Serie Winterreise: Teil 3, Pokljuka : Wo die Geisterglocke läutet

Pokljuka bietet den Biathleten wie Simon Schempp malerische Aussichten und eine besondere Legende.

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Das ist die Höhe. Auf der Ebene von Pokljuka sind die Biathleten 1300 Meter über dem Meeresspiegel unterwegs, höher als an vielen anderen Weltcuporten.
Das ist die Höhe. Auf der Ebene von Pokljuka sind die Biathleten 1300 Meter über dem Meeresspiegel unterwegs, höher als an vielen...Foto: Imago/Gepa

Für die meisten Menschen sind es keine Sehnsuchtsorte – doch unter Wintersport-Fans sind ihre Namen so bekannt wie Metropolen: Kuusamo, Are, Chanty-Mansijsk. Sie sind gerade den Fernsehzuschauern so vertraut, weil hier jedes Jahr Weltcups stattfinden. In unserer Serie erzählen deutsche Athleten, wie es dort wirklich aussieht. Folge 3: Pokljuka, etwa 135 Schneetage, Jahresdurchschnittstemperatur: 4,7 Grad Celsius.

Simon Schempps Joggingrunden während der Weltcups sind meist sehr eintönig: Feldwege, Waldwege, so gut wie keine Abwechslung. In Pokljuka ist das anders. „Da wird einem einiges geboten“, sagt der Biathlet. Seine Läufe absolviert er dort immer rings um einen malerischen See, der 20 Kilometer vom Biathlon-Stadion entfernt liegt – den Bleder See im slowenischen Kurort Bled. Dort sind alle Athleten untergebracht. Wenn Schempp um den See joggt, schaut er nicht nur auf eine kleine Insel mit einer Kirche darauf, auch das Panorama ist überaus sehenswert.

„Besonders mit dem Triglav im Hintergrund ist es einfach eine richtig schöne Landschaft“, sagt Schempp. Der Triglav ist ein Nationalpark in den Julischen Alpen, mit einigen imposanten Gipfeln über 2000 Meter. Auf seiner Joggingrunde kommt also einiges zusammen: der See, die Insel mit Kirche, zudem befindet sich auf einem steilen Felsen am Ufer eine Burg, dahinter noch die Berge. Langweilig wird es auf dieser Strecke auf gar keinen Fall.

Derzeit hat der 27-Jährige wieder diese idyllische Aussicht. In den nächsten Tagen finden in Pokljuka erneut die Weltcup-Rennen statt. Los geht es am Donnerstag mit dem Sprint der Männer (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport). Wobei Pokljuka kein Ortsname ist, sondern der einer alpinen Hochebene auf 1300 Metern Höhe. „Das ist zwar schon etwas höher als viele andere Weltcuporte, aber es taugt mir ganz gut“, sagt Schempp. „Und wir schlafen ja auch unten.“ Unten, das ist Bled am Bleder See. 800 Meter unterhalb von Pokljuka liegt das Städtchen, in dem Schempp und die anderen Biathleten die meiste Zeit verbringen.

Der kleine Ort war schon im 18. Jahrhundert ein touristischer Anziehungspunkt

Der 8000-Einwohner-Ort unweit der österreichischen Grenze im Nordwesten Sloweniens war schon im 18. Jahrhundert ein touristischer Anziehungspunkt – wegen heilender Quellen. Danach wurde Bled zu einem Luftkurort. Als es später zum damaligen Jugoslawien gehörte, hatte dann der ehemalige Staatschef Tito dort eine Residenz.

Doch die vielen Sehenswürdigkeiten auf und um den See konnte Schempp bisher noch nicht besuchen. „Es bleibt neben den Rennen und dem Training einfach nicht genug Zeit, um mich intensiv damit zu beschäftigen“, sagt er. Und so kennt Schempp auch nicht die Legende, die sich um die Glocke der Marienkirche auf der Insel im Bleder See rangt.

Sie geht so: Es war einmal eine junge Ehefrau, deren Mann von Räubern ermordet und in den See geworfen wurde. Als Erinnerung an ihn kaufte sie eine große Glocke für die Kirche auf der Insel. Doch als die Glocke dort hingebracht werden sollte, sank das Boot. Die Frau war so verzweifelt, dass sie Bled verließ und Nonne in Rom wurde. Nach ihrem Tod hörte der Papst von ihrem traurigen Schicksal, schenkte der Kirche in Bled eine neue Glocke und sagte: Jeder, der die Glocke dreimal läutet, sich dabei etwas wünscht und an Gott glaubt, dessen Wunsch geht in Erfüllung. Und auch die versunkene Glocke soll man der Sage nach nachts hören.

Schempp hat allerdings sofort eine Erklärung für seine Wissenslücke: „Jakov Fak ist ein netter Kerl. Aber er hat mir noch nicht die lokalen Eigenheiten nähergebracht“, sagt er und lacht. Und das ist noch nicht alles. Sein slowenischer Konkurrent hat ihn auch noch nicht in die besonderen Speisen der Region eingeführt. Dazu zählen die Bleder Cremetorte Kremsnita, der Potica-Kuchen oder Struklji, gefüllte Knödel. Dafür wolle er dann mal im Sommer nach Bled kommen, sagt Schempp. Besonders zum Wandern und Bergsteigen im Triglav. Bis dahin kann er ja noch die Aussicht während der Joggingrunden um den See genießen.

- Bisher erschienen: Kuusamo und Are.

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