Sport : Schneller als sie selbst

Paula Radcliffe verbessert in 2:15:25 beim London-Marathon ihren eigenen Weltrekord

Jörg Wenig

FAKTEN

Elber bis 2004 bei Bayern

Giovane Elber vom Fußball-Bundesligisten Bayern München hat Spekulationen über einen Wechsel zu Atletico Madrid beendet. „Das mit Atletico wird nichts diese Saison und auch nicht die nächste“, sagte der Brasilianer. Elber will seinen bis 2004 laufenden Vertrag beim Rekordmeister erfüllen.

Aufgebrachte Fans in Leverkusen

Beim abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen herrschte am Sonntag explosive Stimmung. Beim Training hatten sich zahlreiche Fans eingefunden, um ihrem Unmut über die desolate Vorstellung Bayers beim 0:3 am Samstag beim VfB Stuttgart Luft zu machen. Die Anhänger beschimpften die Spieler und warfen ihnen Arbeitsverweigerung vor.

Real Madrid blamiert sich

Der spanische Fußball-Rekordmeister Real Madrid hat sich vier Tage nach seinem Gala-Auftritt in der Champions League gegen Manchester United (3:1) in der Primera Division blamiert. Durch ein 2:4 (1:4) bei Real Sociedad San Sebastian, der höchsten Saisonniederlage, hat Real an der Tabellenspitze mit 60 Zählern nur noch drei Punkte Vorsprung vor Deportivo La Coruña und San Sebastian (je 57).

Schmeichel hört auf

Peter Schmeichel von Manchester City hat zum Saisonende das definitive Ende seiner Laufbahn angekündigt. Der Welt-Torhüter der Jahre 1992 und 1993 wurde mit Dänemark Fußball-Europameister und bestritt insgesamt 129 Länderspiele. Schmeichels 15-jähriger Sohn Kasper hat bei Manchester seinen ersten Profivertrag unterschrieben

Turbine bleibt vorn

Turbine Potsdam bleibt Tabellenführer der Fußball-Bundesliga der Frauen. Sechs Spieltage vor Saisonende besiegten die Brandenburgerinnen den FSV Frankfurt 2:1. Anja Mittag erzielte zwei Minuten vor dem Ende den Siegtreffer. Navina Omilade (19.) hatte Potsdam vor 500 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion in Führung gebracht, Isabell Bachor (74.) traf zum Ausgleich.

Exekutiv-Komitee aufgelöst

Das Nationale Olympische Komitee der USA steuert nach Korruptionsvorwürfen und einer dramatischen Rücktrittswelle einen drastischen Reformkurs. Das umstrittene Board of Directors wird auf neun Mitglieder reduziert, das Exekutiv-Komitee ersatzlos aufgelöst.

Ullrich stellt Coast ein Ultimatum

Jan Ullrich hat seinem Arbeitgeber Coast ein Ultimatum gestellt. Bis zum Montag soll die geforderte Bankbürgschaft beim Radsport-Weltverband UCI vorliegen, das habe Teamchef Günther Dahms versprochen. Kosponsor Bianchi aus Italien soll in noch größerem Maß als bisher angekündigt finanziell bei Coast einspringen.

Von Jörg Wenig

London. Paula Radcliffe sorgt für neue Zeiten in der Geschichte des Marathonlaufes. Mit 2:15:25 Stunden verbesserte die Engländerin beim London-Marathon ihren eigenen, im vergangenen Oktober in Chicago aufgestellten Weltrekord um 1:53 Minuten. Sie gewann vor der Kenianerin Catherina Ndereba, die 2:19:55 Stunden benötigte. Schnellster Mann unter den mehr als 33 000 Läufern war der Olympiasieger und Weltrekordler Gezahegne Abera. Der Äthiopier setzte sich in einem im Marathonlauf seltenen Endspurt gegen vier Konkurrenten durch und lief 2:07:56 Stunden.

„Ich wusste, dass ich hier in London sehr schnell laufen kann, und dass mir die Zuschauer dabei helfen würden“, sagte die 29-jährige Paula Radcliffe, die sich, begleitet von zwei männlichen Tempomachern, vom Start weg immer deutlicher von ihren Konkurrentinnen absetzte. Am Ende hatte sie mit Sieg- und Rekordprämien insgesamt 235 000 Dollar verdient. Das Startgeld für Englands Sportlerin des Jahres 2002 dürfte noch deutlich über dieser Summe gelegen haben.

Der Londoner Weltrekordlauf der Paula Radcliffe überrascht nicht. Erst vor gut einem Monat hatte sie bei einem Straßenlauf in Puerto Rico die 10-km-Weltbestzeit auf 30:21 Minuten gesteigert. Unvergessen ist ihr Rennen bei den Europameisterschaften von München, als sie im vergangenen August trotz eines Unwetters den Europäischen Rekord über 10 000 Meter auf 30:01,09 Minuten verbesserte. In diesem Sommer könnte Paula Radcliffe als erste Europäerin unter 30 Minuten laufen.

Die Buchmacher hatten schon vorher prophezeit, dass Paula Radcliffe nicht zu stoppen sein würde. Wer auf die Britin gesetzt hatte, bekam kaum mehr als seinen Einsatz zurück. Gefährlich werden ihr derzeit nur Fahrradfahrer. Bereits im vergangenen Jahr war sie im Training vor dem London-Marathon mit einer Radfahrerin kollidiert. In diesem Jahr fuhr ihr beim Höhentraining in Albuquerque (USA) eine Fahrradfahrerin in die Hacken. Paula Radcliffe holte sich blutige Schrammen an Beinen, Händen und im Gesicht, ihr Kiefer war ausgerenkt. Doch nach ein paar Tagen Pause konnte Paula Radcliffe das Training schon wieder aufnehmen. „Ich glaube, die Radfahrerin hat nicht gewusst, dass sie die Weltrekordlerin umgefahren und fast aus dem London-Marathon geworfen hätte“, erzählte Paula Radcliffe.

Die neue Bestzeit könnte allerdings bald schon wieder überholt sein. Denn London gilt nicht unbedingt als schnellster Marathonkurs. Berlin, Chicago oder Rotterdam bieten flachere Strecken, auf denen Paula Radcliffe mit der Leistung, die sie in London zeigte, vielleicht schon unter 2:15 Stunden gelaufen wäre. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der London-Marathon für längere Zeit ihr letzter gewesen ist. Im Sommer will sie sich auf die Bahn-Langstrecken konzentrieren, und im nächsten Jahr wird sie sich voraussichtlich frühzeitig auf den olympischen Marathon in Athen vorbereiten. Olympiagold wäre die Krönung ihrer Karriere.

Da auch die englischen Meisterschaften im Rahmen des London-Marathons stattfanden, sorgte Paula Radcliffe gestern für ein weiteres Novum. Sie war schneller als alle englischen Männer. Da auch kein Waliser, Schotte oder Nordire schneller lief, bekam Paula Radcliffe noch einen weiteren Pokal. Traditionell wird der schnellste Brite beim London-Marathon mit der Jim-Peters-Trophäe geehrt. Zum ersten Mal bekam ihn gestern eine Frau.

0 Kommentare

Neuester Kommentar