Brandenburg : Neonazis fotografieren sich vor brennendem Haus der Demokratie

Eine Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus wurde von Nazis bedroht. Bis auf die Grundmauern brannte am Wochenende das Gebäude nieder, das der Verein nutzte. Betreiber halten einen Brandanschlag für möglich.

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Zossen - Bis auf die Grundmauern brannte am Wochenende das „Haus der Demokratie“ in Zossen (Teltow-Fläming) nieder. Das eingeschossige Gebäude wurde von einer Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus genutzt. Verletzt wurde niemand. Die Brandursache ist noch unklar, die Ermittler wollten aber einen politischen Hintergrund nicht ausschließen.

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um einen Anschlag aus der rechtsextremen Szene handeln könnte. „Solange kein Ergebnis vorliegt, halten wir uns mit Spekulationen zurück“, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, Jörg Wanke. Er betonte aber, dass sich in dem Abstellraum, wo der Brand in der Nacht zu Sonnabend ausgebrochen war, keine Elektrogeräte befanden. Die Polizei bestätigte, dass sie die Personalien mehrerer Neonazis aufgenommen hat, die sich vor dem brennenden Gebäude gegenseitig fotografierten. In einschlägigen Internetforen wird der Brand bereits bejubelt.

Erst im September 2009 wurde das Gebäude eröffnet, um gegen die zunehmenden Neonazipräsenz in der Region einen Anlaufpunkt zu bieten. Gleich nach der Eröffnung wurde eingebrochen und die Einrichtung verwüstet. An Häuserwänden im Ort wurden rechtsextreme Parolen und Morddrohungen gegen den Sprecher der Bürgerinitiative gesprüht. Durch die Scheiben seiner Wohnung flogen nachts Steine.

Nach Angaben linker Gruppen soll es rege Kontakte zwischen den Rechten aus Zossen und dem Berliner Neonazi Julian B. gegeben haben. Er war 2008 einer der Hauptverdächtigen der fremdenfeindlichen Brandanschläge in Rudow. Bei einem Aufmarsch gegen das Haus der Demokratie im September soll er sich unter den Teilnehmern befunden haben.jra

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