• Serie: Berliner Sportler und ihr Arbeitsplatz: Eisbären: André Rankel und der Wellblechpalast

Serie: Berliner Sportler und ihr Arbeitsplatz : Eisbären: André Rankel und der Wellblechpalast

André Rankel stammt aus Friedenau, doch der Arbeitsplatz des Kapitäns der Eisbären ist seit 14 Jahren Hohenschönhausen. Er sagt: „Ich bin hier zu Hause“

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Arbeiten für die großen Auftritte. Drei von sieben Titeln hat André Rankel mit den Eisbären noch im Wellblechpalast gewonnen, seit 2008 spielen die Berliner in der Arena am Ostbahnhof.
Arbeiten für die großen Auftritte. Drei von sieben Titeln hat André Rankel mit den Eisbären noch im Wellblechpalast gewonnen, seit...Foto: Davids/Darmer

Auch Sportler haben einen ganz gewöhnlichen Arbeitsplatz. Einen, an den sie jeden Morgen fahren. An dem sie mal Freude und mal Frust erleben. Mit dem sie viel verbinden. Und der das Basislager für ihre Karriere ist. In unserer Serie stellen Berliner Sportler ihre Arbeitsplätze vor.

André Rankel sitzt im „Wellis“. Die Front der Gaststätte im Wellblechpalast diente vor ein paar Jahren als Fernsehkulisse für „Weißensee“. Eine Serie, die zu DDR-Zeiten spielt – kein Teil der Vergangenheit des 31 Jahre alten Rankel. Er kommt aus Friedenau. Als Nachwuchsspieler des BSC Preussen war er in den Neunzigerjahren oft als Gast in der großen Eishalle im Sportforum. „Wir haben dauernd hier gespielt. Der Welli war damals schon anders“, sagt er. Rustikaler, älter und noch unmoderner als die Siebzigerjahre-Eissporthalle an der Jafféstraße, die es längst nicht mehr gibt. Doch aus „anders“ wurde für Rankel Alltag. Seit 14 Jahren ist der Eishockeyprofi der Eisbären in Hohenschönhausen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass du 14 Jahre denselben Arbeitsplatz hast. Erst recht nicht im Sport“, sagt Rankel. „Das weiß ich zu schätzen, das ist einfach schön.“

Es ist auf den ersten Blick nicht einfach, sich in das Sportforum zu verlieben. Viel grauer Beton und graue Geschichte: Auch das „Wellis“ wirkt ein wenig so, als sei es noch nicht von der neuen Zeit abgeholt worden. Gerahmte Mannschaftsbilder an den Wänden, alte Trikots an den Decken, letzte Ausdünstungen der DDR: Das Lokal atmet die Geschichte der Eisbären aus, die 2008 für ihre Heimspiele auszogen, um in der Multifunktionsarena am Ostbahnhof zu spielen und damit den Wellblechpalast zur Trainingsstätte herabstuften. Doch die alte Eishalle und das Sportforum sind noch heute Eckpfeiler im Berliner Sport. Nirgendwo sonst im Land ist so eine gewaltige Sportstadt mit ihren vielen Hallen, Stadien und einem Sportinternat konzentriert.

Sie kennen sich hier, die Spitzensportler vom Sportforum. Von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bis zur Hammerwerferin Betty Heidler. Aber, sagt André Rankel, wichtiger sei aus seiner Sicht als Eisbärenprofi die Nähe zum eigenen Klub-Nachwuchs. „Es war für mich als Kind und Jugendlicher immer etwas Besonderes, wenn ich der ersten Mannschaft zuschauen konnte.“ Stefan Ustorf, heute Sportdirektor seines Klubs, habe er noch spielen sehen. „Später habe ich mit ihm zusammen gespielt.“ Rankel, schwer aus der Ruhe zu bringen, wird ein wenig weicher in der Stimme, dann aber wieder härter. Logisch, das war noch bei den Capitals, im Westen der Stadt. Dort ist der Eishockeyspieler Rankel herangewachsen – aber nicht groß geworden.

Das war im Sportforum, dort spielt er seit 2003 als Profi. Im Wellblechpalast gewann er die ersten drei von sieben Meisterschaften mit den Eisbären. „Ich habe hier eine besondere Rolle, und der Rolle möchte ich auch gerecht werden“, sagt er. Rankel ist Kapitän des Teams. Er schießt viele Tore, spielt immer mit vollem Einsatz. Die Fans mögen den Mann mit dem blonden Haar, auch wenn er kein Freund großer Worte ist. Seitdem Sven Felski und Stefan Ustorf aufgehört haben und nun in der Geschäftsstelle des Klubs arbeiten, ist Rankel das Gesicht der Mannschaft geworden.

„Ich hatte schon dieses Bewusstsein, dass da früher im Osten etwas anderes war“

Davon hat er 2003 geträumt. Fast wäre er aber nicht bei den Eisbären gelandet. Der damalige Manager der Capitals, damals in der dritten Liga, hatte ihn zunächst nicht ziehen lassen wollen. „Der André ist besser bei uns aufgehoben, hier bekommt er Spielpraxis“, hatte Lorenz Funk gesagt und sich getäuscht. Rankel ging in den Osten. Damals sei das vielleicht noch etwas anderes als heute gewesen mit dem Ost-West-Ding, sagt Rankel. Als Kind sei er mit seinem Vater noch zur sich öffnenden Mauer gefahren. „Ich hatte schon dieses Bewusstsein, dass da früher im Osten etwas anderes war.“

Im ersten Jahr bei den Eisbären hat Rankel noch beim Vater in Großbeeren gewohnt. „Ein Jahr später bin ich nach Lindenberg gezogen.“ Seitdem wohnt er 15 Minuten Autofahrzeit vom Arbeitsplatz entfernt. „13 Jahre in Lindenberg – das ist fast die Hälfte meines Lebens.“

Im Wellblechpalast hat sich in Rankels Zeit viel getan. Der Kraftraum steht nun im ehemaligen Vip-Raum. Die Kabine wurde vergangenes Jahr komplett renoviert. Wie ist die Trainingsstätte so vom Standard her im Vergleich zu anderen Kabinen in der Deutschen Eishockey-Liga? „Ich kann es nicht sagen, ich kenne überall nur die Gästekabinen. Vergleiche zu ziehen, fällt mir schwer“, sagt Rankel. Aber in einer Sache sei er sich sicher: „Wir spielen in der schönsten Arena im Land.“ Und die steht in einem neuen Zentrum Berlins, unweit der East-Side-Gallery. Mindestens einmal die Woche ist Rankel in der Arena am Ostbahnhof, zum Trainieren und Spielen, wie am Sonntag, wenn die Eisbären dort um 19 Uhr die Nürnberg Ice Tigers empfangen. Dann wird es rund um das Spiel herum zum zweiten Mal die von Familie Rankel initiierte „Captains Tombola“ geben, für wohltätige Zwecke.

Auch die Arena sei „mehr als mein zweiter Arbeitsplatz“, sagt er. „Da sind die Bedingungen optimal. Klar ist der Kontrast zum Welli groß.“ Er könne aber nicht sagen, was besser ist. „Mal ein Spiel im Jahr im Wellblechpalast, das wäre nicht verkehrt“, sagt er und schaut durch die Glasfront in Richtung Eishalle. „Das ist kein Arbeitsplatz, ich bin hier zu Hause.“

Bis 2018 hat André Rankel noch einen Vertrag bei den Eisbären, den wird er ziemlich sicher verlängern und irgendwann seine Karriere als Spieler in Berlin beenden? Er überlegt kurz. Was für eine Frage. Aber der Diplomat Rankel ist eben kein Felski. Der hätte als Replik gepoltert: „Na logo, wat is’n dit für ne Frage?!“ Aber André Rankel sagt: „Ich bin doch schon Ewigkeiten hier. Wenn sich Möglichkeiten ergeben, das Potenzial da ist, dann würde ich gern bleiben.“ Seine zwei Töchter gingen hier in die Schule, das sei ja dann auch nicht so einfach, den Wohnort zu wechseln. Schließlich sagt er über seinen Arbeitsplatz: „Ich fühle mich hier wohl. Hier weiß ich, was ich habe.“

Bisher erschienen: Wasserspringer Patrick Hausding und die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (6.11.), Natascha Keller und das Hockeystadion an der Wilskistraße (9.11.), Hertha-Profi Sebastian Langkamp und der Olympiapark (22.11.), Akeem Vargas und das Trainingszentrum von Alba Berlin (30.11.), Paul Drux und das Trainingszentrum der Füchse Berlin (10.12.).

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