Aufschwung : Die Chinesen kommen - vorerst nicht

Oranienburg, Parchim, Potsdam: Große Projekte wurden angekündigt, doch passiert ist bislang wenig.

Matthias Matern,Rainer W. During

Oranienburg/Parchim/PotsdamCirca ein Jahr nach der Vorstellung einer „China-Town“ bei Oranienburg können deren Planer noch immer keine Investoren vorweisen. Die Brandenburg China Projektmanagement GmbH (BCPM) aus Frankfurt (Oder) wollte auf einer alten Militärbrache ein Wohn- und Vergnügungsviertel in chinesischem Stil errichten. Entstehen sollten Wohnungen für etwa 2000 Menschen, Teehäuser, Hotels und Restaurants sowie ein rund 14 Hektar großer chinesischer Park.

Doch das vorgesehene Areal liegt weiter in der Hand der landeseigenen Brandenburger Boden Gesellschaft (BBG). „Es liegt uns keine Finanzierungsbestätigung für den Kauf vor“, sagt Angela Podwitz von der BBG. Bereits Ende 2007 ließ die BCPM eine Frist verstreichen. Für die Investition auf der knapp 80 Hektar großen Fläche rechnet die Frankfurter Firma mit Gesamtkosten bis zu 700 Millionen Euro. Die Verzögerung bewege sich zwar noch im Bereich des Üblichen, sagt Podwitz. Langsam werde es aber kritisch. „Wir können die Fläche nicht ewig frei halten.“ Andere Investoren hätten ebenfalls ihr Interesse bekundet.

Auch Oranienburgs Bürgermeister Hans Joachim Laesicke (SPD) ist enttäuscht. Die BCPM habe Fragen zu Lärmschutz oder Ausgleichsmaßnahmen bislang nicht geklärt. „Außer einem Konzept und schönen Worten liegt nichts vor.“

BCPM-Geschäftsführer Stefan Kunigam verteidigt sich unter Verweis auf das angespannte Verhältnis zwischen Deutschland und China wegen des Dalai- Lama-Besuchs bei der Bundeskanzlerin im September 2007 und des Tibet-Konflikts. Dies erschwere die Investorensuche; den chinesischen Unternehmern seien die Hände gebunden. Allerdings gebe es Kontakt zu potenziellen Investoren der Immobilienbranche. Im Mai sei eine weitere China-Reise geplant. Doch solange das Areal nicht gesichert sei, habe es keinen Sinn, Lärmschutz oder Ausgleichsmaßnahmen zu erörtern. Nächste Woche wolle man sich erneut mit der BBG und der Stadt zu Gesprächen treffen.

Zugleich kommt auch ein anderes chinesisches Projekt in der Region nicht recht voran: Im Juli vergangenen Jahres hat der chinesische Logistik-Unternehmer Jonathan Pang mit seiner Firma Link Global den Flughafen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern kurz hinter der Grenze zu Brandenburg übernommen. Der Vertrag sah einen Kaufpreis von 30 Millionen Euro vor, dazu verpflichtete sich Pang, weitere 70 Millionen Euro zu investieren. Gesehen hat der Landkreis bisher allerdings keinen einzigen Euro. In der Vergangenheit hat Pang den Zahlungsverzug stets mit der ausstehenden Genehmigung der chinesischen Regierung für die Auslandsinvestition begründet. Auch dabei wurde unter anderem auf die Verstimmung nach dem Besuch des Dalai Lama verwiesen. Die Kreisverwaltung hat Pang immer neue Zahlungsfristen eingeräumt. Schließlich war zuvor schon ein Deal mit einem britischen Investor gescheitert, der nie gezahlt hat.

Bisher landen die Fracht-Jumbos aus China noch nicht so häufig in Parchim, wie man es sich wünschen würde, räumt ein Sprecher des Kreises ein. Und weil es in Mecklenburg-Vorpommern noch an Waren für die Gegenrichtung mangelt, düsen die Jets zur Aufnahme von Rückfracht weiter nach Luxemburg.

Nun hat das Landratsamt einem ungewöhnlichen Weg zugestimmt. Pang durfte einen Teil des Geländes an die australische Goodman-Immobiliengruppe weiterverkaufen, die zwölf Millionen Erlös sollen auf ein Sperrkonto eingezahlt werden und an den Landkreis gehen, sobald Link Global im Grundbuch steht. Die Australier wollen dann einen dreistelligen Millionenbetrag investieren und Pang zugleich die Vermarktung starten. Für die Zahlung der restlichen 18 Millionen hat ihm der Kreis eine generöse Frist bis Ende 2009 eingeräumt. Denn die Hoffnung auf den Aufschwung aus China will Parchim noch nicht aufgeben.

Auch zwei weitere chinesische Projekte – das Potsdam Shanghai Business Center und das geplante Großhandelszentrum für chinesische Möbel im Gewerbegebiet Friedrichspark bei Potsdam – hängen bislang noch in der Warteschleife. „Die Eröffnung des Shanghai-Centers wird kommen. Die Frage ist nur wann“, meint Jens Ullmann von der IHK Potsdam. Detlef Kaminiski, Projektentwickler im Friedrichspark ist etwas optimistischer: „Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr die Bauanträge stellen.“

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