Skispringen : Schön war die Zeit

Ahonen, Schmitt, Malysz, Kasai: Eine große Skispringer-Generation gleitet in die Rente. In Oslo bei der WM sind alle nochmal dabei.

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Die Zeit vergeht im Flug. Michael Uhrmann will nicht mehr springen. Foto: dapd
Die Zeit vergeht im Flug. Michael Uhrmann will nicht mehr springen.Foto: dapd

Ein beherztes Lachen hat nie zu den Stärken des Janne Ahonen gezählt. Zuletzt aber ist ihm nicht mal mehr der kleinste Anflug eines Schmunzelns übers Gesicht gehuscht. Seine Mundwinkel hingen beharrlich nach unten, das Gesicht schaute knochig aus, der Blick fahl. Dass Ahonen sein Beruf schon einmal mehr Freude bereitet hat, war nicht zu übersehen. Und es war auch verständlich. Denn wer so lange vorne dabei war, den kann es nur nerven, wenn er sich wie jetzt in Oslo hinten einreiht. 30. wurde Ahonen beim weltmeisterschaftlichen Springen von der Großschanze – von 30 gestarteten Athleten im zweiten Durchgang. 29 Plätze vor ihm landete ein 20 Jahre junger Bursche namens Gregor Schlierenzauer.

Janne Ahonen ist 13 Jahre älter als Schlierenzauer, genauso wie sein polnischer Kollege Adam Malysz, die beiden gehören wie Martin Schmitt, 32, zu einer speziellen Generation. Einer Generation von einst äußerst erfolgreichen Springern, die anscheinend einfach nicht lassen kann vom Leistungssport, selbst wenn sie manchmal nur noch hinterherhüpft. Altersmäßig werden die drei nur noch vom inzwischen 38-jährigen Japaner Noriaki Kasai übertroffen, ein Typ, der es offensichtlich locker nimmt, dass er nicht mehr der Allerbeste ist, sondern eher den Spaßvogel des Weltcups abgibt. Beim ewig grienenden Schmitt sieht es nach außen hin oft ähnlich aus, nach seinem 16. Platz am Donnerstag sprach er allerdings von nicht mehr als einer „ordentlichen Leistung“, es hätte schon noch besser sein können – selbstverständlich.

Bei den älteren Herren des Skispringens fliegt immer der Ehrgeiz mit, es allen noch einmal zu zeigen. Dabei ist das nicht so einfach. Adam Malysz lässt beispielsweise wissen, dass sein Kopf gerne weiterspringen möchte, nur sein Körper, der sei die Strapazen satt. Anders als Radfahrer oder Langläufer, die es oft auch noch jenseits der 30 im Ausdauerbereich bis in die Weltspitze schaffen, ist dies bei Skispringern anders. Schnellkraft ist gefragt und auch ein bisschen jugendlicher Wahnsinn: Der Mut, sich wie wild vom Schanzentisch zu stürzen.

Jemand wie Janne Ahonen sollte das wissen. Mit 16 hatte der Finne sein erstes Weltcupspringen gewonnen. Was folgte, war eine große Karriere, die er 2008 beendete, zumindest vorerst. Ein Jahr später kam er schon wieder zurück, zu alter Leistungsstärke jedoch hat er seither nicht mehr gefunden; vielmehr wurde er vor allem in den zurückliegenden Monaten zur tragischen Figur.

So weit will es Adam Malysz nicht kommen lassen. „Es war mein Traum, meine Karriere zu beenden, wenn ich in guter Form bin“, sagte der Pole am Holmenkollen. „Deshalb werde ich meine Karriere nach dieser Saison beenden.“ Malysz gewann von der kleinen Schanze in Oslo zum Abschied immerhin Bronze, neben ihm hat auch Michael Uhrmann genug. Der Deutsche hört auf, weil ihm nichts mehr einfällt, „wofür ich mich noch motivieren soll“.

Was nun? Was macht man, wenn man nicht gerade das Charisma hat, um als Experte im Fernsehen aufzutreten? Uhrmann möchte als Assistenztrainer der Deutschen arbeiten, Malysz weiß noch nicht, wohin es ihn treibt. Aber die Ungewissheit ist ihm lieber, als sich von der eigenen Jugend überflügeln zu lassen. Martin Schmitt zum Beispiel musste mit Severin Freund und Richard Freitag gleich zwei Jungspunde voranspringen lassen. Neidisch sei er nach eigenem Bekunden nicht auf die besseren Platzierungen seiner Mannschaftskameraden: „Ist doch schön, dass wir ein gutes Team haben.“

Die Zeiten, in denen die Finnen ein richtig gutes Team stellten, liegen hingegen eine Weile zurück. Janne Ahonen sprang auch deshalb immer weiter, weil ihn keiner aus dem Kader drängte. Inzwischen hat der 33-Jährige sich selbst um den Nachwuchs gekümmert: Sein sechs Jahre alter Sohn probiert sich im Junior Cup und wurde dort zuletzt Sechster. Um einiges besser als der Vater bei den Erwachsenen.

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