymer weit zurück

Der Nordire Rory McIlroy steht bei der 143. British Open der Golfprofis vor dem Sieg – weil er sich nach turbulenten Monaten endlich nur auf seinen Sport konzentriert.

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Schirmherr der Veranstaltung. Rory McIlroy dominiert bei den British Open.
Schirmherr der Veranstaltung. Rory McIlroy dominiert bei den British Open.Foto: dpa

Schadensbegrenzung auf den ersten neun Löchern, ein imponierender Endspurt auf den letzten Bahnen: Die dritte Runde dieser British Open bedeutete für Rory McIlroy ein Wechselbad der Gefühle. Der Beginn jedenfalls war kein Spaziergang, weit entfernt von der leichten Brillanz, mit welcher der 25-Jährige in den ersten beiden Runden dieses Majors die Zuschauer faszinierte und die Konkurrenz mit zwei 66er-Ergebnissen deklassierte. Nein, dieser Samstag geriet zu Beginn zu einem echten Arbeitstag – mühselig, anstrengend: Ein Bogey am ersten Loch verkürzte seine Führung von vier Schlägen schnell auf nur noch zwei, weil Rickie Fowler, zuletzt bei der US Open Zweiter hinter Martin Kaymer, zu Beginn des Tages mit vier Birdies auf den ersten sechs Löchern eine furiose Aufholjagd startete.

An Tagen wie diesen, wenn die Abschläge immer ein Stückchen aus der Richtung sind, der Ball immer ein wenig unglücklich liegt, das Spiel nie wirklich in Gang kommen will, zeigt sich die wahre Qualität eines Spielers. Rory McIlroy kämpfte ständig um das Par, ließ sein Spiel nicht aus dem Ruder laufen, wie es etwa dem Italiener Francesco Molinari passierte, der an diesem dumpfen, wolkenverhangenen Tag in Hoylake jeden Bunker, jedes Stückchen Rough mitzunehmen schien und nach drei Bogeys in Folge zum Start der Runde nur noch als Staffage für seine Mitspieler Rory McIlroy und Dustin Johnson diente.

Martin Kaymer liegt nach Runde drei auf Platz 45

Es war eine ungewohnte Situation, die man am Samstag in Royal Liverpool erlebte: Zum ersten Mal in der Geschichte der British Open wurde aufgrund katastrophaler Wettervorhersagen von zwei Abschlägen und in Dreier-Gruppen gespielt, weshalb sich die Ereignisse an allen Ecken des Platzes überschlugen. Die nassen Grüns, weicher und deshalb deutlich einfacher, machten Birdies in Serie möglich. Rickie Fowler verkürzte den Abstand auf McIlroy mit Birdies an den Löchern zehn und elf auf nur einen Schlag. McIlroy konterte mit einem Birdie an Loch elf, Fowler setzte eines an Bahn zwölf dagegen. Zu diesem Zeitpunkt geriet die British Open zu einer Auseinandersetzung zwischen nur zwei Spielern, die nach zwölf Löchern gleichauf lagen, an deren Ende aber Rory McIlroy seine Klasse zeigte: ein Birdie am 14., Loch, ein Eagle an der langen 16. Bahn und ein weiteres auf dem letzten Loch. Plötzlich reckte er nicht nur wieder die Faust, sondern auch die Leichtigkeit seines Spiels war wieder da, mit der er schon an den ersten beiden Tagen glänzte.

Am Ende des dritten Tages der 143. British Open führte der Nordire mit 16 unter Par und konnte damit seinen Vorsprung sogar noch auf sechs Schläge auf den zweitplatzierten Ricky Fowler ausbauen. Mit einer 68 hatte er auch noch eine solide Runde hingelegt. Martin Kaymer hingegen fand auch am dritten Tag in Hoylake nicht so recht zu seinem Spiel und liegt nach einer weiteren Par-Runde auf dem 45. Rang. Immerhin ist er damit noch besser platziert als Tiger Woods, der als 58. insgesamt noch zwei Schläge mehr brauchte.

Für McIlroy wäre es der erste Titel bei seinem Heim-Major

„Golf ist ein ziemlich kompliziertes Spiel“, hat McIlroy dieser Tage gesagt. Einen Zustand zu erreichen, in dem das eigene Golf einfach fließt, ist manchmal nicht einfach. „Manche Leute nennen das die Zone oder irgendwie anders“, erklärt der Nordire. „Wie auch immer, es ist ein Zustand, in dem man einfach klar denkt.“

Ihm selbst scheint dieser Zustand in dieser Woche so viel leichter zu fallen. So manches Thema, das ihn in den vergangenen Monaten belastet hat, ist geklärt: Er hat seine Verlobung mit Tennisstar Caroline Wozniacki im Mai aufgelöst, obwohl die Einladungen schon verschickt waren. Er hat die Diskussion seines Olympiastarts endgültig geklärt, indem er vor kurzem verkündete, er werde trotz seines britischen Passes für Irland starten. Er hat seine wirtschaftlichen Interessen weitgehend seinem Vater und seiner eigenen Firma Rory McIlroy Incorporated überlassen. Golf, der Kampf um die Major-Titel, sein erster Sieg bei einer British Open, ist jetzt wieder das, was für ihn zählt.

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