Widrige Bedingungen für Biathleten : Oberhof muss um seinen Weltcup kämpfen

Nebel, Wind, Frost: Oberhof erntet als Weltcup-Standort Kritik. Der Deutsche Skiverband will dennoch die WM hierher holen.

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Viel Unruhe auf den Waffen. In Deutschland werden zwei Biathlon-Weltcups ausgetragen. Es mehren sich die Stimmen, die fordern, dass man auf Oberhof verzichten könne.
Viel Unruhe auf den Waffen. In Deutschland werden zwei Biathlon-Weltcups ausgetragen. Es mehren sich die Stimmen, die fordern,...Foto: dpa

Die Haupttribüne in der Rennsteig-Arena war im Handumdrehen leergefegt. Als der souveräne Biathlon-Verfolgungssieger Martin Fourcade und die erfolgreichsten Kollegen des Tages eine Viertelstunde nach Rennende zur Ehrung der Top sechs marschierten, waren die Zuschauer auf den besten Plätzen dem frostigen Wind längst in die beheizten Festzelte rundherum entflohen. Bei minus neun Grad war Durchhaltevermögen angesagt, gut zwei Stunden später starteten schließlich noch die Frauen ihre Jagd auf Gabriela Koukalova, die Siegerin des Sprints am Vortag.

Nach zehn Kilometern und vier Schießeinlagen war die Tschechin dann auf den zweiten Platz hinter Fourcades Teamkollegin Marie Dorin-Habert, Dritte nach dem Sprint, geplumpst. Dritte wurde die Finnin Kaisa Mäkäräinen, als beste deutsche Starterin verbesserte sich Maren Hammerschmidt um einen Platz auf Rang vier.

Am Freitag genossen die Skijägerinnen noch den ungewohnten Sonnenschein über Oberhof, blieben am Schießstand zudem unbehelligt von den berüchtigten Böen. Bei den Verfolgungsrennen aber flatterten die Fahnen im Stadion wieder heftig im Wind. „Das Schießen war schwierig, da hatte man immer viel Unruhe auf der Waffe“, berichtete Arnd Peiffer, der mit drei Fehlern eine vergleichsweise starke Bilanz vorlegte.

Schon nach der dritten Übung mit dem Gewehr machte der 29-jährige Niedersachse große Augen. „Trotz eines Fehlers bin ich – zack – auf Position zwei aus dem Schießstand gegangen und dachte mir: Hä, was ist denn jetzt los?“, rekapitulierte er, als sein unerwartetes Glücksgefühl eine nochmalige Steigerung erfahren hatte: Bei den finalen fünf Schuss, als Peiffer trotz zweier weiterer Fehler Zweiter blieb, die Position bis ins Ziel hielt und dort sein bestes Saisonresultat kommentierte: „Die anderen haben sich zum Glück auch schwer getan, und auf einmal steht man auf dem Podium. Ich kann’s gar nicht fassen.“

Mindestens genau so perplex machten den Sprintweltmeister von 2011 die kritischen Stimmen über den Weltcupstandort Oberhof. Neu sind diese Vorbehalte nicht: Die frisch aus der Babypause zurückgekehrte Weißrussin Darja Domratschewa bemängelte schon vor zwei Jahren die wegen des unberechenbaren Wetters unfairen Bedingungen am Grenzadler. Es folgte die peinliche Absage im Vorjahr, als Oberhof die Veranstaltung an Ruhpolding abgeben musste, weil zu wenig Kunstschnee produziert worden war. Und nun meldeten sich weitere Topstars der Szene mahnend zu Wort.

„Als ich vor zehn Jahren zum ersten Mal in Oberhof war, war die Stimmung super faszinierend – jetzt ist sie nur noch faszinierend“, sagte die erfahrene Mäkäräinen (33) und brachte einen grundsätzlichen Einwand vor: „Deutschland hat zwei Weltcups, aber im Biathlon gibt es inzwischen viele große Nationen. Die Weltcups sollten offener sein, für alle Länder.“ Der Ansicht ist auch Marie Dorin-Habert, die Siegerin des Jagdrennens gab zu bedenken: „Am Freitag hatten wir perfekte Bedingungen, aber das ist nicht immer so.“ Im Gegenteil: „Mit dem Nebel, Frost und Wind gibt es hier jede Menge spezielle Elemente.“

"Im letzten Jahr waren wir in den USA in einem Gurkenkaff"

Auf deutscher Seite ist die Empörung naturgemäß groß. Lokalmatador Erik Lesser bezeichnete die Diskussionen um Oberhof bereits als „völligen Quatsch“, am Samstag schloss sich Arnd Peiffer mit einem klaren Statement an. „Die deutschen Weltcups haben Biathlon groß gemacht. Im letzten Jahr waren wir in den USA in einem Gurkenkaff wie Presque Isle, wo überhaupt keine Zuschauer sind“, sagte er. „Wenn man dagegen sieht, was hier los ist und dann solch klasse Veranstaltungen in Frage stellt, finde ich das ein bisschen hart.“

Angriff ist die beste Verteidigung – nach der Devise verfährt man auch beim Deutschen Skiverband (DSV). Für den kommenden Winter ist der Weltcuptermin in Oberhof noch sicher, voraussichtlich im Juni vergibt der Weltverband die Austragungsorte für den Vier-Jahres-Zyklus ab 2018. „Oberhof muss auch in Zukunft gesetzt sein“, fordert DSV-Präsident Franz Steinle. Im vergangenen September scheiterte das 1700-Einwohner-Städtchen mit der Bewerbung um die WM 2020 zwar klar. Trotzdem kündigte Steinle den nächsten Versuch an, nun für 2023: „Wir gehen die Bewerbung mit viel Power an – denn es ist uns sehr wichtig, Weltmeisterschaften nach Deutschland zu bekommen.“

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