Sport : Nils Schumann: Eine rationale und eine emotionale Entscheidung für Berlin

Jörg Wenig

Der eine entschied rational, die andere emotional - trotzdem haben beide ihr Ziel erreicht: Nils Schumann und Amewu Mensah, seit einigen Monaten auch privat liiert, starten im nächsten Jahr für Berliner Leichtathletik-Klubs. Die Deutsche Hochsprung-Meisterin wechselte innerhalb der Stadt vom OSC zum BSC. Damit kehrt sie nach drei Jahren wieder zu dem Verein zurück, bei dem sie einst als Kind mit der Leichtathletik begonnen hatte. Bei ihrer Entscheidung spielten Emotionen eine größere Rolle als finanzielle Zusicherungen, die der BSC nur in sehr geringem Umfang leisten kann. Andere Dimensionen hat dagegen der Wechsel von Nils Schumann, der durchaus als kleine Sensation zu bezeichnen ist. Der 800-m-Olympiasieger verlässt den thüringischen Klub SV Creaton Großengottern und schließt sich der LG Nike an.

Gestern wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Zwei-Jahres-Vertrag, der eine Option für zwei weitere Jahre beinhaltet, mit dem Berliner Verein unterschrieben. Mit dem Sportartikelausrüster Nike hatte Schumann zuvor separat einen fünfjährigen Kontrakt abgeschlossen, der insgesamt ein Volumen von über einer Million Mark haben soll. Zudem wurde gestern bekannt, dass auch der Olympia-Fünfte im Weitsprung, Kofi Amoah Prah, und der hoffnungsvolle Sprinter Ronny Ostwald zur LG Nike wechseln. Prah verlässt den sich vom Spitzensport zurückziehenden LAC Halensee, Ostwald kommt vom SC Berlin. Letzterer Klub schließt sich mit seinen acht Leichtathletik-Kaderathleten komplett der LG Nike an, sodass hier eine kleine Konzentration der Berliner Kräfte entsteht. Unter anderen startet nun auch die Deutsche Dreisprung-Meisterin von 1999, Katja Umlauft, für die LG Nike.

Ein besseres Zugpferd als Nils Schumann kann sich die Berliner Leichtathletik nicht wünschen. Der 22-Jährige ist nach seinem Triumph von Sydney das Aushängeschild schlechthin, was durch die Wahl zum deutschen Sportler des Jahres am Sonnabend in der ARD bestätigt wurde. Nils Schumann ist die spektakulärste Verpflichtung für die Berliner Leichtathletik, seit Sergej Bubka (Ukraine/OSC) Ende 1991 als Olympiabotschafter in die Hauptstadt kam. Vor dem Stabhochspringer war der Kugelstoßer Ulf Timmermann (TSC) der letzte aktuelle Olympiasieger, der für einen Berliner Klub startete. "Wir wollen die LG Nike attraktiver machen, und wir hoffen, dass dies erst der Anfang ist und eine gewisse Sogwirkung entsteht", sagte der Präsident des Vereins, Derk Kogelheide.

"Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen und hat mich einige schlaflose Nächte gekostet", sagte Nils Schumann, der als sehr heimatverbunden gilt. Der 800-m-Europameister von 1998 wird weiterhin in Erfurt wohnen und dort mit seinem Trainer Dieter Hermann arbeiten. Aber er wird auch regelmäßig nach Berlin kommen. "Ich will mit meinem Sport noch mehr erreichen. Und ich denke, in Berlin habe ich dafür das bessere Sprungbrett. Ich hoffe, dass das die Menschen verstehen, die enttäuscht sind, dass ich Großengottern verlasse", erklärte Nils Schumann, der hinzufügte: "Es ist für mich aber auch eine Ehre, für die Hauptstadt laufen zu können. Und vielleicht können mich dann die Berliner auch ganz gut leiden." Zwei haben offenbar schon einen Anteil daran, dass Schumann, der im nächsten Jahr auch beim Istaf starten möchte, sich für Berlin entschieden hat: "Meine Freundin und Kofi leben hier, alles andere ist erst einmal egal."

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