Sport : Leichtathletik: Botschaft nach Nairobi

Jörg Wenig / Frank Bachner

Gestern Vormittag saß Jürgen Demmel beim Amtsgericht Charlottenburg. Der Geschäftsführer der Istaf GmbH beantragte Insolvenz für seine GmbH. Überraschend kam das nicht mehr, nur das Timing ist für deutsche Leichtathletik-Funktionäre, die gerade in Nairobi sind, etwas peinlich. Denn in Kenias Hauptstadt wird am Sonntag entschieden, in welcher Stadt die Leichtathletik-WM 2005 ausgetragen wird. Eine der Bewerberstädte ist Berlin. Die entscheidende Frage lautet nun: Wie sehr beeinflusst die Istaf-Insolvenz Berlins Chancen? Helmut Digel, der frühere Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) und Vizepräsident des Weltverbandes IAAF, sagt: "Ich denke nicht, dass die Insolvenz Auswirkungen auf die Bewerbung hat. Ich rechne auch damit, dass das Istaf stattfinden wird."

Das gefälschte Fax, das am Donnerstag in Nairobi gelandet war und in dem - "gezeichnet: Demmel" - Politiker und Wirtschaft beschimpft wurden, weil die sich angeblich nicht genügend fürs Istaf eingesetzt hätten, entfachte allerdings in Nairobi große Aufregung. Zudem wurde behauptet, die GmbH habe Insolvenz angemeldet. Demmel sprach empört von "Fälschung", und Digel sagte: "Der Autor hatte auf kriminelle Weise versucht, die Bewerbung zu beeinflussen. Da kamen Intelligenz und Dummheit zusammen." Der DLV hat inzwischen Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Die IAAF-Inspektoren der Bewerberstädte haben Berlin auf jeden Fall gute Noten gegeben. Allerdings warnte Digel davor, dies als Votum für Berlin zu interpretieren. Für Berlin spricht, dass es bald weltweit das modernste Leichtathletik-Stadion besitzt.

Aber was passiert nun mit dem Istaf? Das größte deutsche Leichtathletik-Meeting soll am 6. September stattfinden. Nach dem Insolvenzantrag soll möglichst schnell eine Auffanggesellschaft gegründet werden, die Geld in die GmbH schießt. SCC-Präsident Klaus Henk steht wohl unverändert als Investor bereit, auch Werner Gegenbauer, der Präsident der Industrie- und Handelskammer, bleibt offenbar bei seinem Engagement fürs Istaf. Bisher war er bereit, ein Darlehen von rund 90 000 Euro zu geben. Auch der DLV bietet seine Hilfe an. Allerdings nicht mit Geld, betont DLV-Pressesprecher Peter Schmitt. "Es geht darum, Kontakt zu Sponsoren zu vermitteln." Sollte die GmbH freilich Pleite gehen, dann gingen viele Gläubiger wohl leer aus. Nur die drei Gesellschaftervereine SCC, OSC und BSC wären erst einmal aus dem Schneider. Sie würden nur ihre jeweilige Einlage von 8500 Euro verlieren.

Gestern meldete sich auch noch Rudi Thiel, 33 Jahre lang Meeting-Direktor. Er warf den drei Klubs in einer Erklärung "unprofessionelle und kontraproduktive Blockaden" vor. Seine mehr als 30-jährige Aufbauarbeit werde in Frage gestellt. Während Thiels Amtszeit sind allerdings bis 1999 insgesamt 1,2 Millionen Mark Schulden aufgelaufen. Aus diesem Grund wurde auch die Istaf GmbH gegründet.

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