Boxen : Cargolifter ist immer noch attraktiv – für Besucher

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Brand. Der zahlungsunfähige Luftschiffbauer Cargolifter machte am Wochenende noch einmal Kasse. Auf dem Werftgelände in Brand drängelten sich Reisegruppen aus ganz Deutschland, Vereine, Familien und sonstige Neugierige. „Die Führungen sind außerordentlich gut besucht“, sagte ein besucherbetreuer. Das Projekt des Luftschiff-Baus fasziniere die Menschen eben, meinte er. „Außerdem wollen die Leute die riesige Halle von innen sehen.“

Doch die Einnahmen durch die täglich weiterhin bis zu 850 Besuchern deckten gerade einmal die Kosten für den Betrieb des Erlebniscenters, heisst es aus der Chefetage. Ohne die Touristen sähe es auf der Anlage des insolventen Unternehmens allerdings recht trübsinnig aus. Die meisten Büros in den gläsernen Containern sind verwaist. Die größte Schneidemaschine der Welt, auf der in der Halle bislang die Bahnen für das Luftschiff gefertigt wurden, steht still. „Urlaubszeit“, sagt ein Angestellter.

Doch möglicherweise bleiben zahlreiche Arbeitsplätze auch nach dem Sommer unbesetzt. Dennoch herrsche keine Untergangsstimmung, sagt der Betriebsratschef Matthias Flörsch. „Luftschiffbauer sind zum größten Teil Idealisten, die in ihre Arbeit regelrecht vernarrt sind.“ Sie schauten nicht so auf jeden Euro und würden so wohl auch in anderen Unternehmen einen Job finden. In Frankreich und Großbritannien liefen ähnliche Projekte, allerdings mit starker staatlicher Unterstützung.

Noch will niemand auf dem Werftgelände oder in der Umgebung von einem völligen Scheitern des 1996 mit so viel Euphorie gestarteten Projektes reden. Doch ohne zahlungskräftige Partner steht seine Zukunft in den Sternen. Der Vorstand der Cargolifter AG hat bislang nur von einem Interesse „namhafter ausländischer Großunternehmen, wie zum Beispiel Boeing“ gesprochen. Konkrete Angaben gibt es nicht. So ist auch der vermeintlich bevorstehende Einstieg einer russischen Gasfirma bisher nicht mehr als ein Gerücht. Fachleute halten dieses Engagement allerdings durchaus für möglich. Denn in der Wirtschaft Russlands gilt einzig die Energiebranche als lukrativ. Das Luftschiff CL 160 und der Transportballon CL 75 könnten zur Beförderung von Rohrleitungen, großen Verdichterstationen oder Turbinen eingesetzt werden.

Doch der Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning stellte auf Nachfrage klar, dass er im Augenblick keine Verkaufsverhandlungen führt. „Wir haben natürlich Kontakt mit in- und ausländischen Gesprächspartnern, die entweder an einer Kooperation oder an einer Beteiligung interessiert sind.“ Alle Gespräche befänden sich im Sondierungsstadium. Mönning reagierte damit auf Meldungen, wonach Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe von einem möglichen Käufer für Cargolifter gesprochen habe.

Viele Fragezeichen stehen auch hinter dem vom Landkreis Dahme-Spreewald befürworteten Gründungs- und Technologiezentrum in Brand. Dessen Spektrum soll zwar über die Zusammenarbeit mit Cargolifter hinausgehen – doch ob es ohne den Luftschiffbauer Sinn machen würde, ist mehr als fraglich. Claus-Dieter Steyer

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