Thomas Pfüller : "15 Medaillen sollten es sein"

Thomas Pfüller, Sportdirektor des Skiverbands, über Ziele für die Winterspiele, Magdalena Neuner als Langläuferin und die Finanzen seines Verbands.

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Foto: promo

Herr Pfüller, wie zufrieden sind Sie mit den Skispringern in der Olympia-Saison?

Sicherlich können wir mit den bisherigen Ergebnissen bei der Vierschanzentournee nicht zufrieden sein. Aber es sind noch gut fünf Wochen bis Olympia, bis dahin kann sich noch ein bisschen ändern. Ich denke, dass vor allem die jungen Springer noch zulegen werden.

Bei der WM 2009 in Liberec gab es noch Silber für Martin Schmitt …

… aber da hatte Martin Schmitt vorher die notwendigen Leistungen gebracht. Wenn alle Springer geschlossen einen Schritt nach vorne machen, haben sie in Vancouver die Chance, eine Medaille mit der Mannschaft zu machen.

Wie viele Medaillen will der Deutsche Skiverband in Vancouver holen?

In Turin hatten wir 18 Medaillen, in Vancouver sollten 15 unser Ziel sein. Und so viele brauchen wir auch. Nicht, weil wir als Verbandsführung Druck aufbauen wollen, sondern weil das die fordern, die viel Geld in den Deutschen Skiverband stecken. 15 Medaillen sind auch realistisch. Dabei wird uns sicherlich der Alpinbereich der Damen helfen, und die eine oder andere Medaille wettmachen, die wir im nordischen Bereich nicht erreichen.

Wie steht es um die Nordische Kombination?

Da sind wir im Moment sehr zufrieden. Wir haben drei Leute, die um die Medaillen mitlaufen können. Einen vierten brauchten wir, um mit der Mannschaft endlich mal Gold zu holen. Ronny Ackermann hat schon ein paar Mal bewiesen, dass er dieser vierte Mann sein kann. Dann sollten wir in jedem der drei Wettbewerbe um eine Medaille kämpfen können.

Im Langlauf sieht es nicht so gut aus.

Das ist eine Ausdauerdisziplin, da wird der eine oder andere Konkurrent bis Olympia noch Federn lassen. Wir haben eine starke Männermannschaft, mit René Sommerfeldt, Tobias Angerer, Axel Teichmann und Jens Filbrich. Alle vier können am richtigen Tag mit dem richtigen Material eine Medaille gewinnen. Zudem haben wir eine Chance im Teamsprint und in der Staffel.

Bei den Frauen aber nicht.

Da fehlt uns der Druck von hinten, von den jungen Läuferinnen. Vorne haben wir nur Claudia Nystad, die in der Lage ist, eine gute Platzierung zu machen. Hinzu kommen Evi Sachenbacher-Stehle und Steffi Böhler.

Könnte bei Olympia die Biathletin Magdalena Neuner den Langläufern helfen?

Erst einmal müssen sich die Langläufer selber dahin bringen, um eine Medaille kämpfen zu können. Wenn eine nicht dazu in der Lage sein sollte, hätten wir noch Magdalena Neuner. Insofern wäre das schon eine Lösung. Wenn die erste Langlaufstaffel an der Reihe ist, sind die Biathleten schon seit drei Tagen fertig.

Das wären dann wie viele Medaillen für die Langläufer?

Ich würde mich freuen, wenn die Langlauffrauen eine Medaille holen und die Männer zwei oder drei.

Wie sieht es im Biathlon aus?

Die Herren waren bisher nicht so gut. Aber sie sind läuferisch dabei, das ist für mich das Entscheidende. Da kann man nämlich innerhalb von fünf Wochen nichts mehr korrigieren – im Schießen schon. Bei den Frauen sind wir im Laufbereich ganz vorne dabei. In jedem Wettkampf werden vier starke Frauen an den Start gehen. Wenn nur eine im Schießen durchkommt, ist sie auch auf dem Treppchen. Deshalb würden wir uns schon fünf Biathlonmedaillen wünschen.

Und wie stehen die Chancen im Skicross und Freestyle?

Das spielt momentan in Europa keine Rolle, da werden die Medaillen in erster Linie an Amerikaner und Kanadier gehen. Beim Freestyle werden wir mit Gerhard Blöchl einen an den Start bringen, die Skicrosser werden drei oder vier Starter haben. Aber man sollte die Erwartungen nicht zu hoch setzen. Das ist eine Sportart, die nur punktuell gefördert wird.

Wie steht es denn um die Finanzen im Deutschen Skiverband?

Die Finanzkrise macht auch vor uns nicht halt. Aber wir haben stabile Partner an der Seite. Und auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Wir haben jetzt fast alle Verträge bis 2014 verlängert. Beim Fernsehvertrag werden wir in diesem Jahr alles daran setzen, dass wir ihn zeitig verlängern. Dann bewegen wir uns wieder in ruhigem Fahrwasser.

Wie viel haben Sie nun weniger als mit ihrem ehemaligen Partner RTL, der ihnen bis zu 15 Millionen Euro pro Jahr gezahlt hatte?

Schwer einzuschätzen. Dazu zählen ja nicht nur die Fernsehgelder, sondern auch, was über Sponsoren und Veranstaltungen reinkommt. Im Biathlon und anderen Sportarten sind die Summen nach oben gegangen. Ich würde daher sagen, wir haben etwa zehn Prozent weniger.

Das geht ja noch.

Zehn Prozent sind auch schmerzlich. Aber wir können damit leben.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

Thomas Pfüller, 60, ist Geschäftsführer des Deutschen Skiverbands (DSV)

und dort als

Sportdirektor für

Biathlon und die

Nordischen Disziplinen zuständig.

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