Der Tagesspiegel : Stratege fürs Grobe

Klaus Ness hält Matthias Platzeck den Rücken frei

Michael Mara

Potsdam – Er war schon immer mehr als ein still im Hintergrund arbeitender Parteiverwalter: SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness, den Ministerpräsident Matthias Platzeck jetzt in die Kommission holte, die die Sondierungsgespräche führt und die Koalitionsverhandlungen vorbereitet. Sozialdemokraten beschreiben die Rolle des 42-Jährigen, ob unter dem langjährigen SPD-Landesvorsitzenden Steffen Reiche oder unter dessen Nachfolger Matthias Platzeck, so: Ness sei „einer der intelligentesten Parteistrategen und ideologischen Vordenker“. Jedoch immer auch der Mann fürs „Grobe", ob in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner oder bei Konflikten in den eigenen Reihen.

Es liegt aber nicht nur daran, dass Ness unter den märkischen Genossen nicht unbedingt beliebt ist. Ihn umgibt eine kühle Aura, er kann schwer Gefühle zeigen. Es gab sogar Leute, die Platzeck nach dessen Wahl zum Parteichef 2002 rieten, den in Peine (Niedersachsen) Geborenen doch besser auszuwechseln. Platzeck ist heute froh, diese Ratschläge nicht befolgt und den studierten Diplom-Pädagogen als Landesgeschäftsführer behalten zu haben.

Und zwar nicht nur deshalb, weil Ness dem als Ministerpräsidenten und Parteichef doppelt Belasteten in Parteiangelegenheiten den Rücken freihält. Ness hat die Abläufe in der Partei „fest im Griff“. Noch mehr zählt in dieser für die Sozialdemokraten schwierigen Zeit, dass er den Wahlkampf professionell und fehlerfrei gemanagt hat. Selbst führende CDU-Politiker äußerten sich angesichts des vermurksten eigenen Wahlkampfs anerkennend. Dabei ist Ness, der die Kunst der Zuspitzung politischer Themen perfekt beherrscht, für die Christdemokraten ein „rotes Tuch“.

Vor allem CDU-Chef Jörg Schönbohm mag ihn nicht, was verständlich ist: Ness arbeitete zielstrebig am anti-sympathischen Image Schönbohms, des einstigen Angstgegners der SPD. Beispielsweise veröffentlichte er noch vor Beginn des Wahlkampfes eine von der SPD in Auftrag gegebene Infratest-Umfrage, nach der 40 Prozent der Brandenburger die Vorstellung „Angst macht“, Schönbohm könnte Ministerpräsident werden.

Der zweite Schritt war dann die „Platzeck-ist-einer-von-uns-Kampagne“. Wie es heißt, startete Ness den ganz auf Platzeck ausgerichteten Wahlkampf zunächst gegen Bedenken des Ministerpräsidenten und Parteichefs. Die CDU hatte dem letztlich aber nichts entgegenzusetzen. Insofern hat der kühle Stratege zweifellos Anteil am Wahlsieg Platzecks.

Der weiß das wohl zu schätzen, was Genossen auch an Kleinigkeiten merken. „Mein Generalsekretär“ sagt Platzeck neuerdings über Ness, der neben Staatskanzleichef Rainer Speer zu seinen engsten Beratern gehört. Er ist gewissermaßen der intellektuelle Gegenpol zu dem pragmatischen Speer, einem Handwerker der Macht. Ness wird als Nachfolger von Speer, falls dieser Minister werden sollte, gehandelt. Aber er scheint für Platzeck als „Generalsekretär“ der Partei vorerst unverzichtbarer denn je.

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