Bad Saarow : Acht Zimmer, vier Sterne

Das kleinste First-Class-Hotel Deutschlands liegt in Bad Saarow gleich am See. Rekordverdächtig ist auch die Auslastung der „Villa Contessa“: fast 100 Prozent.

Claus-Dieter Steyer

Bad Saarow - Im kleinsten First-Class- Hotel Deutschlands läuft das Geschäft trotz der Wirtschaftskrise auf Hochtouren. „Wir sind ausgebucht wie immer“, sagt die Inhaberin der „Villa Contessa“ in Bad Saarow, Marina Runge. „Am Jahresende dürften wir auf eine 95-prozentige Zimmerauslastung zurückblicken können. Nur durch kurzfristige Absagen erkrankter Gäste blieben an einigen wenigen Tagen tatsächlich einige Betten frei.“ Diese mindestens in Brandenburg einmalige Quote ist umso überraschender, als die Zimmer- und Suitenpreise zwischen 118 Euro und 458 Euro liegen – und damit beträchtlich über dem Landesdurchschnitt. Dabei besitzt das Vier-Sterne- Haus überhaupt nur acht Gästezimmer. Und offenbar kommt der familiäre Stil der Chefin, einer ehemaligen Angestellten der Sparkasse Eisenhüttenstadt, an. In den Gästebüchern finden sich die Namen vieler bekannter Künstler, Sportler und Politiker.

Vor genau zehn Jahren erfüllte sich die heute 52-jährige Marina Runge zusammen mit ihrem Mann einen Traum. Bei einem Spaziergang durch Bad Saarow entdeckte das Paar direkt am Scharmützelsee eine mit Brettern vernagelte Villa. Sie gehörte einst einem wohlhabenden Berliner Geschäftsmann, der sich 1910 hier seine Sommerresidenz geleistet hatte. 35 Jahre später bestimmten Soldatenstiefel den Takt: Die sowjetischen Truppen richteten im Kurpark ein großes Sanatorium ein und beschlagnahmten die Villa als Sitz des Kommandanten.

1994 dann zogen die Russen ab; die Villa sollte rückübertragen werden. Doch die Nachkommen des Erbauers konnten sich nicht einigen und schrieben das Anwesen zum Verkauf aus. „Kurz zuvor hatte ich ein Motivationsseminar in der Toskana besucht und mir danach vorgenommen, in meinem Leben noch etwas anderes zu machen“, erinnert sich Marina Runge, die in der DDR sozialistische Finanzökonomie studiert hatte. „Die Villa hatte es mir sofort angetan.“

Sie überredete den damaligen Chef der örtlichen Sparkasse zu einem günstigen Kredit und Gewährung von Fördermitteln. Geplant war zunächst nur eine kleine Frühstückspension. Doch im Laufe der zehn Jahre wurde ein schickes Hotel daraus, mit einem inzwischen hochwertigen Wellnessbereich und einem Restaurant unter Rainer Wolter, der sich in Hamburg schon einmal einen Michelin-Stern erkochte. 18 Arbeitsplätze sind in der für mehrere Millionen Euro umgebauten „Villa Contessa“ entstanden. Der Name ist eine Reminiszenz an jenes Toskana-Seminar und bezeichnete früher die unverheiratete Tochter eines Grafen.

Gesagt werden muss zwar, dass die mit vielen Accessoires ausgeschmückte Einrichtung der Villa nicht jedermanns Sache sein mag. Aber gerade darin sieht die Hotelchefin einen wichtigen Teil ihres Erfolgsrezepts. Die an die 100-prozentige Auslastung scheint ihr Recht zu geben.

Kontakt im Internet:

www.villa-contessa.de

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