Wettkampf des Tages : Aus der Warteschleife

Von der Großschanze haben die deutschen Skispringer nur Außenseiterchancen. Favorit ist auch diesmal Simon Ammann - doch die Österreicher wittern Schiebung beim Schweizer.

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Vancouver 2010 - Skispringen
Martin Schmitt. Im Abschlusstraining stark - in der Qualifikation schwach. -Foto: dpa

Eigentlich sind es die deutschen Skispringer gewohnt zu warten. Oft genug sitzen sie auf den Sprungschanzen dieser Welt und hoffen darauf, dass sich Wind- oder Schneeverhältnisse bessern. Diesmal hat das Warten allerdings zum offiziellen olympischen Programm gezählt. Eine Woche Pause hat der Zeitplan zwischen dem Auftritt auf der Normalschanze am ersten Tag der Spiele von Vancouver und dem Springen am Samstag auf der Großschanze vorgesehen. Für Michael Uhrmann ist die Wartezeit trotz der langjährigen Übung zu lang geworden. „Ich bin froh, dass es wieder losgeht“, sagte er. „Wenn die Pause zu lang ist, gewöhnt man sich ans Nichtstun und wird träge.“

Für ihn und seine Teamkollegen geht das olympische Programm dem Höhepunkt entgegen. Auch wenn Uhrmann mit Rang fünf auf der Normalschanze einer Medaille nahe gekommen ist, stehen die Chancen auf einen Erfolg im Mannschaftsspringen am Montag am besten. Realistischerweise wird sich der Kampf um die Goldmedaille am Samstag auf der Großschanze im Whistler Olympic Park wohl zwischen dem Schweizer Simon Ammann und den Österreichern Gregor Schlierenzauer, Titelverteidiger Thomas Morgenstern und Andreas Kofler entscheiden. Ammann könnte der erste Skispringer werden, dem vier olympische Einzelsiege gelingen. Der Finne Matti Nykänen hatte eine seiner vier olympischen Goldmedaillen mit der Mannschaft gewonnen.

Österreicher sticheln gegen Schweizer Ammann

Der Österreichische Ski-Verband hat den Kampf bereits am Donnerstag eröffnet, als er den Internationalen Skiverband aufforderte zu untersuchen, ob die neue Bindung des Schweizers regelkonform sei. Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner hatte dann am Freitag angekündigt, Einspruch einzulegen, wenn Amann auch am Samstag mit der neuartigen Bindung springt. Doch schon nach dem Qualifikationsspringen gab der Weltverband Fis Entwarnung. „Die Materialkontrolle hat keine Verletzung der Regeln festgestellt“, sagte Fis-Renndirektor Walter Hofer.

In die wahrscheinlich letzten beiden olympischen Springen seiner Karriere geht Martin Schmitt. In Sotschi 2014 wird er 35 Jahre alt sein, bisher hat er angekündigt, seine Karriere mindestens bis 2011 fortsetzen zu wollen. Das Springen auf der Großschanze hat für ihn gut begonnen, mit 145 Metern ist ihm im ersten Training der weiteste Sprung gelungen. „Ich bin nicht in der Position, dass ich zum Kreis der Medaillenanwärter gehöre“, sagte Schmitt, der auf der Normalschanze auf Platz zehn sprang. „Ich schaue nur auf meine Sprünge und darauf, was ich besser machen kann, um die Lücke zur Spitze zu schließen.“

Martin Schmitt kommt immer besser in Form

Längst hat es sich als richtig herausgestellt, dass er im Januar nach der Vierschanzentournee eine Pause eingelegt hat, um wieder zu Kräften zu kommen. Die Balance zwischen Gewichtreduzierung und Training hatte ihn in dieser Saison schon zum zweiten Mal erschöpft. „Wir haben es richtig gemacht“, sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Um seinen Routinier muss er sich keine Sorgen machen, auch nicht um Michael Neumayer, der auf der Normalschanze 16. wurde. Der vierte Mann für das Mannschaftsspringen aber bereitet ihm Probleme. Für die Qualifikation am Freitag hatte der Bundestrainer den fünften Mann, Andreas Wank, nominiert. Damit fiel der 19 Jahre alte Pascal Bodmer zunächst aus dem Team, obwohl er in der Weltcup-Saison bislang erfolgreichster deutscher Springer war. Seit der Vierschanzentournee waren die Leistungen des Jüngsten im Team jedoch abgefallen. Auf der Normalschanze verpasste er mit Platz 31 das Finale. Wank hingegen sprang am Freitag mit 137,5 Metern auf Rang drei hinter den Japanern Daiki Ito (139,5) und Noriaki Kasai (142,5). Mit 136 Metern wurde Michael Neumayer 12., Martin Schmitt erreichte mit 128 Metern Rang 25. Und Simon Amann? Der zeigte sich ungerührt von der Diskussion um seine Bindung – und sprang bei verkürztem Anlauf 140 Meter.

Skispringen von der Großschanze, 20.30 Uhr.

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