Sport : Heiß mit dem Putter

Weil sein Spiel ruhiger geworden ist, feiert Golfer Brandt Snedeker den größten Karriereerfolg und gewinnt 11,44 Millionen Dollar.

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Mit Augenmaß. Brandt Snedeker schlägt die großen Favoriten Woods und McIlroy und sichert sich mit seinem Tourniersieg in Atlanta auch den FedEx-Cup-Bonus. Foto: dpa
Mit Augenmaß. Brandt Snedeker schlägt die großen Favoriten Woods und McIlroy und sichert sich mit seinem Tourniersieg in Atlanta...Foto: dpa

Berlin - Brandt Snedeker ist ein nervöser Mensch. Einer, den langsame Golfrunden aus seinem Rhythmus bringen. Ruhe findet er nur beim Putten. „Immer wenn alles auseinander bricht und nichts mehr funktioniert, nehme ich meinen Putter. Das ist der einzige Schläger, bei dem ich immer Selbstvertrauen habe“, meinte der Amerikaner am Sonntag. Da hatte er soeben die Tour Championship im East Lake Golf Club von Atlanta gewonnen, für die sich nach drei Playoff-Turnieren nur die 30 punktbesten Spieler qualifiziert hatten. Der Sieg sicherte ihm gleichzeitig Platz eins in der Jahreswertung des FedEx-Cup. Dieser beinhaltet vier Turniere im Rahmen der US-Tour, am Ende gewinnt der Punktbeste zehn Millionen US-Dollar – das höchste Preisgeld im Golfsport. Beide Erfolge zusammen bescherten dem 31-jährigen Snedeker in Atlanta ein Preisgeld von 11,44 Millionen Dollar. „Ich bin nahezu sprachlos“, kommentierte der fassungslose Snedeker seine Emotionen. Kein Wunder: Dieser Sonntag markierte den vorläufigen Höhepunkt in Snedekers Karriere.

Auf einen Zweikampf mit seinen größten Konkurrenten Rory McIlroy oder Tiger Woods ließ er es im Verlauf des Finaltages dabei nie hinauslaufen. Nur diese Drei konnten mit einem Sieg gleichzeitig auch den Triumph im FedEx-Cup sichern. Als Wackelkandidat galt dabei vor allem Snedeker, der sich nach der dritten Runde mit dem Briten Justin Rose die gemeinsame Führung teilte. Die erwartete Aufholjagd der beiden Superstars McIlroy und Woods aber fand am Sonntag nie statt, so dass Snedekers Sieg nach einer 68er Runde zum Endstand von zehn unter Par letztlich ungefährdet war. „Ich hatte es dieses Wochenende einfach nicht drauf, ich war nicht scharf“, bekannte Woods, der am Ende Achter der Tour Championship und Dritter im FedEx-Cup wurde. Die Titelambitionen McIlroys waren hingegen schon nach den ersten neun Löchern mit vier über Par dahin. Nach einer 74er Runde blieb dem Weltranglistenersten Rang zehn, der für Platz zwei im FedEx-Cup reichte. „Brandt musste hier reingehen und gewinnen. Er hatte sein eigenes Schicksal wie ich auch in der Hand, und er hat es eben geschafft. Deshalb verdient er den Sieg“, gratulierte McIlroy dem Amerikaner im Anschluss.

Zweifel an Snedekers Fähigkeit, das Turnier aus der Position des Führenden heraus zu gewinnen, gab es durchaus. Immer wieder stolperte er in der Vergangenheit über sein schnelles, aggressives Spiel. Stets in Erinnerung wird ihm das Debakel vom Finaltag der BMW Championship des Jahres 2009 bleiben. Da verspielte er einen Startplatz für die Tour Championship durch einen Vierputt am letzten Loch, weil er im Schnelltempo die Bälle ins Loch schieben wollte. „Ich habe gelernt, mich gerade um diese kleinen Dinge zu kümmern“, erklärt Snedeker den Lernprozess, der ihn seither in die Top 20 der Welt geführt hat. Nach seinem Erfolg von Atlanta ist er von Platz 18 sogar auf Platz zehn vorgerückt.

Der Erfolg gibt der Methode Snedeker recht. Im Verlauf der Tour Championship verwandelte er 61 von 62 Putts aus dreieinhalb Metern Entfernung. In dieser Form ist Snedeker schwer zu schlagen, weshalb er vor drei Wochen vom US-Ryder-Cup-Kapitän Davis Love III eine von vier Wildcards für das Ryder-Cup-Match am Freitag bekam. „Ich habe immer gesagt, wir brauchen Spieler, die mit dem Putter heiß sind – und er ist seit der British Open einer der heißesten Spieler auf der Tour“, sagte Love III.

Snedeker sieht das genauso: „Wenn ich mein bestes Golf spiele, gehöre ich zu den Besten der Welt.“ Er sagt das selbstbewusst, nicht aber arrogant. Der Profi aus Nashville hält nicht viel von Starallüren. Die letzten neun Turniere in den USA hat er mit nur einer Woche Spielpause absolviert und damit all jene Kollegen abgestraft, die schon nach drei Veranstaltungen in Folge über eine zu hohe Spielbelastung klagen. Mit 31, sagt Snedeker, sei das alles kein Problem: „Je mehr ich spiele, desto besser werde ich.“

Selbst vor seiner Finalrunde am Sonntag fand er noch Zeit für Themen jenseits des Golfsports: Er besuchte den Sohn seines Caddies im Krankenhaus, der nach einem schweren Autounfall ins Wachkoma versetzt worden war. „Ich habe ja das Schlimmste befürchtet“, erzählte Snedeker von seinem Besuch. „Aber er war wach und ansprechbar. Ich habe ihn gefragt, ob er glaube, dass ich Rory McIlroy schlagen würde. Er hat mit einem kleinen Augenklimpern geantwortet. Und das war alles, was ich brauchte.“

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