Boxen : Buga-Köpfe: Der Preisrichter lässt sich nicht täuschen

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Was passiert eigentlich bei einer kurzzeitigen starken Erwärmung der Pflanzen im Gewächshaus? "Sie werden geil", antwortet der Hamburger Gärtnermeister Ernst Kramer mit einem Augenzwinkern. "Denn sie schießen einfach nur in die Länge. Die Qualität bleibt dabei auf der Strecke". Kramer muss es schließlich wissen. Er züchtet und verkauft Blumen, Stauden und andere Pflanzen nicht nur in der Elbestadt, sondern bewertet als ehrenamtlicher Preisrichter auch die Leistung der Berufskollegen auf der Buga in Potsdam.

Mehrere Teams von Gärtnern aus der ganzen Bundesrepublik durchstreifen mit Stift und Block regelmäßig die Biosphärenhalle oder das Freigelände. Sie kontrollieren den Aufbau, die Qualität, die Beschaffenheit einzelner Blüten sowie den möglichen Schädlingsbefall und vergeben danach nach strengen Kriterien Punkte. Für die besten Neuzüchtungen oder Pflanzenbilder gibt es dann Bronze-, Silber- oder Goldmedaillen. "Das ist für den jeweiligen Betrieb oder den einzelnen Gärtner recht lukrativ", berichtet Ernst Kramer. "Bei so einer Urkunde im Verkaufsraum staunen die Kunden dann doch schon."

Der Hamburger kennt das Preisrichterwesen bereits von den Bundesgartenschauen in Cottbus, Gelsenkirchen und Magdeburg. Nach Potsdam und Umgebung komme er besonders gern, sagt der 66-Jährige. Schließlich habe er in Frankfurt (Oder) seine Lehre im Gartenbau absolviert und in der Havelstadt Werder 1958 seine Meisterprüfung bestanden. Danach verließ er aber die DDR.

"Einige Aussteller auf der diesjährigen Buga haben versucht, der Natur ein Schnippchen zu schlagen", meint Kramer. Sie hätten einfach die Temperatur in den Gewächshäusern etwas erhöht, um den zwei- bis dreiwöchigen Blüh-Rückstand aufzuholen. Doch Wärme allein genüge eben nicht. Das Licht dürfe nicht vernachlässigt werden. Das Ergebnis sei der oben beschriebene Effekt.

Bei ihren Kontrollgängen möchten die Preisrichter möglichst ungestört die Pflanzen von allen Seiten begutachten und beschnuppern. "Deshalb können wir dabei auf Fragen der Besucher leider nicht eingehen", erklärt der Gärtner. "Auch Teile der großen Biosphärenhalle müssen da gesperrt werden. Sonst schwindet im Massenandrang die Konzentration." Und diese wird schließlich benötigt.

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