Skispringen : Mit Erfahrung zu Silber

Martin Schmitt ist 32, Michael Uhrmann und Michael Neumayer sind jeweils 31 Jahre alt. Gemeinsam mit Youngster Andreas Wank holten sie im Teamwettkampf noch einmal eine Medaille, doch der große personelle Umbruch im deutschen Skispringen rückt näher.

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Vancouver 2010 - Skispringen
So jung kommen sie nicht mehr zusammen. Im deutschen Skispringen steht nach Olympia ein Generationswechsel an. -Foto: dpa

Martin Schmitt will sich in der Stunde des Erfolges nicht festlegen. Der deutsche Skispringer steht in der Sonne im Whistler Olympic Park, seine Augen sind hinter einer dunklen Brille verborgen und das Wort vom Rücktritt liegt ganz weit weg. „Ich plane im Moment bis zur Weltmeisterschaft in Oslo 2011“, sagt der deutsche Skispringer, „aber die steht ja bereits vor der Tür, deshalb kann ich mir  durchaus vorstellen, dass ich noch länger mache.“ Auch noch bis Sotschi 2014? „Das kann ich nicht sagen“, erklärt Schmitt. 

Auch wenn Martin Schmitt es noch nicht sagen will: Der große personelle Umbruch für die deutschen Skispringer rückt immer näher. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Martin Schmitt in Sotschi noch dabei ist“, glaubt Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes. „Sotschi wird sich für mich vielleicht nicht mehr ausgehen“, sagt auch Michael Uhrmann. Drei von vier deutschen Skispringern aus dem mit Silber dekorierten Olympiateam nähern sich dem Skisprung-Rentenalter.  Michael Uhrmann und Michael Neumayer sind 31 Jahre alt, Martin Schmitt ist noch ein Jahr älter. Deshalb konnten sie sich auch über den zweiten Platz so ausführlich freuten. „Das war für uns alle wichtig, dafür haben wir das ganze Jahr hart gearbeitet“, sagte Martin Schmitt. 

Der Erfolg der gesamten Saison hing am Teamspringen

Es war auch wichtig für den Bundestrainer Werner Schuster, der die Mannschaft in der zweiten Saison betreut. Der gesamte Erfolg dieser Saison hing an diesem einen Mannschaftsspringen. Nun kann er darauf verweisen, in jedem Jahr von einem Großereignis mit einer Medaille zurückgekehrt zu sein. Bei der WM in Liberec 2009 hatte Martin Schmitt glücklich eine Silbermedaille auf der Großschanze gewonnen. Seinem glücklosen Vorgänger Peter Rohwein ist so etwas nicht vergönnt gewesen. Werner Schuster hingegen erhält von seinem Vorgesetzten Thomas Pfüller Extralob. 

„Ich denke, dass Werner Schuster das Team richtig eingestellt hat“, sagt der DSV-Sportdirektor. Vor allem hatte der Bundestrainer in dem 22 Jahre alten Andreas Wank die richtige Wahl für das Mannschaftsspringen getroffen hatte. Der 19 Jahre alte Pascal Bodmer hatte zwar zu Saisonbeginn die besten Leistungen aller deutschen Springer gezeigt, doch zuletzt zeigte seine Formkurve nach unten. „Entscheidend war auch, dass sich die Mannschaft in Willingen noch ein Erfolgserlebnis abgeholt hat“, sagt Thomas Pfüller. Dort hatte das deutsche Team unmittelbar vor Olympia in Abwesenheit der überragenden österreichischen Springer den Teamwettbewerb gewonnen. „Wir wollten zunächst eher nach Vancouver reisen“, berichtet Thomas Pfüller, „aber Werner Schuster hat die richtige Entscheidung getroffen.“

Schmitt will mindestens bis zur WM 2011 weitermachen

Demnächst werden weitere Entscheidungen auf den Bundestrainer zukommen. Bereits für die WM 2011 könnte neben Andreas Wank ein zweiter jüngerer Springer in die Mannschaft stoßen. „Es stehen ein paar hintendran, das geht im Skispringen schneller als in den Ausdauerdisziplinen“, sagt der DSV-Sportdirektor, „für die Jungen ist es wichtig sich 2011 zu stabilisieren und dann für 2014 aufzubauen.“ Neben Andreas Wank und Pascal Bodmer zählen auch Felix Schoft und Tobias Bogner zum Perspektivteam der Zukunft. „Wir haben gute Leute im Nachwuchsbereich“, sagt Martin Schmitt, „es liegt jetzt an ihnen, den nächsten Schritt zu machen.“ Ihm sei für die nächsten Olympischen Spiele nicht bange. Vielleicht weil er weiß, dass er zur Not auch noch einmal antreten könnte.

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