Boxen : Der Fall Ulrike: "Sehr sichere Spurenbeweise"

Claus-Dieter Steyer

Auf mehr als 100 Beamte ist die Sonderkommission "Ulrike" im Eberswalder Polizeipräsidium aufgestockt worden. Sie fahnden Tag und Nacht nach dem Mörder des zwölfjährigen Mädchens. Im Mittelpunkt stehen die 150 Hinweise, die nach der Veröffentlichung des neuen Phantombilds eines 25 bis 35 Jahre alten Mannes mit dunkelblonden, längeren Haaren am Sonnabend eingingen. Die Anrufer stammen aus dem ganzen Bundesgebiet. Aber nach wie vor kommen die meisten Hinweise aus dem Gebiet zwischen Eberswalde, Bernau, Werneuchen und Strausberg.

Die Polizei geht davon aus, dass der Täter aus den Landkreisen Barnim oder Märkisch-Oderland stammt. Dafür sprechen die benutzten Wege, die nur Einheimischen bekannt seien. Eine Flucht des Mannes in andere Teile Deutschlands oder ins Ausland wird nicht ausgeschlossen. Bis zum Abend gab es keine heiße Spur.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber aus Frankfurt (Oder) sprach gestern von "sehr sicheren Spurenbeweisen", die bei der Untersuchung der Leiche und des Fundorts gefunden wurden. Einige Spuren seien jedoch noch nicht ausgewertet und erst am Sonnabend ins Brandenburger Landeskriminalamt gebracht worden. Weber rechnet in den nächsten zwei Tagen mit Ergebnissen.

Darunter befinden sich offenbar weitere Details des genetischen Fingerabdruckes des Täters. Dieser wird aus Blut, Sperma, Haaren oder Speichel gewonnen. Schon winzige Hautteile reichen den Ermittlern, um die DNA zu analysieren. Die DNA ist bei jedem Menschen einzigartig. Etwa bei der Hälfte aller Tötungs- und Sexualdelikte in Deutschland werden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin Spuren von Erbinformationen gefunden. Da der Mörder von Ulrike das Mädchen noch vor seinem Tod sexuell missbraucht hatte, können die Spezialisten ein klares DNA-Muster erstellen. Ein Vergleich mit der Gendatenbank beim Bundeskriminalamt, wo Angaben von 90 000 verurteilten Straftätern und Beschuldigten gespeichert sind, brachte kein Ergebnis.

In der Region um Eberswalde stößt der Vorschlag, Speichelproben von allen 25 bis 35 Jahre alten Männern zu nehmen, fast auf einhellige Zustimmung. Zweifler verweisen allerdings auf die Nähe des Fundortes der Leiche zu Berlin. Der Mann könnte durchaus vor einiger Zeit in die Großstadt gezogen sein. "Zuerst müssen alle Einheimischen ran, dann alle früheren Bewohner der Gegend", hieß es an der Tankstelle in Werneuchen.

Tiefe Trauer herrschte gestern an der Grundschule Finow, an der Ulrike die Klasse 6 d besucht hatte. Vor Beginn des Unterrichts zündeten Mitschüler auf dem Platz des ermordeten Mädchens Kerzen an und legten Blumen nieder. Die Staatsanwaltschaft gab unterdessen die Leiche des Mädchens zur Bestattung frei. Die Polizei sicherte Schulwege im gesamten nördlichen Berliner Umland.

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