Paffett vor Spengler : Lausitzring: Mercedes bleibt cool

Mercedes feiert einen Doppelsieg beim DTM-Rennen am Lausitzring. Gary Paffett siegte vor Bruno Spengler.

Christian Hönicke[Klettwitz]
279507_0_ed9f343b.jpg
Erster mit Stern. Gary Paffett siegte vor dem Markengefährten Bruno Spengler. Foto: dpa

Am Ende wurde es doch noch feucht auf dem Lausitzring. Vor allem Gary Paffett erwischte es heftig, doch der Brite ließ sich bereitwillig nass machen. Schließlich kam die Flüssigkeit nicht aus den Wolken – sondern aus der Sektflasche, die ihm als Sieger des Rennens der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) am Sonntag zustand. Es sollte zumindest im Mercedes- Lager nicht der letzte Tropfen des Abends bleiben. „Da gibt’s sicherlich nachher auch ein Bier drauf“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem Doppelsieg seiner Fahrer Paffett und Bruno Spengler vor dem Audi-Piloten Mattias Ekström.

Der befürchtete Regen war dagegen ausgeblieben. Noch in der Qualifikation am Sonnabend hatte er unter anderem Tom Kristensen, den Sieger des Auftaktrennens in Hockenheim, gepaart mit einem Strategiefehler seines Audi-Teams um jede realistische Siegchance gebracht. Doch auch ohne die Hilfe von oben waren die Mercedes nach der vernichtenden Niederlage im ersten Rennen den Konkurrenten auf dem Eurospeedway diesmal überlegen. Nicht nur zur Überraschung der insgesamt 75 000 Zuschauer am Wochenende. „Dass wir schon stark genug sein würden, um hier um den Sieg zu kämpfen, habe ich nicht erwartet“, sagte Haug.

Zwar verteidigte Ekström im Audi seine Poleposition noch in den ersten der 52 Runden. Doch aufgrund einer starken Strategie mit einem lange hinausgezögerten zweiten Boxenstopp und einer schnellen Runde nach der anderen schob sich der von Platz sieben gestartete Paffett nach vorn. „Die Strategie des Teams hat mir das Rennen gewonnen“, sagte Paffett. „Mit so viel freier Fahrt konnte ich genügend Vorsprung vor dem zweiten Stopp herausholen.“

Die noch in Hockenheim bei ihrem Vierfach-Sieg so dominanten Audi hatten auf dem verwinkelten Lausitzring Probleme mit dem Reifenverschleiß. „Ich bin ein Rennen ohne Fehler gefahren, aber ich war einfach nicht schnell genug“, sagte Ekström. „Die Reifen haben sich ein bisschen rutschig angefühlt.“ So konnte sich auch noch der Kanadier Spengler am Schweden vorbeischieben.

Weil Spengler allerdings immer dichter auf seinen Markengefährten Paffett aufschloss und ihm schließlich am Auspuff hing, wuchs bei Mercedes offenbar die Angst, der Konkurrenz doch noch den Sieg zuzuspielen. So bekam Spengler per Funk den besorgten Ratschlag, doch bitte cool zu bleiben. Spengler antwortete cool: „Ich bin cool“, blieb cool und begnügte sich mit dem zweiten Platz.

Audis Motorsportchef zeigte für diese wenig verklausulierte Form der Stallorder nachher Verständnis. „Es ist sicher nicht der Zweck der Übung, wenn man sich innerhalb der Marke beharkt“, sagte Wolfgang Ullrich. Dabei sprach er auch aus eigener leidvoller Erfahrung, schließlich hatten sich seine Angestellten Markus Winkelhock und Katherine Legge zuvor gegenseitig ins Kiesbett gejagt. „Ich habe extra vorher noch mal eine Sonntagspredigt zu dem Thema gehalten“, sagte Ullrich. „Aber es sind halt alle Rennfahrer, und wenn sie nicht versuchen würden, so schnell wie möglich nach vorn zu kommen, wären sie auf dem Platz auch verkehrt.“

Recht weit nach vorn kam auch noch Ralf Schumacher. Der frühere Formel-1- Pilot war wegen eines Motorschadens an seinem Mercedes als 19. und Letzter gestartet, kam aber immerhin auf Platz zehn ins Ziel. „Ralf geht gerade durch die harte Schule“, sagte Haug, „aber er zeigt, dass er sich in die richtige Richtung bewegt.“

Das ließ sich allerdings auch generell für Mercedes sagen. Zwar führt Audi mit dem Titelverteidiger Timo Scheider noch immer die Gesamtwertung an, doch „das Pendel ist herumgeschwungen seit Hockenheim“, bemerkte Norbert Haug nicht ohne Stolz. Eine Prognose für das nächste Rennen auf dem Norisring in Nürnberg wollte er dennoch lieber nicht abgeben: „Das Niveau in der DTM ist phänomenal hoch. Von den Brüdern bekommt man nichts geschenkt.“ Nicht mal einen Tropfen Bier – für den musste er am Ende schon selbst sorgen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben