Boxen : Eine Zeltstadt für 5000 Fußball-Fans

In Paaren/Glien soll zur Weltmeisterschaft ein riesiger Campingplatz entstehen

Claus-Dieter Steyer

Paaren/Glien - Nur 500 Menschen leben in dem kleinen Dorf Paaren im Glien, das gleich hinter dem westlichen Berliner Autobahnring liegt. Im nächsten Frühsommer aber dürfte sich die Einwohnerzahl verzehnfachen: Rund 5000 Menschen gleichzeitig sollen hier zur Fußball- WM in einer Zeltstadt wohnen können. „Von hier aus sind die Stadien in Hamburg, Leipzig, Hannover und Berlin auf kurzen Wegen über die Autobahnen zu erreichen“, sagt Organisator Ulrich Krämer von der „Fanprojekt 2006“-GmbH. Die zwei anderen Standorte für Zeltstädte sind Koblenz – für die Stadien in Frankfurt (Main), Kaiserslautern und Nordrhein- Westfalen – und Ingolstadt für die Arenen in München, Nürnberg und Stuttgart. Krämer rechnet in den vier Wochen der WM mit insgesamt rund 80 000 Gästen in Paaren. „Wir bieten nicht nur Übernachtung und Verpflegung, sondern auch die Übertragung der Spiele auf Großbildleinwänden; außerdem Partys und Live-Konzerte.“ Neben Touristen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland sollen auch Fans aus den umliegenden Orten hier die WM als Gemeinschaftserlebnis auskosten können. Der Deutsche Fußball-Bund unterstützt das Projekt. Auch die Brandenburger Polizei sieht darin kein größeres Sicherheitsrisiko: Man werde das Lager „beobachten“, heißt es.

Die Zeltstadt wird auf dem Gelände des „Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrums“ (MAFZ) aufgebaut. Auf diesem Areal am Rande des Dorfes finden fast jedes Wochenende Veranstaltungen statt – vom Countrytreffen, über Handwerkermessen bis zum Schlachtefest. Einmal im Jahr wird es richtig voll: Jeweils zu Himmelfahrt öffnet die Brandenburger Landwirtschaftsausstellung für vier Tage ihre Tore für bis zu 50 000 Besucher.

Daher sehen die Einwohner auch dem Treffen der Fußballfans recht gelassen entgegen. „Da fällt wenigstens für die einheimischen Gastwirte und die Bauern etwas ab“, sagt ein Mann auf der Dorfstraße. Andere hoffen auf einen zeitweiligen Job. „Die brauchen doch bestimmt viele Hilfskräfte“, meint eine auf den täglichen Bäckerwagen wartende Frau.

Diese Hoffnung kann durchaus aufgehen, bestätigt Organisator Krämer. „Wir sprechen ausdrücklich einheimische Gaststätten und Produzenten an, die Versorgung in der Zeltstadt zu sichern.“ In der rund 4000 Zuschauer fassenden Brandenburghalle, in der eine riesige Leinwand stehen wird, arbeitet die Gaststätte „Märkischer Landmann“. Sie besitzt genügend Erfahrungen mit Großveranstaltungen.

Als Gäste erwartet Paaren viele Jugendliche, die mit dem Auto oder dem Wohnwagen anreisen und in der Nähe der WM- Stadien preisgünstig übernachten wollen. Die meisten bringen ihre Zelte selbst mit. Ein Platz soll 18 Euro pro Tag kosten. Es können aber auch einige Zelte ausgeliehen werden. Für Fans ohne eigenes Auto werden Shuttle-Busse zu den Bahnhöfen Berlin-Spandau und Nauen fahren.

Bei den meisten Fans indes dürfte die Quartierssuche erst nach der Auslosung der WM-Vorrundengruppen am 9. Dezember beginnen. Die wird in Brandenburg besonders in drei Hotels mit Hochspannung erwartet. Als Gastgeber für teilnehmende Mannschaften haben sich das Potsdamer Seminaris-Hotel am Templiner See, das Resort Arosa in Bad Saarow am Scharmützelsee und das Hotel Linowsee bei Rheinsberg beworben. Außerdem steht das östlich Berlins gelegene Bundesleistungszentrum Kienbaum für ein Team bereit. Wie aus den Häusern verlautet, haben sich schon Späher aus mehreren Ländern bei ihnen umgesehen. Doch wurde überall Stillschweigen vereinbart.

Anmeldung und Informationen im Internet unter www.fanprojekt2006.de

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