Boxen : Die Bagger pausieren für die Trappenbalz

KLAUS KURPJUWEIT

Bahntrasse Berlin-Hannover soll 1998 fertig sein - trotz Planungsquerelen mit GemeindenVON KLAUS KURPJUWEIT RATHENOW Nichts.Absolut nichts.Von den Trappen, die für 30 Millionen Mark geschützt werden, ist einfach nichts zu sehen.Trotzdem enden am Freitag auf jeden Fall die Bauarbeiten im Trappenschutzgebiet an der neuen Schnellbahnstrecke zwischen Berlin und Hannover.Die seltenen und scheuen Großvögel, 22 frei lebendende sollen es noch sein, beginnen zwischen Nennhausen und Buschow zu balzen.Bis 31.August werden sie nun vom Baulärm geschont.Wenn sie früher Erfolg haben sollten, dürfen die Bagger sogar eher zurück. Die Bauarbeiter müssen sich beeilen, doch mehr als eine Zwischenausbaustufe werden sie auf keinen Fall schaffen.Der Streit, wie die Trappen am besten vor den Zügen geschützt werden können, hat den Bau der Neubaustrecke verzögert, auf der die Züge im nächsten Jahr in einer Stunde und 46 Minuten von Berlin nach Hannover rasen sollen.Eine weite Umfahrung des Trappenschutzgebietes war ebenso im Gespräch wie ein Tunnel im flachen Brandenburger Land.Schließlich entschied man sich, neben den Gleisen Dämme aufzuschütten, die verhindern sollen, daß die trägen Vögel vor einen Zug geraten.30 Millionen Mark werden die Schutzmaßnahmen für die Trappen kosten. Die Dämme bestehen zum großen Teil aus geschichteteten Styroporblöcken, auf die am Schluß nur noch eine Erdschicht kommt.Der moorige Untergrund läßt den Bau eines schweren Erddammes nicht zu.Die Bahntrasse verläuft deshalb in diesem Bereich auf ebenerdigen Brücken, deren Stützen tief unter die Moorschichten gerammt sind.Lüêkenlos ist der Trappen-Schutzwall aber trotzdem nicht.An einem Biotop, das erhalten werden soll, bleibt ein Schlupfloch. Für die Bahn wird der Abschnitt zu einem Engpaß.Zwischen Berlin und Oebisfelde an der ehemaligen Grenze sollten für die Schnellfahrstrecke zwei neue Gleise gebaut werden.Die alte Stammstrecke daneben, auf der Regional- und Güterzüge fahren werden, sollte abschnittsweise ein- oder zweigleisig saniert werden und wie die Neubaustrecke eine Oberleitung erhalten.Inzwischen hat man aus Kostengründen - und weil man annimmt, daß der Verkehr zunächst nicht so steigen wird wie ursprünglich erwartet - die eingleisigen Abschnitte verlängert und auf die Oberleitung verzichtet. Im Trappenschutzgebiet gibt es sogar in der ersten Ausbaustufe nur eine zweigleisige Gemeinschaftsstrecke auf der Trasse der Stammgleise.Statt 250 km/h dürfen die schnellen ICE-Züge dort "nur" Tempo 200 fahren, was die Fahrtzeit um gut zwei Minuten verlängern wird. Nach Ansicht von Hans Retter von der Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (PBDE) sind die Großvögel trotzdem nur "kleine Fische".An anderen Stellen werden die Arbeiten viel mehr gebremst:- In Dallgow streitet sich die Gemeinde mit der Bahn um den Kostenanteil, den sie für zwei neue Brücken übernehmen muß.Weil sich die Ingenieure verrechnet haben, muß Dallgow statt 700 000 Mark etwa das Doppelte zahlen.Die uralten Brücken, die von der Gemeinde unterhalten werden müssen, werden zwar nur für die Bahn neu gebaut, doch nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz muß die Gemeinde dafür einen "Vorteilsausgleich" zahlen.Demnächst müßte sie die Bauwerke nämlich sowieso erneuern.Pech hat sie zudem, wie Retter einräumt, weil der Neubau billiger als geplant wird.Nach der komplizierten Ausgleichsformel steigt dadurch nämlich der Gemeinde-Anteil.In Rathenow will die Stadt nichts für zwei geplante Unterführungen bezahlen, an denen sie sich beteiligen muß, weil sie keine Fördermittel vom Land dafür erhält. Ein paar Kilometer weiter, an der B 188, wird die Bahn von einer Straßenbrücke aufgehalten.Auf beiden Seiten ist die Neubautrasse planiert, an der Brücke jedoch nicht.Erst hat sich die Straßenaufsichtsbehörde nach Beginn der Planungen für eine andere Trasse entschieden, dann wollte die Gemeinde auf den zunächst vorgesehenen Radweg verzichten und schließlich stritt man sich um die Konstruktion der neuen Brücke. Doch Retter ist zuversichtlich: "Ende Mai 1998 wird die Strecke betriebsbereit sein, auch im Trappenschutzgebiet und an den Unter- und Überführungen".Dann kann der Schnellverkehr zwischen Berlin und Hamburg losgehen - falls die Arbeiten in Berlin auch termingerecht beendet werden.

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