Boxen : Cargolifter: Aktionäre legen Axt an Dschungel

Verein will in der Riesen-Halle keine Tropenlandschaft sehen und vor Gericht ziehen. Das gefährdet die neuen Pläne

Claus-Dieter Steyer

Brand. Der Traum von einem Tropenparadies in der riesigen Cargolifter-Halle könnte durchaus noch platzen. „Wir sehen gute Chancen, den Dschungel noch zu verhindern und das Gelände wieder für den Bau von Luftschiffen zu verwenden“, sagte gestern Andreas Eichner, Chef der Aktionärsvereinigung „Zukunft in Brand“. Diese hat zur Durchsetzung ihrer Ziele auf juristischem Weg Peter-Michael Diestel, Rechtsanwalt und letzter DDR-Innenminister, beauftragt. Vor Gericht wollen die rund 72000 Aktionäre der Cargolifter AG den „widerrechtlichen Zugriff auf ihr Eigentum“ rückgängig machen. Die Aktionäre hatten insgesamt rund 320 Millionen Euro in das Projekt zum Bau riesiger Lastluftschiffe gesteckt.

„Die meisten glaubten an diese Technologie und wollten als Enthusiasten diese faszinierende Idee unterstützen“, sagte Eichner, der selbst für 7000 Euro Aktien gekauft hatte. Nach der Insolvenz aber hat wie berichtet das Unternehmen Tropical Island aus Malaysia und Großbritannien die 60 Kilometer südlich Berlins gelegene Halle und das dazugehörige ehemalige Flugplatzgelände gekauft. 20,3 Millionen Euro fließen dafür an den Insolvenzverwalter. Und bis 3. Oktober nächsten Jahres soll in der Halle eine Tropenlandschaft mit Dschungel, Sandstränden, einer Salzwasserlagune und zwei Hotels entstehen. 120 Millionen Euro soll der Umbau kosten und 1000 neue Jobs in der Halle sowie weitere 1500 in der Umgebung schaffen.

Doch nach Ansicht der Aktionärsvereinigung habe die Landesinvestitionsbank Brandenburg ungerechtmäßig im Gläubigerausschuss der insolventen Cargolifter AG gesessen und abgestimmt. „Deren 39 Millionen Euro steckten in der Werfthalle und hatten mit dem eigentlichen Bau der Luftschiffe nichts zu tun“, glaubt Andreas Eichner. Daher seien auch alle Beschlüsse des Gläubigerausschusses hinfällig; über die Perspektiven des Projektes müsste noch einmal neu verhandelt werden. Hier beginne die juristische Auseinandersetzung.

Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning sieht einer Klage gelassen entgegen. Der Verkauf der Halle an private Investoren sei das bestmögliche Ergebnis gewesen, sagte er. Sonst hätte der Koloss abgerissen werden müssen, da kein sonstiger Interessent die jährlichen Unterhaltskosten von zwei Millionen Euro aufbringen wollte. Doch bei einem Abriss der Halle seien sämtliche Vermögenswerte verloren gegangen.

Zugleich haben sich die Käufer ein Rücktrittsrecht vom Vertrag einräumen lassen. Nur wenn die Baugenehmigung bis zum 31. Januar nächsten Jahres vorliegt, würden sie an dem Projekt festhalten. Fraglich ist, ob für das Vorhaben ein neues, umfangreiches Raumordnungsverfahren notwendig ist. Die bisherigen Genehmigungen galten für einen Produktionsort für Luftschiffe und nicht für eine tropische Landschaft mit erwarteten drei Millionen Besuchern im Jahr. Die zuständigen Behörden der Kreisverwaltung Dahme-Spree haben jetzt erst mit der Überprüfung der Unterlagen begonnen. Doch auch ein Gerichtsverfahren könnte die Frist bis Ende Januar in Gefahr bringen.

In der Umgebung der Cargolifter-Halle überwiegt die Zustimmung für die geplante Tropenlandschaft. Laut Insolvenzverwalter Mönning haben sich schon viele Menschen um einen Job beworben. Große Hoffnung macht sich auch der Tourismusverband Spreewald. Viele Gäste der Halle würden auch die Umgebung bereisen, Übernachtungen buchen und in den Gaststätten Geld ausgeben, hieß es am Montag vom Verband.

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