Sport : "Wenn Baumann Rückgrat hätte ..."

Jörg Wenig

Wie Franke und Kallabis reagierten, als sie mit dem Doping-Fall in Verbindung gebracht wurdenJörg Wenig

"Als ich die Story mit der Zahnpasta das erste Mal hörte, habe ich mir gleich gedacht, dass da bald eine Geschichte mit Damian und mir gestrickt wird", sagte Stéphane Franke, der sich derzeit gemeinsam mit Damian Kallabis im Höhentraining in Kenia aufhält, in einer ersten Reaktion dem Tagesspiegel. Mit einem Tag Verzögerung erfuhr der Leichtathlet vom SCC Berlin am Mittwoch per Fax in Kenia von den Verdächtigungen, die der Läufer Christian Thörner und der Anwalt Dieter Baumanns, Michael Lehner, gegenüber einer Presseagentur geäußert hatten. "Als ich das gelesen habe, dachte ich: Es ist eine Unverschämtheit, dass ein Läufer solche Phantasien von sich gibt, und dass gleichzeitig eine Agentur sich derart benutzen lässt und uns damit diffamiert. Sie haben uns in ein schlechtes Licht gerückt. Auf der anderen Seite wundert es mich nicht, denn der Autor ist Mitglied bei Baumanns Klub Bayer Leverkusen", sagte Stéphane Franke. Der 35-jährige Läufer und der 3000-m-Hindernis-Europameister Damian Kallabis waren die ersten und bisher einzigen Namen, die im Zusammenhang mit der Manipulation von Dieter Baumanns Zahnpasta als vermeintlich Verdächtige genannt wurden.

Die in Sachen Zahnpasta ermittelnde Staatsanwaltschaft in Tübingen relativierte bereits einen Tag später, es bestehe nach dem Stand der Ermittlungen gegen Kallabis und Franke kein begründeter Manipulationsverdacht. Zusätzlich veröffentlichten Franke und Kallabis über ihren Berliner Anwalt am Freitag eine Eidesstattliche Erklärung, in der sie versichern, mit Baumanns Zahnpasta nichts zu tun zu haben. "Das erste, was wir nach diesen Verdächtigungen taten, war, unseren Anwalt anzurufen. Denn wir haben keine Lust, uns diffamieren zu lassen. Und wir wollen uns nicht dafür benutzen lassen, das Dieter Baumann reingewaschen wird", erklärte Stéphane Franke, der wie Kallabis in der Beurteilung des Falles Baumann fair geblieben war. Das Duo Franke / Kallabis sah sich just seit dem Triumph bei der EM 1998 und der gleichzeitigen Pleite Baumanns immer wieder neuen Angriffen ausgesetzt, an denen auch Dieter Baumann Anteil hatte. Nachdem beide zugegeben hatten, das damals nicht verbotene Mittel HAES benutzt zu haben, wurden sie ohne Beweise des Dopings bezichtigt. Im Fall Baumann, der im Herbst zweimal mit einem rund zehnfach überhöhten Nandrolonwert getestet wurde, betonte Franke nach den positiven A-Proben, dass eine Unschuldsvermutung gelten müsse. Nach den jüngsten Verdächtigungen sagt Franke, der EM-Dritte über 10 000 m: "Wenn Dieter Baumann Rückgrat hätte, würde er auch etwas zu diesen Vorwürfen sagen."

Zu der Situation in St. Moritz, wo phasenweise im Sommer Kallabis und Franke zeitgleich mit Dieter Baumann und dessen Frau, der als Langstrecken-Bundestrainerin tätigen Isabelle Baumann, im Trainingslager weilten, sagte Franke: "Wir sind zum offiziellen Masseur des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gegangen, der sein Wohnzimmer zum Massageraum gemacht hatte - was sollten wir denn machen, um eine Massage zu bekommen? Erst jetzt haben wir erfahren, dass neben dem Masseur und dem Läufer Christian Thörner auch Dieter Baumann dort gewohnt haben soll. Wir gingen davon aus, er wohnt im Apartment mit seiner Frau und nicht beim Masseur, wo ein dauerndes Kommen und Gehen herrscht. Wir haben keine Manipulation vorgenommen, und wir hätten ja auch gar nicht gewusst, welche der drei Tuben Dieter Baumann gehört." Franke und Kallabis hatten zuvor bereits gesagt, froh darüber gewesen zu sein, nicht im selben Apartmenthaus gewohnt zu haben wie die Gruppe um Dieter Baumann. Dies wiederum sei ihnen von Isabelle Baumann damals noch als Abkapselung vorgeworfen worden.

"Es ist deutlich zu sehen", sagt Franke, "dass von gewisser Seite versucht wird, uns schlecht zu machen. Wir haben uns kurz über diese Sache aufgeregt. Aber das einzige, was diese Leute erreichen wollen, ist doch, uns aus dem Rhythmus zu bringen. Diesen Spaß werden wir ihnen nicht lassen. Die Olympiasaison ist wichtiger als diese kleingeistigen Sticheleien. Wir können hier sehr gut trainieren." Noch rund zwei Wochen sind Franke und Kallabis gemeinsam mit Jirka Arndt und Frankes Ehefrau Jana (beide SCC) sowie einem Schweizer Marathonläufer in Kenia. Dort wohnen sie im "Childrens Home and Training Centre" der kenianischen Lauflegende Kipchoge Keino, des zweimaligen Olympiasiegers. Zu den Trainingspartnern gehören in Eldoret unter anderen die Läufer aus der Gruppe des Hindernis-Weltrekordlers Bernard Barmasai.

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