Boxen : Alle fliegen auf den Schwielowsee

Und nun soll auch noch ein Flugzeug dreimal wöchentlich auf dem Wasser landen. Anlieger und Landschaftsschützer finden das problematisch

Sandra Dassler

Petzow. „Wasserflugzeug im Anflug. Bitte räumen Sie die Landefläche.“ So oder ähnlich könnte es bald dreimal wöchentlich über den Schwielowsee südwestlich von Potsdam schallen. Für Joachim Gessinger eine Horrorvision: „Der See wird von Motorboot- bis hin zu Luftmatratzenkapitänen genutzt“, begründet der Landesvorsitzende der Bündnisgrünen seine Ablehnung: „Es wäre ein Stück aus dem Tollhaus, vor der Lennéschen Parklandschaft rund um Schloss Petzow und inmitten von Paddlern und Seglern Flugzeuge starten und landen zu lassen.“

Wolfgang Werner versteht die Aufregung nicht: „Wen sollte ein kleines Wasserflugzeug mit maximal vier Personen stören? Das macht weniger Lärm als ein Motorrad, hat eine geringere Wasserverdrängung als eine Motoryacht und den Benzinverbrauch eines Kleinwagens.“ Werner ist Präsident der „Projektmanagement Petzow am See GmbH“ (PMPS). Die PMPS baut in Petzow auf dem Gelände des ehemaligen Jugendtouristhotels ein Vier-Sterne-Plus-Hotel, 34 Ferienwohnungen, Appartementhäuser und eine Golfanlage. Zum Ressort gehören auch eine Marina und das Hafenrestaurant „Ernest“, das an Hemingway erinnert. Im Sommer schlemmen hier täglich bis zu 200 Gäste – einige davon kommen demnächst vielleicht auch auf dem Luftweg.

„Die Idee kam eigentlich von der Air Service Berlin GmbH“, erzählt Wolfgang Werner: „Die haben ein Wasserflugzeug in Treptow und wurden vor allem von ausländischen Gästen oft gefragt, ob sie nicht ein Ausflugsziel im Berliner Umland wüssten. Anfang des Jahres hatten wir dann die Idee, dass man solche Gäste doch auch mit dem Wasserflugzeug direkt nach Petzow transportieren könne. Inzwischen haben die Luftfahrtbehörde, das Wasserstraßenamt und der Bürgermeister der Stadt Werder, zu der Petzow gehört, den Anträgen zugestimmt.“ Nur die untere Naturschutzbehörde prüft derzeit noch, ob sie eine Genehmigung erteilt. Die Chancen stehen gut, da auf dem Schwielowsee auch Motorbootfahren erlaubt ist. „Deshalb muss unser Haus nicht gefragt werden“, sagt der Sprecher des Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade.

Nicht gefragt wurden jedoch auch die Bewohner der Gemeinde Schwielowsee, deren Ortsteile Caputh und Ferch ebenso wie Petzow direkt am See liegen. Die Bürgermeisterin von Schwielowsee, Kerstin Hoppe, empört sich darüber immer noch: „Am Dienstag vor Ostern stellte ein Gemeindevertreter in einer öffentlichen Sitzung die Frage, ob es stimmt, dass Wasserflugzeuge auf dem See starten sollen“, erzählt sie. „Niemand hatte davon gehört. Was uns aber besonders befremdet hat – keine Behörde wollte uns zunächst Auskunft geben.“

Diese „Geheimniskrämerei“ weckte bei vielen alte Vorurteile gegen die PMPS beziehungsweise gegen ihren geschäftsführenden Gesellschafter, Axel Hilpert. „Die Leute wissen, dass er schon immer gute Kontakte und Beziehungen hatte“, sagt Grünen-Chef Joachim Gessinger. Tatsächlich spürte der ehemalige Mitarbeiter des DDR-Devisenbeschaffers Schalck-Golodkowski vor einigen Jahren das gestohlene Gemälde von Caspar David Friedrich „Ansicht eines Hafens“ sowie Teile des Bernsteinzimmers auf.

Bürgermeisterin Hoppe hält allerdings nichts von alten Geschichten: „Herr Hilpert hat das gleiche Interesse wie alle hier: Wir wollen natürlich vom Tourismus profitieren. Aber zumindest die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden waren sich einig, dies auf eine sanfte Weise zu tun. Und vor allem müssen die Interessen derjenigen gewahrt werden, die bereits jetzt den See nutzen – einschließlich unseres Wassersportvereins.“

Für PMPS-Präsident Werner ist der Protest der Anlieger nicht nachzuvollziehen: „Das Flugzeug braucht nur zwei- bis dreihundert Meter zum Starten und Landen. Warum soll das, was in Berlin-Treptow auf der Spree geht, hier nicht funktionieren? Die zu Schwielowsee gehörenden Gewässerabschnitte sind überhaupt nicht betroffen. Ich gebe ja zu, dass es eine Lücke in der Kommunikation gab, aber wir hätten nicht im Traum daran gedacht, dass jemand etwas gegen unseren Plan haben könnte.“

Wenn der Widerstand wächst, werde man auf das Wasserflugzeug verzichten, sagt Werner. Und fügt resigniert hinzu: „Ist doch immer so in Deutschland: Wenn jemand was Gutes tun will, kommen irgendwelche Bedenkenträger und machen alles kaputt.“

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