Ärzte in Brandenburg : Nur die Praxis zählt

Gerd Nowakowski über das Pilotprojekt in Brandenburg, das es Spätaussiedlern gestattet wieder in ihrem erlernten BEruf als Arzt zu arbeiten.

Gerd Nowakowski

BerlinManche Lösungen sind so naheliegend, dass nur verwundert, warum es so lange dauert, sie umzusetzen. Das gilt für den Modellversuch, Spätaussiedler wieder als Mediziner arbeiten zu lassen. Auf diese Menschen kann die Bundesrepublik nämlich nicht verzichten, wenn sie den demografischen Wandel meistern will; vor allem nicht das Land Brandenburg mit einer schrumpfenden und älter werdenden Gesellschaft.

Vergreisende Städte, aussterbende Dörfer werden das infrastrukturelle Netz der Mark immer mehr belasten, in der Prignitz und im Spreewald. Und an manchen Stellen wird dieses Netz auch reißen. Der Ärztemangel wird immer dramatischer, 2030 wird zudem jeder dritte Brandenburger im Rentenalter sein. Konzepte, wie die Pflege alter Menschen und die medizinische Behandlung aufrechterhalten werden kann, existieren nur auf dem Papier. Der Versuch der Kassenärztlichen Vereinigung und der Landesregierung, arbeitslose Mediziner aus Berlin mit Anreizen aufs platte Land zu locken, um dort die aufgegebenen – weil nicht wirtschaftlich zu führenden – Landarzt-Praxen zu übernehmen, sind nicht übermäßig erfolgreich. Diskutiert wird nun die Verbesserung medizinischer Versorgung des ländlichen Raums mithilfe der sogenannten Telemedizin ohne direkten persönlichen Kontakt zwischen Patient und Arzt: Diagnose und Behandlung sollen durch Telefon, Video und elektronische Übertragung von Gesundheitsdaten erfolgen. Verbessert werden soll vor allem die Betreuung chronisch Kranker.

Angesichts dieser Lage war es längst überfällig, erfahrenen Medizinern, die als Spätaussiedler hier seit Jahren leben und nicht praktizieren durften, die Arbeit – und damit auch ein sinnvolles und erfülltes Leben – zu ermöglichen. Ein Anfang, doch Brandenburg braucht noch weitere gute Ideen. Das gilt nicht nur für die Integration von Spätaussiedlern, sondern auch für Migranten, deren Arbeitslosigkeit in Berlin dramatisch hoch ist. Brandenburg kann es nicht allein schaffen, diese brachliegenden Talente zu nutzen; bei den Umschulungs- und Ausbildungsprojekten ist auch die Berliner Landesregierung gefragt. Gemeinsam Probleme der Region zu lösen – war das nicht einmal Ziel einer Länderfusion?

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