Saisonfinale in der Bundesliga : Hertha BSC: Der verflixte siebte Platz

Hertha BSC will gegen Mainz 05 ein weiteres Abrutschen in der Tabelle unbedingt vermeiden – für Niklas Stark und Mitchell Weiser steht die Olympia-Teilnahme auf dem Spiel.

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Rio oder Bad Saarow? Für Mitchell Weiser (links) und Niklas Stark geht es in Mainz auch um das Olympia-Ticket.
Rio oder Bad Saarow? Für Mitchell Weiser (links) und Niklas Stark geht es in Mainz auch um das Olympia-Ticket.Foto: imago/Matthias Koch

Der vergangene Sommer war heiß und hart für die Fußballer von Hertha BSC. Vor allem im Lauftrainingslager in Bad Saarow unter der Tropensonne Brandenburgs haben sie arg leiden müssen. Die schlechte Nachricht für Herthas Profis ist: Wegen der guten Erfahrungen mit der härtesten Vorbereitung aller Zeiten wird der Berliner Bundesligist auch in diesem Juli wieder nach Bad Saarow reisen und sich dort die nötige Fitness für die neue Saison erarbeiten. Die noch schlechtere Nachricht ist: Es wird noch ein bisschen härter werden als im vergangenen Jahr. Weil die Grundlagen in diesem Sommer bessere sein werden als im vergangenen, darf Fitnesstrainer Henrik Kuchno noch ein paar Prozent oben drauf packen.

Das Lauftrainingslager im Brandenburgischen ist eine feste Größe in Herthas Saisonvorbereitung; alles andere hängt vor allem vom letzten Spiel der Mannschaft an diesem Samstag in Mainz (15.30 Uhr, live bei Sky) ab und der daraus resultierenden Platzierung in der Abschlusstabelle. Fünfter, Sechster oder Siebter kann Hertha in dieser Saison noch werden. Was auf den ersten Blick keinen großen Unterschied ausmacht, weil die Berliner in jedem Fall im Europapokal dabei sind, ist auf den zweiten von entscheidender Bedeutung. Als Siebter wäre Hertha nämlich nur für die dritte Qualifikationsrunde zur Europa League qualifiziert, der bei erfolgreichem Abschluss noch die Play-offs für die Gruppenphase folgen würden.

„Wir wollen Platz sieben unbedingt vermeiden“, sagt Trainer Pal Dardai. Der Trend aber spricht aktuell nicht gerade für seine Mannschaft. Hertha hat die jüngsten fünf Pflichtspiele verloren, seit dem 29. Spieltag ging es in der Tabelle vom dritten Platz runter auf den vierten, den fünften und vor einer Woche auf den sechsten. Damit sich diese Serie heute nicht fortsetzt, muss Hertha entweder in Mainz gewinnen oder mindestens so viele Punkte holen wie der FC Schalke bei seinem Auswärtsspiel in Hoffenheim.

Wird Hertha Siebter, muss Trainingsstart vorgezogen werden

Ein weiterer Misserfolg würde die Freude über das insgesamt gute Abschneiden der Berliner in dieser Saison erheblich eintrüben. „Das ist wie bei einem Schüler, der das ganze Jahr über nur Zweien in Mathe schreibt, die beiden letzten Klassenarbeiten verhaut und sich damit eine bessere Zeugnisnote versaut“, sagt Co-Trainer Rainer Widmayer. „Der letzte Eindruck bleibt.“

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In Mainz aber steht mehr auf dem Spiel als nur ein guter Eindruck. „Es lohnt sich, dass wir noch mal alles investieren“, sagt Manager Michael Preetz. Darauf liege aktuell der Fokus, nicht auf der Planung für die kommende Saison, obwohl es große Auswirkungen hätte, wenn die Mannschaft auf Platz sieben einläuft. Mit den Konsequenzen könne man sich ab Montag beschäftigen, sagt Preetz. „Idealerweise müssen wir es nicht.“

Bisher ist geplant, dass die Vorbereitung am 3. Juli beginnt. Sollte Hertha Siebter werden, müsste der Trainingsstart vorgezogen werden, weil die Qualifikation zur Europa League bereits am 28. Juli ansteht (Rückspiel: 4. August). Ein konkreter Termin ist noch nicht bekannt. Genauso wenig wie für das Trainingslager in Schladming Ende des Monats. „Wir sind für beide Fälle vorbereitet“, sagt Trainer Dardai. Sein Assistent Widmayer ist nach wie vor von einem guten Ausgang der Saison überzeugt. Schalke müsse in Hoffenheim erst einmal was reißen. „Der junge Trainer ist ehrgeizig hoch zehn“, sagt Widmayer über Julian Nagelsmann. Zudem sei Hertha keineswegs chancenlos. Unter Dardai hat die Mannschaft beide Spiele gegen Mainz gewonnen, „vielleicht sind wir ein bisschen ihr Angstgegner“.

Dadurch, dass in diesem Sommer die Europameisterschaft (10. Juni bis 10. Juli), die Copa America (3. Juni bis 26. Juni) und das olympische Fußballturnier (4. bis 20. August) ausgespielt werden, ist die Vorbereitung ohnehin schon kompliziert genug. Von Hertha werden Peter Pekarik (Slowakei) und Vladimir Darida (Tschechien) ganz sicher an der EM teilnehmen, die beiden Schweizer Valentin Stocker und Fabian Lustenberger dürfen sich immerhin noch leise Hoffnungen machen. John-Anthony Brooks ist von US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann für die Copa nominiert worden, und Niklas Stark und Mitchell Weiser gelten als Kandidaten für die deutsche Olympia-Mannschaft.

Ob sich ihr Traum von Rio erfüllt, entscheidet sich unter anderem heute in Mainz. Da das olympische Fußballturnier keine offizielle Fifa-Veranstaltung ist, besteht für die Vereine keine Abstellungspflicht. Der Deutsche Fußball-Bund ist auf deren guten Willen angewiesen, hat aber auch schon verkündet, dass kein Klub mehr als zwei Spieler abstellen müsse. Auf Profis, die mit ihren Vereinen in der Europapokal-Qualifikation antreten, soll möglichst verzichtet werden. Das beträfe auch Stark und Weiser, falls Hertha Siebter wird. „Fakt ist, dass beide dann nicht bei Olympia spielen können“, sagte Manager Preetz dem Tagesspiegel.

Niklas Stark könnte das sogar verstehen. „Natürlich wäre der Verein in einer Zwickmühle“, sagt er. „Aber noch ist ja ein Spiel zu spielen.“ Und noch hat es Hertha in eigener Hand, ein solches Szenario zu verhindern.

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