Sport : Weit ja, aber nicht schnell und hoch

Deutsche Leichtathleten überzeugen derzeit nur beim Werfen – etwa Franka Dietzsch mit dem Diskus

Jörg Wenig[Cottbus]

Franka Dietzsch ist jetzt 37 Jahre alt, aber ihr Karriereende darf die Diskuswerferin eigentlich nicht alleine bestimmen. „Ich darf eben erst aufhören, wenn der Nachwuchs stark genug ist“, sagt sie. Die Neubrandenburgerin wird also noch ein bisschen warten müssen, denn im Moment sind nicht viele Nachfolgerinnen in Sicht, beim Diskuswerfen nicht, und in anderen Disziplinen der Leichtathletik sieht es auch nicht deutlich besser aus.

Es kann daher gut sein, dass die deutschen Athleten bei der Weltmeisterschaft in August in Helsinki wieder ein enttäuschendes Ergebnis erzielen. Der erste Teil der deutschen Qualifikationswettkämpfe für die WM macht nicht gerade Mut. Wieder einmal sind es die Werfer, auf denen die Hoffnungen ruhen werden. Das haben die Meetings von Rehlingen über Halle bis Cottbus gezeigt. Nur drei Medaillen hatten die Deutschen bei der WM 2003 gewonnen, und bei Olympia 2004 nur zwei. Vier davon holten die Werfer. Die fünfte Medaille hatte der Potsdamer Geher Andreas Erm gewonnen. Er hat die Saison vor wenigen Tagen verletzungsbedingt beendet.

So wird nun auch von Franka Dietzsch einiges erwartet. Die Diskus-Weltmeisterin von 1999 bestätigte mit ihrem Sieg beim Meeting in Cottbus ihre starke Form. Bei schwierigen Wetterbedingungen warf sie am Sonntag 63,14 Meter und übertraf damit erneut die WM-Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Im Laufe der Saison hatte Franka Dietzsch bereits 66,29 Meter erzielt. Das ist ihr weitester Wurf seit fast fünf Jahren, und damit führt sie die Jahresweltbestenliste an. „Ich hoffe, dass ich in Helsinki an diese Weite anknüpfen kann. Mit 66,50 Meter könnte es eine Bronzemedaille geben“, sagte sie.

Franka Dietzsch ist jedenfalls eine der wenigen Medaillenkandidatinnen, obwohl sie nur Teilzeitsportlerin ist. Fünf Stunden arbeitet sie täglich in einem Call-Center der Sparkasse. „Zurzeit kann ich Arbeit und Sport sehr gut miteinander verbinden, deswegen läuft es auch so gut für mich. Ich möchte noch einmal angreifen.“ Sie kann sich sogar vorstellen, bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking zu werfen. „Und dann ist ja ein Jahr später die WM in Berlin – da würde ich als Abschluss gerne dabei sein.“ Und wie beurteilt sie die nächste Generation der Werferinnen? „Ich sehe ein paar Talente. Wenn sie gesund bleiben und Sport und Ausbildung unter einen Hut bringen können, haben sie eine Chance.“

Immerhin zehn Jahre jünger als Franka Dietzsch ist Mark Frank. Der Speerwerfer aus Rostock war der einzige Athlet, der in Cottbus erstmals in dieser Saison die WM-Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit seiner Siegweite von 81,90 Meter übertraf. Zur Weltklasse fehlen allerdings noch einige Meter. Meeting-Organisator Ulrich Hobeck war ein wenig enttäuscht von den Leistungen, verärgert war er dagegen über das Fehlen der Sprinter Tim Goebel und Birgit Rockmeier, die bei einem kurzfristig vom DLV angesetzten Staffel-Testrennen mitliefen: „Wir haben in der deutschen Leichtathletik nicht mehr so viele gute Athleten, die einen Wiedererkennungswert beim Publikum haben. Deswegen sollte man diese Kräfte bei den traditionellen Meetings konzentrieren.“

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