Sport : Leichtathletik: Gut gelaufen, neu spekuliert

Robert Hartmann / Jörg Wenig

Acht Monate nach dem Olympiasieg lief Nils Schumann wieder ein 800-m-Rennen, überzeugte als Zweiter bei seinem Saisoneinstieg in Hengelo und sorgte unfreiwillig für neue Spekulationen. Inzwischen scheint manches darauf zu deuten, dass der 23-Jährige schon bald wieder von seinem Erfolgstrainer Dieter Hermann betreut wird. Der Coach hatte seinem Läufer die Zusammenarbeit gekündigt, nachdem Schumann im vergangenen Herbst vom Hermann-Klub Creaton Großengottern nach Berlin zur LG Nike gewechselt war.

Der Olympiasieger wird inzwischen von seinem Vater Peter betreut, der jedoch ankündigte, nach den Sommerferien wieder in den Schuldienst zurückzukehren. Schumann, der nach wie vor hauptsächlich in seiner Heimatstadt Erfurt trainiert, sagte zudem über das Verhältnis zu Ex-Trainer Hermann: "Unsere Beziehung hat sich normalisiert. Für mich wäre es wünschenswert, wieder mit Dieter Hermann zusammenzuarbeiten." So meldete der Sportinformationsdienst schon gestern: "Nils Schumann kehrt zu Erfolgstrainer Dieter Hermann zurück." Dies allerdings dementierte Schumanns Manager Klaus Kärcher deutlich: "Das hat Nils Schumann zu niemandem gesagt." Kärcher kann sich zwar vorstellen, dass es zu einer Rückkehr zu Hermann kommen könnte, doch entscheiden werde Schumann erst nach der WM in Edmonton im August.

Teilweise ist Dieter Hermann schon jetzt wieder in die Trainingsarbeit eingebunden. Denn seit April schreibt der Bundestrainer für die 3000-m-Hindernisstrecke die Trainingspläne für Schumann. Die direkte Trainingsbetreuung leistet aber noch der Vater des Läufers. Hinzu kommt, dass Dieter Hermann auch als 800-m-Bundestrainer im Gespräch ist. Dann wäre er automatisch auch wieder für Nils Schumann zuständig. In diesem Zusammenhang sagte Schumann dem Sportinformationsdienst: "Ich fände es ideal, wenn Dieter Hermann hauptamtlich für mich zuständig wäre."

Beim Leichtathletik-Meeting in Hengelo hatte der Olympiasieger am Pfingstmontag einen sehr positiven Saisoneinstieg. Die Augen der 15 000 Zuschauer folgten im munteren 800-m-Rennen besonders dem erblondeten Deutschen mit dem tätowierten rechten Arm, Nils Schumann. Sein Trainer Dieter Hermann hatte ihn noch im Spätherbst mit der Bemerkung verlassen, er sei nicht dazu da, ihn aus den Ballsälen heraus zu holen. Das schien schon alles zu sagen, und auf der Pressetribüne wurde vermutet, dass sein Vater als neuer Betreuer jetzt der nervöseste Mensch im Fanny-Blankers-Koen-Stadion sei. Aber nach dem Startschuss bot der 23 Jahre alte Erfurter doch ziemlich Erstaunliches, als er im Zehner-Feld, in dem sich noch zwei weitere olympische Endlauf-Teilnehmer befanden, in der Zeit von 1:45,28 Minuten Zweiter wurde. Er wies auch gleich darauf hin, dass er noch nie so flott in eine Sommersaison gestartet sei.

Schumann hatte gebummelt, und obwohl die 400-m-Zwischenzeit von nur 51,80 Sekunden seinen Bedürfnissen genau entsprach, lag er hier an letzter Stelle. "Ich bin taktisch nicht klug gelaufen." Allmählich kämpfte er sich nach vorne durch, doch als er auf die Zielgerade einbog, war der kleine Glody Dube schon weit enteilt, und es verblüffte, dass der junge Mann aus Botswana keinen Zentimeter mehr preis gab und in der neuen Weltbestzeit von 1:44,69 siegte. Da der Südafrikaner Hezekiel Sepeng Platz drei belegte, war der "Stall" des holländischen Managers Jos Hermens vollständig auf dem Siegertreppchen vertreten. "Ich bin überrascht," sagte Dube leise, "ich schlug den Champion."

Es sind immer wieder neue Gesichter, an die Nils Schumann sich auf seiner Strecke zu gewöhnen hat. Dube war im Olympiafinale bereits Achter. Nils Schumann weiß nach Hengelo was er will: Er wolle unbedingt in Edmonton im August eine WM-Medaille gewinnen.

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