Sport : Uta Pippig: Weder Freispruch noch Verurteilung - Digel schaltet die IAAF ein

Jörg Wenig

Am Wochenende herrschte Verwirrung, am Tag darauf sprach der Präsident. Helmut Digel hatte sich geärgert über die Falschmeldung, die von einem TV-Sender verbreitet wurde. Während noch am späten Abend die Meldung über einen angeblichen Freispruch Uta Pippigs kursierte, dementierte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) tags darauf zu Recht diese Nachricht in einer Pressemitteilung mit der Überschrift: "Kein Freispruch für Uta Pippig." Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bestätigte DLV-Präsident Digel das Ende des Verfahrens gegen die Marathonläuferin ohne Urteil: "Es gibt in der Tat weder einen Freispruch noch eine Verurteilung. Ich habe mich mit Juristen unterhalten. Denn es ist für mich ein eigenartiger Vergleich, der aber offenbar möglich ist. Ohne dass etwas entschieden wurde und ohne neue Aussagen, kann jede Partei auf ihre Standpunkte pochen - und Uta Pippig tut dies zu Recht."

Am Sonnabend hatten der DLV und Uta Pippig, wie berichtet, ihren Streit im Dopingverfahren überraschend vor dem Schiedsgericht des Deutschen Sport-Bundes (DSB) beigelegt. Die drei Richter, DLV-Rechtswart Clemens Prokop, Uta Pippig und ihr Anwalt Jens-Peter Ketels hatten den Vergleich unterschrieben.

Helmut Digel kündigte an, den Fall Uta Pippig mit dem Schiedsgerichts-Vergleich dem internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) zur Prüfung vorzulegen. "Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die IAAF möglicherweise keinen Handlungsbedarf mehr sieht, da die Sperre ohnehin bereits abgelaufen war", sagte der DLV-Präsident. Dennoch bleibt die Frage, wie die IAAF reagiert. Denn ohne abschließenden Schuldspruch dürfte Uta Pippig eigentlich nicht mehr als Dopingsünderin in entsprechenden IAAF-Listen geführt werden. Der DLV-Rechtsausschuss hatte die Läuferin im Juli 1999 verurteilt, dazu steht der Verband nach wie vor.

Uta Pippigs Anwalt Jens-Peter Ketels verfolgt die gegensätzlichen Aussagen in der Öffentlichkeit recht gelassen. Er verweist auf die Einigung mit der Beilegung des Streites, sagt aber bezüglich der Aussage von Clemens Prokop, die gegen Uta Pippig verhängte Dopingsperre sei nicht annulliert worden: "Faktisch gab es diese Sperre natürlich, aber nicht rechtlich. Denn das Verfahren ist rechtlich nicht beendet worden. Es gibt also keine rechtskräftige Verurteilung - die müsste mir der DLV erst einmal zeigen."

Helmut Digel wehrte sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel nochmals gegen Vorwürfe, der DLV habe Dopingfälle in den letzten Jahren unterschiedlich bewertet. Diese Vorwürfe zielten vor allem auf den Fall Dieter Baumann ab. Der DLV-Rechtsausschuss hatte Baumann vor kurzem freigesprochen, die IAAF lässt das Urteil zurzeit von ihrem Schiedsgericht überprüfen. "Wir haben in jetzt acht Jahren alle Fälle gleich behandelt", sagte Helmut Digel, der wiederum beklagte, dass andere Verbände nicht annähernd vergleichbar engagiert gegen Doping kämpfen wie der DLV. "Am Ende haben wir immer den Schaden", sagte der DLV-Präsident. "Keiner greift zum Beispiel den DSB, die Labore oder die Kontrollagenturen an."

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