Boxen : "Die Schönheit der Macht" auf der Burg

CLAUS-D.STEYER

Beeskow zeigt neue Ausstellung von DDR-Kunst VON CLAUS-D.STEYER

Beeskow."Bauarbeiter, Bauarbeiterin, Volkspolizist", lautet die schlichte Beschriftung einer Bronzeplastik.Deren Schöpfer ist unbekannt.Doch das anhand der Polizeiuniform mindestens zwei Jahrzehnte alte Werk ist jetzt aus dem Depot hervorgeholt worden.Es gehört zur neuen Ausstellung "Die Schönheit der Macht" auf der Burg Beeskow, südöstlich Berlins.Burgherr Herbert Schirmer hat dafür aus dem rund 3000 Gemälde, Skulpturen und Blättern umfassenden Dokumentationszentrum für DDR-Kunst einige typische Arbeiten über das von den Propagandisten vorgegebene "sozialistische Lebensgefühl". Die Exponate hinterlassen einen durchaus zwiespältigen Eindruck.Längst schon vergessene oder verdrängte Erinnerungen an die alte Zeit werden beim Gang durch die Räume wieder wach.Bauleute aller Art waren tatsächlich auf den Heldenthron gehoben worden.Sie dominieren weitgehend die Auswahl in der neuen Schau.Aufschlußreich sind nicht nur die Darstellungen selbst, sondern auch die in goldener Schrift gehaltenen Schilder.So klebt unter dem 1987 entstandenen Gemälde von Brigida Böttcher mit dem Titel "Dachdecker" der Hinweis "Dem Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, zum 75.Geburtstag.Überreicht vom Bundesvorstand des FDGB." Die Malerin hat eine Frühstückspause von Bauleuten auf der Berliner Fischerinsel eingefangen.Das Bild von Walter Dötsch hatte eine ganz andere Bestimmung: "Zur Erinnerung an das Treffen hervorragender Jugendbrigaden am 10.1.84 in Bitterfeld", verrät das Blechschild. Auch bekannte Köpfe, die die Schönheit der Macht wesentlich bestimmten, fehlen auf der Burg Beeskow nicht.Neben Honecker trifft der Betrachter auch auf Ulbricht und Lenin.Doch so richtig wird die Ausstellung ihrem Titel erst durch Polit-Souvenirs, Kunstgewerbegegenstände und allerlei Kitsch gerecht. Das Dokumentationszentrum bietet noch reichlich Stoff für viele Sonderausstellungen.Denn noch immer mustern frühere DDR-Unternehmen Kunstwerke aus alten Zeiten aus.Schirmer könnte sich Themen zu Frauen, Kind und Landwirtschaft vorstellen.Beeskow sammelt Werke aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.Sachsen hat sich auf der Festung Königsstein ein eigenes Depot eingerichtet.Die Treuhand und ihre Nachfolgegesellschaft haben bisher rund zwei Millionen Mark in die Beeskower Sammlung gesteckt.Der Speicher erhielt unter anderem eine neue Klimaanlage. Der Ausflug auf die mitten in Beeskow gelegene Burg kann noch bis zum 12.Januar mit dem Besuch einer speziellen Weihnachtsausstellung verbunden werden.Christa Leusch zeigt Spielpuppen aus 100 Jahren. Die Ausstellung "Die Schönheit der Macht" wird bis zum 5.1.gezeigt.Geöffnet ist die Burg, in deren Museum auch Ausstellungen zur Regionalgeschichte von Beeskow zu sehen sind, täglich von 10 bis 16 Uhr.Zu erreichen ist Beeskow über die Autobahn Berlin-Frankfurt, Ausfahrt Storkow.Etwa im Stundentakt verkehren Züge vom S-Bahnhof Königs Wusterhausen.Auskünfte über das umfangreiche Veranstaltungsprogramm auf der Burg werden unter Tel.0 33 66/2 05 79 erteilt.

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