Leichtathletik : Berlin statt Berlin

Haile Gebrselassie verzichtet wohl auf einen WM-Start. Der Äthiopier will lieber den Marathon-Weltrekord verbessern.

Jörg Wenig
Gebrselassie
Freude in Dubai. Haile Gebrselassie lief die achtschnellste Zeit aller Zeiten. -Foto: dpa

Berlin - Die Leichtathletik-WM in Berlin dürfte eines ihrer Gesichter verlieren. Vor wenigen Wochen hatten die Organisatoren mit einer bundesweiten Plakataktion begonnen, um für das Ereignis im August zu werben. Abgebildet sind darauf verschiedene prominente Athleten, darunter auch Haile Gebrselassie. Doch zu einem Start des äthiopischen Marathon-Weltrekordlers bei den Weltmeisterschaften im August wird es aller Vor aussicht nach nicht kommen. „Ich glaube nicht, dass ich bei der WM in Berlin an den Start gehe“, erklärte Haile Gebrselassie in Rundfunkinterviews mit der „BBC“ und „Voice of America“, nachdem er am Freitag den Dubai-Marathon gewonnen, aber bei strömendem Regen seinen eigenen Marathon-Weltrekord verpasst hatte.

Erst Ende September hatte Haile Gebrselassie, der in seiner einmaligen Karriere bisher 19 offizielle und sieben inoffizielle Weltrekorde aufstellte, die Marathon-Bestmarke in Berlin auf 2:03:59 Stunden verbessert. Nach dem Berlin-Marathon hatte der 35-Jährige erklärt: „Berlin ist für mich eine Glücksstadt. Manchmal ist das so, dass man in einer bestimmten Stadt immer besonders erfolgreich ist.“ Schon als Junior gewann er mit dem äthiopischen Team die Marathon-Staffel, später siegte er im Olympiastadion beim Istaf und auch beim Berlin-Marathon. „Berlin ist für mich wie ein Heimspiel, deswegen will ich auch bei den Weltmeisterschaften hier laufen“, sagt er. Doch inzwischen hat Haile Gebrselassie seine Pläne geändert.

In den letzten Jahren seiner außerordentlichen Karriere hat für ihn die maximale Verbesserung seines eigenen Marathon-Weltrekordes gegenüber dem Medaillenkampf Priorität. Derartige Zeiten sind aber nur in einem City-Marathon mit Tempomachern erreichbar. 2008 verzichtete der Äthiopier sogar auf den olympischen Marathon, um stattdessen in Berlin in einem auf ihn zugeschnittenen Lauf den Weltrekord zu laufen.

Gebrselassie fürchtet, dass die stärksten Kenianer um Olympiasieger Sammy Wanjiru den prestigeträchtigen Marathon-Weltrekord brechen könnten und will ihn deswegen weiter verbessern. „Nach wie vor geht es mir um die Zeit. Vielleicht kann ich nicht unter 2:03 Stunden laufen, aber ich weiß, dass ich den Weltrekord zumindest noch auf 2:03:20 bis 2:03:30 verbessern kann“, erklärte Haile Gebrselassie. In Dubai sah es lange nach einer neuen Bestzeit für ihn aus, bevor Wind und Regen sein Vorhaben zunichte machten. Mit 2:05:29 Stunden erzielte er noch die achtschnellste Zeit aller Zeiten. „Bei Weltmeisterschaften bin ich schon so oft gestartet“, erklärte der viermalige Weltmeister über 10 000 Meter. „Deswegen denke ich nicht mehr an die WM, werde aber trotzdem nach Berlin zurückkehren: zum Berlin-Marathon.“

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