Sport : Leichtathletik: Auf Vereinssuche

Jörg Wenig

Der LAC Halensee wird in der deutschen Leichtathletik vorerst keine Rolle mehr spielen. Der Verein, der 1988 gegründet wurde, um Berliner Topathleten bestmöglich zu unterstützen, stellt zum Jahresende sein Engagement im Leistungssport ein. Dies bestätigte Ernst-Wilhelm Kruse, einer der Initiatoren des LAC und langjähriges Präsidiumsmitglied, dem Tagesspiegel.

"Den bezahlten Leichtathletikbetrieb werden wir nicht mehr weiterführen", sagte Kruse, dessen Klub in Zukunft nur noch in beschränktem Maße im Freizeitsport aktiv sein wird, zumal der Verein keine eigene Nachwuchsarbeit betreibt. Damit stehen die beiden bei den Olympischen Spielen besten Berliner Leichtathleten ohne Verein da: Kofi Amoah Prah, der deutsche Hoffnungsträger im Weitsprung, und der 20-km-Geher Andreas Erm hatten in Sydney jeweils fünfte Plätze belegt.

Auch für den LAC Halensee war es zunehmend schwieriger, Sponsorengelder zu akquirieren. "Mit der Hälfte oder einem Drittel des normalen Etats gehe ich nicht in eine neue Saison", sagte Ernst-Wilhelm Kruse, dessen Klub bei Athleten stets als zuverlässig und fair in finanziellen Dingen galt. Vor zwei Jahren gab es schon einmal Anzeichen dafür, dass den Halenseern die Luft ausgeht, doch mit einer kleineren Gruppe von Athleten arbeitete der Klub weiter. Kruses Hoffnung war im Sommer noch die vom Berliner Leichtathletik-Verband (BLV) geplante Konzentration der Kräfte in der Berliner Leichtathletik. "Ein Team Berlin ließ sich aus finanziellen Gründen aber bisher nicht realisieren", sagte BLV-Präsident Christoph Kopp. Vor zwei Wochen hatte Kruse den BLV vom bevorstehenden Aus des LAC informiert, für den früher Athleten wie Nico Motchebon (800 m) oder Kristin Patzwahl (100 m Hürden) starteten.

Jetzt wird versucht, die aktuellen Halenseer Topathleten in Berlin zu halten. Angesprochen wurde auch der Leichtathletik-Chef des SCC, Bernd Kunze, bezüglich des Gehers Andreas Erm. "Es wird noch ein Gespräch geben, aber ein Wechsel zu uns ist eher unwahrscheinlich", sagte Kunze, dem finanziell nicht viel Spielraum bleibt.

"Die Sache mit dem LAC Halensee ist traurig für mich, denn ich hatte ein gutes Verhältnis zu meinem Verein, und ich möchte in Berlin bleiben", sagte der 25-jährige Kofi Amoah Prah, der nach seinem Auftreten in Sydney sicherlich für einige westdeutsche Klubs interessant sein dürfte. Prah, der nach einem Urlaub erst am Wochenende aus Australien zurückkam, traf sich gestern zu einem ersten Gespräch mit Vertretern der LG Nike Berlin. "Wir werden alles versuchen, um ihn in Berlin zu halten", sagte Christoph Kopp, der noch bis vor kurzem auch Präsident der LG Nike war. "Viele Dinge werden die Entscheidung der Vereinswahl beeinflussen. Es ist auf keinen Fall nur eine Frage des Geldes. Ich möchte auch in Zukunft Erfolg haben - da ist entscheidend, wo, bei wem und wie ich trainieren kann", sagte Kofi Amoah Prah und fügte bezüglich seines Berliner Trainers Klaus Beer hinzu: "Zurzeit geht das nicht ohne ihn." Als relativ sicher gilt, so Kopp, dass Prah nach seinem fünften Platz bei Olympia einen Beratervertrag über den Trägerverein des Olympiastützpunktes erhalten wird - vorausgesetzt natürlich, er bleibt in Berlin.

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