Sport : Rekord im ersten Wurf

Die Tschechin Barbora Spotakova schreibt in Stuttgart überraschend Geschichte mit dem Speer

Jörg Wenig[Stuttgart]

In Peking schnappte sie sich mit dem letzten Versuch noch das olympische Gold, in Stuttgart brach sie mit dem ersten Wurf den Weltrekord: Am Sonnabend sorgte Barbora Spotakova für einen überraschenden Höhepunkt am ersten Tag des World Athletics Finals. Vor rund 18 000 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena flog der Speer der Tschechin über alle Markierungen hinweg und landete schließlich bei 72,28 Meter. Damit hatte die Olympiasiegerin und Weltmeisterin den drei Jahre alten Weltrekord der Kubanerin Osleidys Menéndez um 58 Zentimeter verbessert.

„Das ist unglaublich, ich habe hier heute nie an den Weltrekord gedacht“, sagte die 27-jährige Spotakova. Mit exakt neun Metern Vorsprung gewann sie bei kühlem Wetter den Wettbewerb vor Christina Obergföll und der drittplatzierten Steffi Nerius. „Ich hätte gerne weiter geworfen, aber nach Barboras Weltrekord im ersten Durchgang war die Luft raus“, sagte Obergföll, die in Peking als Dritte die einzige deutsche Leichtathletik-Medaille gewonnen hatte. Die beste deutsche Speerwerferin, die vor Spotakovas Olympiasieg mit 70,20 Meter noch den Europarekord gehalten hatte, sagte: „Ich hatte erwartet, dass Barbora irgendwann Weltrekord werfen würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass das heute passieren könnte. Technisch hat sie heute wirklich außerordentlich gut geworfen.“ Christina Obergföll sieht die Erfolge von Barbora Spotakova auch als Motivation dafür, sich selbst weiter zu verbessern: „Die WM in Berlin ist im nächsten Jahr das größte Ziel meiner Laufbahn. Da bin ich im besten Speerwurf-Alter – Barbora allerdings auch.“ Als Spotakova vor einem Jahr den WM-Titel holte, überraschte das viele – nicht jedoch die tschechische Speerwurf-Legende Jan Zelezny. Ihr Landsmann, dreifacher Olympiasieger und aktueller Weltrekordhalter, hatte den WM-Sieg von Barbora Spotakova erwartet und prophezeite ihr damals schon, die 70-Meter-Marke übertreffen zu können. Das schaffte sie in diesem Jahr. Zelezny ist zwar nicht ihr Trainer, doch er hilft ihr regelmäßig. Beide trainieren bei Dukla Prag.

Spotakova versuchte sich zunächst als Siebenkämpferin, eine Verletzung stoppte ihre Mehrkampf-Karriere. Es war Jan Zelezny, der ihr sagte, dass sie großes Potenzial als Speerwerferin habe. Als sie den ersten Versuch machte, fehlten ihr entsprechende Schuhe. Zelezny gab ihr ein paar von seinen. In der folgenden Saison warf Barbora Spotakova zum ersten Mal über 60 Meter, ein Jahr später dann über 65. „Bei großen Finals habe ich öfter an Zelezny gedacht – das gab mir ein beruhigendes Gefühl“, sagte Spotakova, die bei Olympia als zweite tschechische Frau Speerwurf-Gold gewonnen hatte. Dana Zatopkova, die Frau des legendären Langstreckenläufers Emil Zatopek, war 1952 Olympiasiegerin und warf 1958 auch Weltrekord. „Ich bin Stolz, ein neues Kapitel tschechischer Erfolge im Speerwerfen aufgeschlagen zu haben“, sagte Spotakova.

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