Sport : Jari Litmanen

Wie der Rostocker das Spiel gegen Schalke erlebte

Kerstin Hebeler

Schon bevor Jari Litmanen das erste Mal für Hansa aufläuft, ist die Euphorie groß: Ein hat Weltstar bei dem kleinen Klub aus Mecklenburg-Vorpommern angeheuert. 1995 hat Litmanen mit Ajax Amsterdam die Champions League gewonnen, am Samstag kämpft er mit Rostock gegen den Abstieg. Der 93-fache finnische Nationalspieler wird bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz stürmisch von den Fans im Ostseestadion begrüßt und von seinem Trainer Jörg Berger mit einer besonders festen Umarmung in die Begegnung gegen Schalke geschickt.

Von Anfang versucht der 33-Jährige, der zuletzt beim FC Lahti in seiner Heimat unter Vertag stand, seinem Ruf gerecht zu werden. Nach 56 Sekunden hat er den ersten Ballkontakt, kurz darauf tritt er den ersten Rostocker Freistoß. Seine Mitspieler schickt er immer wieder mit langen Bällen die Linie entlang, die Stürmer bedient er im Strafraum mit geschickten Zuspielen. Keine Frage: Hansas Spiel hat durch Litmanen an Qualität gewonnen. Das wird auch sein neuer Trainer später sagen.

Seine Mission, wie er das Engagement bei Hansa Rostock bezeichnet, geht Litmanen mit Klasse an: Er täuscht, spielt elegante Pässe und schwingt sich sogar zum Fallrückzieher auf. Schon in seinem ersten Spiel für Hansa gibt der offensive Mittelfeldspieler die Kommandos. Er gestikuliert und feuert seine Mitspieler an.

Nach dem frühen Rückstand braucht Litmanen etwas Zeit, um sich zu besinnen und agiert bis zum 1:1 weniger auffällig. Nach dem Ausgleich mischt er sich wieder augenfälliger ein, stets sicher in der Ballführung. Und Litmanen, von dem man nicht wusste, was er unter Wettkampfbedingungen noch zu leisten im Stande ist, scheint fit. Zuletzt hatte er nach Verletzungsproblemen nur mit der zweiten Mannschaft von Ajax trainiert. Dass ihm die Spielpraxis und die Bindung an die Mannschaft noch ein wenig fehlt, merkt man ihm hin und wieder an. Einige Pässe sind zu lang, andere zu kurz; Mitspieler übersehen ihn, wenn er freistehend den Ball fordert.

Dennoch, es ist ein gelungener Einstand des Finnen in der Bundesliga. Er hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Auch mit Litmanen, dem Jahrhundert-Fußballer Finnlands, kann Rostock zu Hause nicht gewinnen. Wie sagte der neue Star angesichts der an ihn gestellten großen Erwartungen? „Ich kann mit Druck gut leben. Aber ich kann Hansa nicht alleine retten.“ Das weiß man spätestens seit gestern auch in Rostock.

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