Nach Bronze bei WM in Polen : Deutsche Volleyballer wollen mehr Wertschätzung

Nach der historischen Bronzemedaille der Männer wollen die deutschen Volleyballer mehr Aufmerksamkeit – Verbandschef Krohne nimmt ARD und ZDF in die Pflicht, Bundestrainer Heynen die Sportpolitiker des DOSB.

Lars Becker
Der Bronze-Block. Die deutschen Volleyballer feierten ihre Medaille, als hätten sie und nicht Gastgeber Polen das WM-Finale gewonnen.
Der Bronze-Block. Die deutschen Volleyballer feierten ihre Medaille, als hätten sie und nicht Gastgeber Polen das WM-Finale...Foto: dpa

Schon um vier Uhr morgens verließen die siegestrunkenen deutschen Volleyballer am Montag mit der Bronzemedaille im Gepäck das polnische Kattowitz. Es ging heim zu Frau und Familie – oder wie bei Bundestrainer Vital Heynen direkt zu seinem polnischen Verein Bydgoszcz, wo der volleyballverrückte Belgier noch am Nachmittag ein Training leiten wollte. Auch der stolze Verbandschef Thomas Krohne, der bei der emotionalen Siegerehrung am Sonntagabend mit einer geborgten Krawatte bei der Übergabe der ersten deutschen WM-Medaillen seit 44 Jahren dabei war, richtete den Blick schnell nach vorn.

„Wie beim Weltmeistertitel der Fußballer müssen wir diesen Erfolg jetzt in die Bundesliga tragen“, sagte Krohne. „Außerdem müssen wir mit den Nationalmannschaften weiter sportliche Erfolge anbieten, um den Stellenwert des Volleyballs in der Öffentlichkeit weiter zu steigern. Für die Frauen wird dieser Erfolg sicher ein Riesenansporn sein. Auch bei ihnen ist bei der WM eine Medaille das Ziel.“ Die Titelkämpfe beginnen für die deutschen Vizeeuropameisterinnen am Dienstag in Rom mit dem Duell gegen die Dominikanische Republik. Und eine WM-Medaille hätte eine noch historischere Bedeutung wie bei den Männern: Es wäre nach zwei vierten Plätzen 1974 und 1986 die erste überhaupt.

Das Frauen-Nationalteam nimmt diese Aufgabe voller Überzeugung an. „Wir wollen etwas Unglaubliches für Deutschland schaffen: Eine WM-Medaille für die Männer und eine für die Frauen. Die Mannschaft ist gegenüber der Silbermedaille bei der EM noch einmal stärker geworden“, sagt der italienische Bundestrainer Giovanni Guidetti. „Und wir glauben, dass wir das Ziel erreichen können.“ Ähnlich wie die Männer hatten die deutschen Frauen bei der Auslosung das nötige Glück. In der ersten Runde ist Gastgeber Italien der härteste Brocken, auf dem Weg zum Mindestziel, unter die besten sechs Teams zu kommen, warten danach der Olympiadritte Japan und China. Auf die Topfavoriten – Olympiasieger Brasilien und Titelverteidiger Russland – kann das Team erst in der dritten Runde treffen.

Nach den Männern spielen nun die Frauen ihre WM

Chefcoach Guidetti hat wieder ein Team zusammengebaut, bei dem der Star die Mannschaft ist. Zumal Topangreiferin Margareta Kozuch noch nicht ganz in Topform ist, nachdem sie wegen eines in einem Rucksackurlaub eingefangenen Virus fünf Kilogramm Gewicht verloren hat. „Wir haben leider keinen Grozer, der Spiele allein gewinnen kann“, sagte Guidetti. Tatsächlich war Georg Grozer beim 3:0 im Bronzematch gegen Frankreich der entscheidende Spieler – nicht nur, weil er mit 19 Punkten überragender Angreifer war, sondern weil er trotz Oberschenkel-, Knie- und Knöchelproblemen bis zum Bronzegewinn durchhielt. „Hammerschorsch“ Grozer lüftete nach dem Triumph übrigens mit einem Grinsen das Bronze-Geheimnis – er hatte in jedem WM-Spiel die gleiche, allerdings stets frisch gewaschene schwarz-rot-goldene Unterhose getragen.

Georg Grozer ist unser Schweinsteiger. Man muss sich einmal überlegen, was für eine Belastung 13 Spiele in 20 Tagen sind“, sagte Präsident Krohne. Leider erfahren Georg Grozer und das Volleyball-Nationalteam nicht die gleiche öffentliche Aufmerksamkeit wie die deutschen Fußball-Stars, doch auch daran will der Deutsche Volleyball-Verband arbeiten. Von der Frauen-WM werden alle deutschen Spiele bei Sport 1 live im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt – das ist ein großer Unterschied zu den Männern, wo die Übertragung von den WM-Medaillenrundenspielen kurzfristig an einer Rechteproblematik gescheitert war. Liga-Präsident Michael Evers erhofft sich, dass sich im Sog des WM-Erfolgs endlich ein Sender findet, der den „Mut hat, Volleyball mal dauerhaft zu übertragen: Dass die öffentlich-rechtlichen Sender so wenig Volleyball zeigen, ist eine Peinlichkeit. Wir wollen nur die Aufmerksamkeit, die wir uns durch unsere Erfolge längst verdient haben.“

TV-Übertragungen sind eine wichtig, um Sponsoren zu gewinnen

Fernseh-Übertragungen sind nämlich eine wichtige Bedingung, um neue Sponsoren zu gewinnen. Der neue Geldgeber des Männer-Nationalteams denkt nach WM-Bronze bereits über die langfristige Verlängerung des Kontrakts nach. Das würde etwas Geld in die Kassen des chronisch klammen Verbands bringen, der den Bronze- Helden in der fünfmonatigen Nationalmannschafts-Saison keinen einzigen Cent zahlen konnte. Immerhin kassierten Marcus Böhme als bester Blockspieler und Lukas Kampa als bester Spielmacher der WM insgesamt 20 000 Dollar fürs Team.

Chefcoach Heynen fordert dennoch, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die außergewöhnliche Leistung der Volleyballer mit der Hochstufung von Förderkategorie vier nach zwei belohnt. „Da geht es nicht um Geld, da geht es um Wertschätzung. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Live-Übertragungen im deutschen Fernsehen, die sich meine Spieler längst verdient haben“, so der Trainer. „Deutschland muss endlich aufwachen: Wir haben die erste WM-Medaille seit fast einem halben Jahrhundert gewonnen!“

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