Skispringen : Deutsche Adler: Ein Talent fliegt weiter als die Alten

Die arrivierten deutschen Springer enttäuschen bei der Vierschanzentournee. Allein Pacal Bodmer überzeugt im deutschen Team.

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Foto: dpaX00446

Innsbruck – Es war einmal, dass das Bergisel-Stadion fest in deutscher Hand war. Als schwarz-rot-goldene Fahnen den Betonkessel dominierten und Sven Hannawald noch auf den Sprungturm kletterte. Beim diesjährigen dritten Springen der Vierschanzentournee war die Zahl der deutschen Farben im rot-weiß-roten Fahnenmeer stark rückläufig. Geht das so weiter, wird das deutsche Fankontingent bald auf das Niveau Kasachstans oder Brasiliens geschrumpft sein. Diese Länder waren gestern am Bergisel zumindest mit einer Fahne im Publikum vertreten.

Derzeit sieht es so aus, als könnte einzig Pascal Bodmer das verhindern. Der junge Skispringer aus dem Schwarzwald ist gegenwärtig im Team von Bundestrainer Werner Schuster der einzige Lichtblick. Am Tag vor seinem 19. Geburtstag sprang er mit 122,5 und 118, 5 Metern auf Rang acht und war zum dritten Mal bester deutscher Springer. „Ich bin glücklich, endlich hat es mit einer Top-Ten-Platzierung geklappt“, sagte Bodmer, „das ist ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk.“ Michael Uhrmann auf Platz zwölf zeigte immerhin aufsteigende Tendenz, ebenso der 18 Jahre alte Richard Freitag auf Rang 30. Was man von Martin Schmitt nicht behaupten kann. Er schaffte es mit Rang 32 ebenso wie Maximilian Mechler nicht einmal in den zweiten Durchgang. „Ich habe bei der Tournee nicht meinen Rhythmus gefunden“, sagte Schmitt, Auch Michael Neumayer enttäuschte mit Rang 34.

Ganz anders Bodmer. Der Youngster überzeugt mit einer Konstanz, die man eher den Routiniers zugetraut hatte. Im Gesamtweltcup hat er sich auf Rang acht geschoben, ebenso in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee. „Er macht seine besten Sprünge im Wettkampf“, lobt Bundestrainer Schuster. Was für ein gewachsenes Selbstbewusstsein spricht. Für das vierte Springen in Bischofshofen peilt Bodmer Platz sechs an.

Mit dieser Lockerheit kann er dem am Sonntag noch 13 Jahre älteren Martin Schmitt als Vorbild dienen. Die beiden trainieren zusammen in Hinterzarten. Was als Hilfe für den Jüngeren gedacht war, der sich an seinem einstigen Vorbild orientieren sollte, hat sich gewandelt. Nur beim Umgang mit den Medien holt sich der zurückhaltende Bodmer noch Tipps bei seinem erfahrenen Zimmerkollegen. Sportlich aber muss sich Martin Schmitt inzwischen an dem Sportsoldaten aus Meßstetten orientieren.

Nach dem Springen am Sonntag ging das deutsche Team in Innsbruck zum Bowlen. Anlass war Bodmers Geburtstag, was gut zur diesjährigen Skisprungsaison passt: Für die freudigen Momente ist allein er zuständig. Benedikt Voigt

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