Sport : Im Spiegel des Tages: Dieter Baumann und der neue Trend

Jörg Wenig

Irgendeine Regel muss dem früheren Anti-Doping-Kämpfer vom Dienst im Laufe der Jahre abhanden gekommen sein. Nun ist das entsprechende Regelwerk nicht gerade unkompliziert und übersichtlich, was vielleicht für Dieter Baumann sprechen könnte. Doch in fast allen anderen Fällen fand er sich in dem Paragraphendschungel ganz gut zurecht. Und manches Mal hätte er es gerne noch ein wenig schärfer gehabt, mit noch etwas weniger Schutz für die beschuldigten Athleten. Früher natürlich, heute längst nicht mehr.

Nun geht es genau genommen im Fall Baumann aber gar nicht um irgendeine Regel, sondern um den entscheidenden Punkt, den Sinn der Sache. Nicht ganz umsonst reisen Dopingfahnder durch die Welt, um dann einem Athleten beim Wasserlassen zuzuschauen. In wessen Urin sich anschließend verbotene Substanzen finden, der wird - so die Regel - gesperrt. Es sei denn, er hat sehr gute Argumente, die für ihn sprechen. So geschah es auch im Fall Dieter Baumann. Vom Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zunächst freigesprochen, entschied das Gericht des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), also die höhere Instanz, bekanntlich auf schuldig. Und dies wurde auch noch vom Sportgerichtshof des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bestätigt. Doch so ganz sicher ist sich Dieter Baumann trotzdem noch nicht. In einem Interview antwortete auf die ohnehin schon kuriose Frage, ob er denn in Deutschland starten dürfe: "Das weiß ich auch nicht genau. Das ist eine politische Entscheidung. So weit ich die deuten kann, glaube ich eher, dass der DLV sagt, wir müssen das Urteil der IAAF umsetzen, und dass ich erst mal nirgendwo laufen kann. Das ist im Moment wohl der Trend." Das Problem ist nur: Der Trend, das ist die Regel - genau die, die Baumann nicht mehr kennt.

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